goethe
Sie befinden sich hier: Startseite > Infocenter > Tagungsberichte

Tagungsberichte

  • Ökologische Transformationen und literarische Repräsentationen

Veranstalter: Graduiertenkolleg 1024 "Interdisziplinäre Umweltgeschichte" / Seminar für Deutsche Philologie, Georg-August-Universität Göttingen
Datum, Ort: 15.07.2010-16.07.2010, Göttingen
Bericht von:
Ulrike Kruse, GK 1024 "Interdisziplinäre Umweltgeschichte", Georg-August-Universität Göttingen
E-Mail: <ukruse@gwdg.de>

»Im Zeichen der interdisziplinären Annäherung von Umwelthistorikern, Naturwissenschaftlern und Literaturwissenschaftlern fand am 15. und 16. Juli 2010 die Tagung „Ökologische Transformationen und literarische Repräsentationen“ in Göttingen statt. Veranstaltet wurde die Tagung vom Graduiertenkolleg 1024 „Interdisziplinäre Umweltgeschichte“ der Universität Göttingen und dem Seminar für Deutsche Philologie. Ziel der Tagung war es, umwelthistorische Perspektiven mit der ökokritischen Diskussion zu verbinden. Es wurde gefragt, wie der Wandel im menschlichen Verhältnis zur Natur zu unterschiedlichen Zeiten in literarischen Texten verhandelt wird und welche neuen literarischen Ausdrucksformen diese Verhandlungen womöglich provozieren. Komplementär wird gefragt, wie sich literarische und kulturelle Muster auf die Gestaltung der naturalen Umwelt auswirken können. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Etablierung des Ecocriticism als relativ jungem theoretischen Zugang zu Literatur einerseits und der Umweltgeschichte als ebenfalls junger Disziplin in der Geschichtswissenschaft andererseits konnte eine Fülle von Themen in Literatur und Geschichte ausgebreitet werden: Ausgehend von einer theoretischen Einführung in den Ecocriticism umspannten die Beiträge zeitlich 2000 Jahre von der römischen Antike über die Hausväterliteratur des 17. und 18. Jahrhunderts und die Literatur des frühen 20. Jahrhunderts bis zur neuesten Gegenwart. Räumlich reichten sie von den Weiten des Alls über die alpine Maienwiese bis zur Tiefsee. Sowohl Literatur als auch bildende Kunst und Gartenkunst wurden einbezogen.« (H-Soz-u-Kult)

Weiter im Text

  • „Fakta, und kein moralisches Geschwätz“. Die Fallgeschichten im „Magazin zur Erfahrungsseelenkunde“ (1783-1793)

Veranstalter: Institut für Germanistik, Universität Potsdam; Karl Philipp Moritz-Arbeitsstelle bei der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften
Datum, Ort: 29.01.2010-30.01.2010, Potsdam

Bericht von:
Christoph Johannes Wagenseil, Universität Marburg
E-Mail: <christoph_wagenseil@web.de>

»Zu einer interdisziplinären Tagung über „Die Fallgeschichten im Magazin zur Erfahrungsseelenkunde (1783-1793)“ luden am 29. und 30. Januar 2010 das Institut für Germanistik der Universität Potsdam und die Karl Philipp Moritz-Arbeitsstelle der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften ein. Unter der Devise "Fakta, und kein moralisches Geschwätz", forderte Karl Philipp Moritz "Gelehrte und Ungelehrte" auf, Vorfälle des Seelenlebens unter eigenem Namen oder anonym, doch wahrheitsgetreu zu schildern und dem von ihm herausgegebenen "Magazin zur Erfahrungsseelenkunde" (MzE), der ersten psychologischen Zeitschrift Deutschlands, zuzustellen. Diese Fallgeschichten waren der Gegenstand von elf Tagungsbeiträgen, welche zugleich unterschiedliche Herangehensweisen verschiedener Fachdisziplinen und Forschungsfelder verdeutlichten. Zudem wurde eine rege Diskussion angestoßen, die sich an gattungstheoretischen, wissenschafts- und kulturgeschichtlichen Fragen entzündete.« (H-Soz-u-Kult)

