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Aktueller Newsletter des Goethezeitportals No. 1 vom 12. Januar 2015

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»Sagenmotive: 'Landgraf werde hart!' und 'Der Edelacker'«

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Goethezeit,

das neue Jahr möchten wir mit einem neuen Beitrag in der Rubrik der Legenden, Märchen und Sagenmotive beginnen: »Der Schmied von Ruhla« oder: »Landgraf werde hart!« und »Der Edelacker«. Außerdem möchten wir Sie nochmal auf zwei Aufsätze von Professor Grimm zur Goethe-Rezeption hinweisen.


 Jutta Assel und Georg Jäger:
Sagenmotive auf Postkarten. Eine Dokumentation »Der Schmied von Ruhla« oder: »Landgraf werde hart!« und »Der Edelacker«

Das geflügelte Wort "Landgraf werde hart" hält die Erinnerung wach an die Sage vom Schmied in Ruhla und dem Edelacker. Ludwig, Landgraf von Thüringen, Sohn des Gründers der Wartburg, war ein milder und weicher Herrscher, was seine Edelleute und Ritter ausnutzen, um die Untertanen zu pressen und zu schinden. Der Schmied von Ruhla, bei dem der Landgraf, verirrt bei der Jagd, Speise und Unterkunft findet, schildert die Plagen des Volkes. Bei jedem Hammerschlag sprach er: "Landgraf werde hart wie dies Eisen!" und sprach weiter: "du böser, unseliger Herr! was taugst du den armen Leuten zu leben? siehst du nicht, wie deine Räte das Volk plagen?" Der "hartgeschmiedete" Landgraf nahm sich's zu Herzen und zwang seine Edelleute zum Gehorsam. Und als sie sich zusammenrotteten und gegen ihren Herrn empörten, schlug er sie. Zu ihrer Strafe spannte er die Eidbrüchigen in einen Pflug ein, schwang die Geißel und ackerte mit ihnen einen steinigen Boden, der seitdem "Edelacker" genannt wird. Da er Rache fürchten musste, ging er fortan im eisernen Panzer und hieß man ihn den "Eisernen Landgrafen". Diese Geschichte vom milden Herrn und der Tyrannei seiner dünkelvollen Amtleute und Räte wurde zu einer verbreiteten Sage. Das Goethezeitportal gibt mehrere Varianten der Sage, darunter von den Brüdern Grimm und Bechstein, sowie zwei Balladen wieder. Illustriert wird die Sage mit über 10 Bildern und dem Notgeld von Freyburg an der Unstrut.

   Zum Beitrag 


Empfehlungen der Redaktion

Gunter E. Grimm: „Die Idee, ich hätte so ausgesehen..“. Goethe-Bilder in den Medien des 19. und 20. Jahrhunderts

Goethe war der literarisch meistgeschilderte Autor seiner Zeit. Doch auch Gemälde und Statuen spielten bei Goethes Selbstinszenierung eine bedeutsame Rolle. Sie haben auch unser ‚Bild‘ von Goethe entscheidend geprägt. Es ist belegt, dass verschiedene Künstler, denen Goethe Modell gesessen hat, seine Wünsche berücksichtigt bzw. nachträgliche Änderungen vorgenommen haben. Das Bild einer Person, das sie von sich zu geben wünscht, ist Teil einer Projektion, ebenso das Bild, das andere Personen von ihr überliefern. In den Porträtbildern und -statuetten treffen beide Intentionen zusammen. Sie sind Inszenierungen, in denen der Wunsch, wie Goethe sich selbst sehen bzw. gesehen werden wollte, und der Wunsch, wie andere ihn sehen wollten, zur Synthese geriet.

Nach Goethes Tod begann die Phase, in der dem Dichter Denkmäler errichtet wurden, die sich an eben diesen zu Lebzeiten gemalten Bildnissen oder modellierten Büsten orientiert haben. Dabei ist, dem Auftrag des Denkmals korrespondierend, der Hang zum Monumentalen, zum Kolossalen und zur Glorifizierung unverkennbar. In gewisser Weise führen sie die von Goethe selbst gestiftete Form des Repräsentativen fort und schaffen damit eine bürgerliche Tradition der Künstler-Apotheose. Der Beitrag zeigt an ausgewählten Beispielen, wie das von Goethe angelegte Selbstbild sich zu verselbständigen beginnt und wie – vor allem in den der Verehrung und der Verbreitung dienenden Medien (Goethe-Denkmäler, Postkartenserien, Illustrationen in populären Literaturgeschichten) – das Bild vom ‚Olympier‘ Goethe etabliert wird. Der Hang zur eindimensionalen Glorifizierung ist im Übrigen eine im Kaiserreich und vor allem im Wilhelminismus dominante Tendenz, der alle ‚Geistesriesen‘ unterworfen waren. Sie lässt sich als Ausdruck eines in dieser Epoche ausgeprägten heroischen Denkens (Wagner, Nietzsche u.a.) deuten.

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Gunter E. Grimm: Hermann Hesses Goethe-Lektüren. Stationen einer ‚geistigen Beunruhigung‘

Der Beitrag informiert über die lebenslange Beschäftigung Hermann Hesses mit der Persönlichkeit und dem Werk Goethes. Goethe galt ihm als „Stern seiner Jugend“, jedoch auch als „Unruhe seines geistigen Lebens“. Insgesamt lassen sich drei Typen von Texten unterscheiden: erstens bloße Erwähnungen Goethes in Hesses Schriften und Briefen; zweitens explizite Abhandlungen und Feuilletons über Goethe und bestimmte Aspekte bei Goethe; drittens Goethe im literarischen Werk Hesses. Unter den vier Aspekten „Goethe der Dichter“, „Goethe der Weltbürger“, „Goethe der Repräsentant“ und „Goethe der Weise“ wird Hesses  Annäherung und Auseinandersetzung analysiert. Dabei zeigt sich, dass Goethe ein Helfershelfer auf Hesses Weg zur eigenen Selbstfindung war. Deshalb konnte er sich nach dem Zweiten Weltkrieg auch auf ihn berufen im Kampf gegen die beiden großen Geisteskrankheiten der Zeit, den „Größenwahn der Technik“ und den „Größenwahn des Nationalismus“.

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Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen und ein gesundes und erfolgreiches Neues Jahr!



Ihr Goethezeitportal-Team

Dr. Danica Krunic

 

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