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Künstler- und Denkerenzyklopädie

Maria Anna Angelika Katharina Kauffmann
(1741-1807)

 


Kurzbiographie zu Angelika Katharina Kauffmann

Maria Anna Angelika Katharina Kauffmann, geboren am 30.10.1741 im schweizerischen Chur, Malerin und Grafikerin, wurde schon früh als Wunderkind gefeiert. Erste künstlerische Unterweisungen bekam sie von ihrem Vater, Josef Johann Kauffmann (1702-1782), den sie bereits 1757 bei offiziellen Aufträgen unterstützte. Entscheidende künstlerische Impulse erhielt Angelika Kauffmann jedoch auf ihren ersten Italienaufenthalten (1754-1757 und 1758-1766). Empfehlungsschreiben begeisterter Förderer öffneten ihr dort zu Studienzwecken fürstliche Sammlungen und ermöglichten ihr, entscheidende Kontakte zu knüpfen: zum einen zu prägenden Persönlichkeiten wie Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) und Johann Friedrich Reiffenstein (1719-1793), zum anderen zu potentiellen Auftraggebern – in erster Linie zu den damals zahlreichen englischen Grand-Tour-Reisenden. 1766 siedelte Kauffmann schließlich nach England über und richtete sich in London ein repräsentatives Atelier ein, das ihrer Auftraggeberschicht aus Hof und Adel und den damit verbundenen gesellschaftlichen Verpflichtungen gerecht wurde. Joshua Reynolds (1723-1792) wurde während ihrer englischen Zeit zu einem prägenden Förderer.

Nach der Heirat mit dem Maler Antonio Zucchi (1726-1795) ließ sich Angelika Kauffmann 1782 endgültig in Rom nieder. Hier konnte sie rasch ihren Platz neben den damals führenden Malern Anton von Maron (1733-1808) und Pompeo Batoni (1708-1787) behaupten und wurde als Nachfolgerin Anton Raphael Mengs (1828-1779) gefeiert. Ihr Salon und ihr Atelier wurden zu einer wichtigen Anlaufstelle für deutsche Romreisende, insbesondere für den Weimarer Kreis um Goethe (1749-1832), Herder (1744-1803) und Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar (1739-1807). Am 5.11.1807 starb Angelika Kauffmann in Rom.

Bildnisaufträge machten zeitlebens den lukrativsten Hauptbestandteil ihres künstlerischen Œuvres aus. Neben Herrscherporträts für die neapolitanische Königsfamilie und dem Bildnis für Kronprinz Ludwig von Bayern (1786-1868), porträtierte sie Künstlerkollegen wie Reynolds und Jakob Philipp Hackert (1784-1862) sowie zahlreiche Romreisende, unter ihnen Goethe und Herder. Doch auch auf dem Gebiet der Historienmalerei, welches Frauen aufgrund des Aktstudiums nahezu verschlossen blieb, genoss Angelika Kauffmann hohes Ansehen. Wichtige Aufträge führte sie u.a. für Kaiser Joseph II. (1741-1790) und für das russische Herrscherhaus aus.

Viele ihrer Werke, in denen sich trotz ihres rokokohaften, leichten Farbauftrags klassizistische Tendenzen spiegeln, wurden bereits zu Lebzeiten in Stichfolgen verbreitet und fanden dekorative Anwendung auf kunstgewerblichen Gegenständen. Die zeitgenössische Begeisterung für Kauffmanns Werke fand ihren Ausdruck im enthusiastischen Ausruf:

 

The whole world is angelicamad!

(Dänischer Botschafter an Klopstock, Brief vom 19.10.1781, zitiert nach: Ausst.Kat. München Baumgärtel 1998, S. 31)

 
Die für eine bürgerliche Frau ungewöhnliche Karriere zu einer angesehenen, hochdotierten Künstlerin und zum Mitglied der Akademien von London, Rom, Florenz, Bologna und Venedig ist nicht nur auf Kauffmanns früh entwickeltes künstlerisches Talent zurückzuführen, sondern auch auf ihre gesellschaftliche Akzeptanz und ihre viel gerühmte »zarte Seele« (HA Bd. 11, S. 169, 15), dem Innbegriff weiblicher Empfindsamkeit.

Yvette Deseyve
(In: Künstler in Rom: 
Angelika Kauffmann)

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