Weiter im Text

    • Bürgerlichkeit und Öffentlichkeit. Mendelssohns Verhältnis zu Düsseldorf und zur Region

    Veranstalter: Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf; Robert Schumann Hochschule Düsseldorf
    Datum, Ort: 18.11.2009-20.11.2009, Düsseldorf

    Bericht von:
    
Karsten Lehl / Uta Schmidt / Eileen Simonow, Robert Schumann Hochschule Düsseldorf
    
E-Mail: <lkarstenkr@yahoo.de> ; <utaschmi@web.de> ; <eileen_simonow@yahoo.de>

    »Zum Abschluss des Mendelssohn-Jahres 2009 veranstaltete die Robert Schumann Hochschule Düsseldorf gemeinsam mit dem Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf ein interdisziplinäres Symposium mit dem Titel „Mendelssohn – Bürgerlichkeit und Öffentlichkeit. Mendelssohns Verhältnis zu Düsseldorf und zur Region“. Jenseits einer kulturindustriellen Inbesitznahme sollte ein konkreter Kontext aufgesucht werden: Im Mittelpunkt stand die Frage nach der Attraktivität der „Region Düsseldorf“ für Felix Mendelssohn Bartholdys bewusste Entscheidung, nach seiner Berliner Zeit an den Rhein zu wechseln.
    In zehn Vorträgen wurde ein breites Spektrum an Themen diskutiert, das weit über einen bloßen Regionalbezug hinausging und Aspekte von Mendelssohns geschichtlicher Eingebundenheit, der von ihm erwarteten gesellschaftlichen Rolle und seiner künstlerischen Ansprüche (zusammen mit aus jenen resultierenden Synergien und Konflikten) ausführlich beleuchtete.« (H-Soz-u-Kult)

    Weiter im Text

    • Interkultureller Dialog in den Städten des Königlichen Preußen

    Veranstalter: Lehrstuhl für Germanistik der Nicolaus Copernicus Universität in Toruń; Historisches Institut der Universität Potsdam; Wissenschaftliche Gesellschaft zu Toruń
    Datum, Ort:
    08.10.2009-10.10.2009, Torun

    Bericht von:
    Anna Mikolajewska, Philologische Fakultät, Nicolaus-Copernicus-Universität Toruń
    E-Mail: <mikolajewska.anna@gmail.com>

    »Gegenstand der Konferenz war die Beleuchtung der Kontakte zwischen Kulturen im multiethnischen Preußen sowie die Förderung des Austauschs zwischen Preußenforschern verschiedener Fachrichtungen. Das Fehlen einer gemeinsamen Diskussionsplattform für Kultur-, Literatur-, Sprachwissenschaftler und Soziologen, das sich auf dem Gebiet der Forschungen über das Köngliche Preußen bemerkbar macht, erschwert eine eingehende Untersuchung dieser Region in ihrer Multidimensionalität und Vielschichtigkeit. Die in Toruń organisierte Konferenz sollte die Wissenschaftler auf diesen Mangel hinweisen und einen Versuch darstellen, ihn zu beheben.

    Die Fragestellung der Konferenz fand Interesse bei polnischen, deutschen und französischen Historikern, Sprach-, Kultur-, Literatur- und Musikwissenschaftlern. Referiert und diskutiert wurde in vier Sektionen, die den Themenbereichen „Gelehrten- und Künstlerwelt“, „Preußische Identität“, „Preußen im zeitgenössischen Schrifttum“ und „Interkulturelle Begegnung“ galten.« (H-Soz-u-Kult)

    Weiter im Text

    • Tropen und Metaphern im wissenschaftlichen Diskurs im Bereich der Geisteswissenschaften des 18. Jahrhunderts

    Veranstalter: Società Italiana di Studi sul Secolo XVIII; Deutsche Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts; Elena Agazzi, Institut für Deutsche Literatur, Universität Bergamo
    Datum, Ort: 08.10.2009-10.10.2009, Bergamo

    Bericht von: Ulrike Zeuch, Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel

    E-Mail: <zeuch@hab.de>

    »Vom 8. bis 10. Oktober 2009 fand die 3. trilaterale Tagung der Società Italiana di Studi sul Secolo XVIII, der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts und der Société Française d’Etude du Dix-Huitième Siècle statt an der Universität in Bergamo zum Thema „Tropi e metafore del discorso scientifico in ambito umanistico nel XVIII secolo / Tropen und Metaphern im wissenschaftlichen Diskurs im Bereich der Geisteswissenschaften des 18. Jahrhunderts“ statt. Organisiert wurde sie von Elena Agazzi, Literaturwissenschaftlerin am Institut für Deutsche Literatur an der Universität Bergamo.

    Die Tagung widmete sich einem interdisziplinären Grenzphänomen, das seit geraumer Zeit im Zentrum der Forschung nicht nur zum 18. Jahrhundert steht: die Frage nach der Tragfähigkeit von Metaphern in der Übertragung von einem in den anderen Diskurs, und nach ihrer Elastizität bei der Beschreibung sich verändernder Paradigmata der Wissenschaften durch die ihnen eigene Unbestimmtheit, auf die Hans Blumenberg schon in den 1960er-Jahren aufmerksam gemacht hat – eine Elastizität, die Lücken im System überbrücken bzw. überdecken kann.« (H-Soz-u-Kult)

    Weiter im Text

    • Frauen am Gothaer Hof

    Veranstalter: Forschungszentrum Gotha für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien der Universität Erfurt
    Datum, Ort: 04.06.2009-05.06.2009, Gotha

    Bericht von:


    Thomas Kossert, Interdisziplinäres Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit, Universität Osnabrück

    
E-Mail: <thomas.kossert@uni-osnabrueck.de>

    »Im Rahmen des von Bärbel Raschke (Forschungszentrum Gotha) geleiteten Arbeitsgesprächs am Forschungszentrum Gotha sollte der bisherige Stand der kultur- und sozialgeschichtlichen Genderforschung zum Gothaer Hof bilanziert werden. Weiterhin sollten Leerstellen aufgezeigt sowie Perspektiven zur weiteren Erschließung der reichen Quellen sowohl im Thüringischen Staatsarchiv Gotha als auch in der Forschungsbibliothek Gotha markiert werden. Der zeitliche Rahmen der Betrachtung reichte vom 16. bis zum beginnenden 19. Jahrhundert.« (H-Soz-u-Kult)

    Weiter im Text

    • Europa in der Schweiz – grenzüberschreitender Kulturaustausch im 18. Jahrhundert

    Veranstalter: Heidi Eisenhut, Kantonsbibliothek Appenzell, Außerrhoden; Anett Lütteken, Universität Bern; Carsten Zelle; Ruhr-Universität Bochum
    Datum, Ort:
    10.06.2009-13.06.2009, Trogen, Schweiz

    Bericht von:

    Hannah Dotzauer, Universität Bern

    »„Grenzen sind immer auch Schwellen, sie trennen und verbinden zugleich – Grenzraum sein heißt Schwellenraum sein“, hieß es im Konzept der interdisziplinären Tagung, die von Heidi Eisenhut (Leiterin der Kantonsbibliothek Appenzell Außerrhoden), Anett Lütteken (Universität Bern) und Carsten Zelle (Ruhr-Universität Bochum) organisiert wurde. Während drei Tagen beleuchteten unter anderem Musik- und Literaturwissenschaftler, Historiker und Kunsthistoriker solche Grenzen und Schwellen in und um die Schweiz des 18. Jahrhunderts aus verschiedenen Perspektiven.

    Eröffnet wurde die Tagung mit der Präsentation des im Frühjahr 2009 erschienenen Tagungsbandes des 1. Trogener Bibliotheksgesprächs Der Kanon im Zeitalter der Aufklärung. Darauf folgte ein öffentlicher Vortrag von Ulrich Pfister (Münster) über den Textilhandel der Familie Zellweger im europäischen Kontext von kommerzieller Revolution und Konsumrevolution. Aus dem Handel der Trogener Dynastie mit Leinwand und später Rohbaumwolle sowie bedruckten Baumwollstoffen resultierten Beziehungen nach Lyon und Genua, wo zellwegersche Filialen entstanden. Im Zusammenhang mit dem bedruckten Tuch wurden etwa Mülhausen im Elsass und im Zusammenhang mit der Geldwirtschaft Augsburg wichtig. Ein grenzüberschreitender Austausch entstand. Weitere Schwellensituationen und Grenzüberschreitungen im Verhältnis der Schweiz zu Europa waren das Thema der vier Sektionen, die in den folgenden drei Tagen den Schwerpunkt der Tagung bildeten.« (H-Soz-u-Kult)

    Weiter im Text

    • Formen des Nichtwissens der Aufklärung – Forms of Ignorance in the Enlightment – Formes du non-savoir au siècle des lumières

    Veranstalter: Exzellenznetzwerk "Aufklärung – Religion – Wissen" der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    Datum, Ort: 20.08.2008-23.08.2008, Halle

    Bericht von:
    Rainer Godel, Exzellenznetzwerk "Aufklärung – Religion – Wissen", Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    E-Mail: <rainer.godel@netzwerk-arw.uni-halle.de>

    Ingo Uhlig, Graduiertenkolleg "Aufklärung – Religion – Wissen", Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    E-Mail: <ingo.uhlig@netzwerk-arw.uni-halle.de>

    Christophe Losfeld, Interdisziplinäres Zentrum für die Erforschung der Europäischen Aufklärung Halle, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
    E-Mail: <christophe.losfeld@izea.uni-halle.de>

    »Das Exzellenznetzwerk Aufklärung-Religion-Wissen der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg richtete vom 20.-23. August 2008 eine internationale, transdisziplinäre Konferenz zum Thema „Formen des Nichtwissens der Aufklärung“ aus. Die von der Fritz-Thyssen-Stiftung großzügig unterstützte Tagung wurde organisiert von Hans Adler (University of Wisconsin – Madison) und Rainer Godel (Halle). Im historischen Bibliothekssaal des Interdisziplinären Zentrums zur Erforschung der europäischen Aufklärung übernahm Udo Sträter (Halle) als Sprecher des Netzwerks die Begrüßung, gefolgt von einem Grußwort des Rektors der Martin-Luther-Universität, Wulf Diepenbrock.

    RAINER GODELs (Halle) Einführung in das Thema formulierte zunächst einige Ansatzpunkte der Tagung: Zur Klärung und Ausarbeitung des aufgeklärten Wissensbegriffs erscheint es notwendig, in historischer Perspektive nach der Verlässlichkeit, den Grenzen und den Unzulänglichkeiten des Wissens zu fragen. Insbesondere die Markierung von Nichtwissen verleiht der Aufklärung kontradiktorisch und komplementär Profil, wobei zu erwarten ist, dass die explizite Frage nach dem Nichtwissen auch zur Schärfung eines historisch-systematischen Verständnisses der Aufklärung beiträgt.

    Diese programmatischen Überlegungen wurden in HANS ADLERs (Madison) Eröffnungsvortrag zum „gewissen Etwas der Aufklärung“ weiter ausgeführt. Der theoretische Gehalt dieser pointierten Formulierung und zugleich ein Spezifikum der Epoche der Aufklärung ist darin zu sehen, ein nichtwissendes Subjekt – die unbestimmte Referenz des „Je ne sais quoi“ – als Reflexionskern aufgeklärter Epistemologie zu erkennen. Beispielhaft hierfür gelten die Ästhetik als Wissenschaft von dunklen und verworrenen Erkenntnisinhalten, die transzendentalen und anthropologischen Grenzbestimmungen des Subjekts und die empirische Psychologie. Aufklärung bedeutet nicht einfach das sukzessive Schließen und Abarbeiten von Wissenslücken; es handelt sich auch um ein epistemologisches Programm der Beobachtung von Nichtwissen und des Umgangs mit ihm. Dieses Programm zeigt systematisch an, aus welchen Gründen Wissen nicht besteht und nicht gesichert werden kann.« (H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text

    • Geheimliteratur und Geheimbuchhandel in Europa im 18. Jahrhundert. 15. Jahrestagung des Wolfenbütteler Arbeitskreises für Bibliotheks-, Buch- und Mediengeschichte

    Veranstalter: Wolfenbütteler Arbeitskreis für Bibliotheks-, Buch- und Mediengeschichte; Leitung: Prof. Dr. Christine Haug (München)
    Datum, Ort: 08.12.2008-10.12.2008, München

    Bericht von:
    Christine Haug, Institut für Germanistik, Ludwig-Maiximilians-Universität München
    E-Mail: <christine.haug@germanistik.uni-muenchen.de>

    »Grundsätzlich gestaltet sich die Organisation des Geheimbuchhandels im deutschsprachigen Raum anders als im benachbarten Frankreich. Das wissenschaftliche Arbeitsgespräch richtete sein Augenmerk dezidiert auf die Durchlässigkeit der Grenzen und der regional differenten Zensurbestimmungen, die einen florierenden Handel mit verbotener Literatur überhaupt erst erlaubten und die Kommunikation im Verborgenen stimulierten. Im Gegensatz zu Frankreich wurden die politisch und religiös diskreditierten Schriften im deutschsprachigen Buchhandel öffentlich in Katalogen und Gelehrtenjournalen beworben, wobei sich die Händler einerseits über die bürokratische Schwerfälligkeit der Zensurbehörden bewusst waren, andererseits sehr geschickte Verschleierungsstrategien entwickelten, um die Verfolgungsbehörden gezielt in die Irre zu leiten. Gegenstand des Arbeitsgesprächs waren also einerseits einschlägige Texte des literarischen Untergrunds, zum Beispiel Werke der französischen und deutschen Radikalaufklärung oder pornographisch-erotische Schriften, aber auch die sich im Verborgenen entfaltenden Kommunikations- und Schreibstrategien, die Herausbildung von sehr effizienten Distributionssystemen, deren besonderes Merkmal ihre Internationalität war. Daher galt es auch, die Beziehungsgeflechte im gesamteuropäischen Raum, hier insbesondere in den osteuropäischen Ländern und die Netzwerke der international agierenden Akteure des subversiven Milieus herauszuarbeiten.

    Die Erforschung von Geheimliteratur und ihrer transnationalen Vertriebswege im 18. Jahrhundert können nur durch die intensive transdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Fächer gelingen. Ein Hauptanliegen dieses Arbeitsgesprächs war daher die längst überfällige Zusammenführung von Philosophiehistorikern, Buch- und Literaturwissenschaftlern, Vertretern der Komparatistik und Romanistik.« (H-Soz-u-Kult)

    Weiter im Text

    • „Schläft ein Lied in allen Dingen ...“ Romantische Dingkulturen in Text und Bild

    Veranstalter: Stiftung für Romantikforschung, Sonderforschungsbereich Erinnerungskulturen der Justus-Liebig-Universität Gießen
    Datum, Ort: 11.09.2008-13.09.2008, München

    Bericht von:
    Johanna Zeisberg; E-Mail: <joliz@arcor.de>

    »Der prekäre Status der zunächst erkenntnistheoretisch von der kritischen Philosophie Kants, gänzlich dann von der idealistischen Philosophie Fichtes ins Abseits manövrierten Kategorie der „Dinge (an sich)“ wird in den Anfängen (früh)romantischer Poesie und Philosophie in Frage gestellt. Novalis’ Befund, dass unsere immerwährende Suche nach dem „Unbedingten“ überall und immer nur auf „Dinge“ stoße, wurde in den Vorträgen der von der Stiftung für Romantikforschung organisierten Tagung „’Schläft ein Lied in allen Dingen…’ Romantische Dingkulturen in Text und Bild“, die vom 11. bis 13. September 2008 in der Seidlvilla in München stattfand, als ein kunsttheoretischer und -praktischer Leitfaden der Epoche der Romantik erwiesen. Mit ihrer Fragestellung nach einer spezifisch romantischen Dingkultur zielte die Tagung auf eine Leerstelle neuerer Dingforschung, die ihr Augenmerk zwar auf die Literatur- und Kunstepochen des Rokoko, der Empfindsamkeit, des Klassizismus und des Realismus richtet, die von ihnen umrahmte Romantik bisher jedoch auffallend übergeht.« (H-Soz-u-Kult)

    Weiter im Text

    • Populäre Lieder. Kulturwissenschaftliche Perspektive

    Veranstalter: Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie der Universität Basel; Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde
    Datum, Ort: 05.10.2007-06.10.2007, Basel

    Bericht von:
    Christine Bischoff, Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie, Universität Basel
    E-Mail: <christine.bischoff@unibas.ch>

    »Einst wurde die Volksliedforschung der Volkskunde ältestes und liebstes Kind genannt [1]. Allerdings wurde das Singen selbst – insbesondere das Singen in traditionellen, im Verband organisierten Gruppen – und die wissenschaftliche Auseinandersetzung damit, lange Zeit eher mit Spießigkeit, Mief und Vereinstümelei assoziiert. Seit einigen Jahren hat das Interesse an den verschiedenen Sing- und Musiktraditionen auf mehreren Ebenen wieder deutlich zugenommen: Die Neugier auf nichtwestliche Musikformen im Zuge des Worldmusic-Booms hat dazu geführt, dass wieder vermehrt auch nach einheimischen Musiktraditionen gesucht wird. Eine neue Generation von Musikern setzt sich auf andere, innovative Weise mit Volksmusik auseinander und scheut sich nicht, Jodel-, Rap- und Pop-Elemente zu verbinden. Gleichzeitig beschäftigen sich Musiker aus der progressiven Jazzszene und aus dem Bereich der zeitgenössischen Klassik mit der einheimischen „Folklore“. Jugendliche finden Singen wieder cool, nicht zuletzt deshalb, weil diverse TV-Shows die Möglichkeit auf eine musikalische Karriere versprechen. Und über Audio- und Videoclip-Seiten im Internet und mit Handy-Klingeltönen kann sich schnell eine ganze Bandbreite an Varianten eines Liedes in verschiedenen Stilrichtungen verbreiten.

    Diese ganz unterschiedlichen Produktions- und Tradierungsformen von Volksliedern beziehungsweise Populären Liedern, wurden in Basel an einer Tagung am Seminar für Kulturwissenschaft und Europäische Ethnologie und der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde in den Blick genommen. Unter dem Titel „Populäre Lieder. Kulturwissenschaftliche Perspektiven“ setzte sich ein interdisziplinär besetztes Wissenschafts-Orchester vom 5. bis 6. Oktober 2007 mit historischen und gegenwärtigen Definitionen der Begriffe „Volkslied“ und „Populäres Lied“ und deren kultur- und medientheoretischer Bedeutung auseinander. Erfreulicher Anlass für die Tagung war der hundertste Geburtstag des Schweizerischen Volksliedarchivs in Basel im vergangenen Jahr 2006. Die Tagung wurde von den Kulturwissenschaftlern Walter Leimgruber, Alfred Messerli und Karoline Oehme unter der Mitarbeit von Rosmarie Anzenberger, Ernst Huber und Magali Perret organisiert. Unterstützt wurde die Konferenz von der Freiwilligen Akademischen Gesellschaft in Basel, der Schweizerischen Akademie der Geisteswissenschaften, dem Schweizerischen Nationalfonds und vom Medienpartner Basler Zeitung.

    Die Tagung war so konzipiert, dass in Vorträgen theoretische, methodische und methodologische Erkenntnisse zur Liedforschung präsentiert und diskutiert wurden. Auf deren Grundlage konnte man dann in anschließenden Workshops mehr über verschiedene kulturelle Praxen des Liedes, des Singens und Musizierens erfahren. In den Vorträgen und Workshops wurde insbesondere auf drei zentrale, eng miteinander verbundene Ebenen Bezug genommen.« (H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text und als PDF

    • Europa denken im 18. Jahrhundert/Imaging Europe in the 18th century

    Veranstalter: Forschungszentrum Europäische Aufklärung Potsdam
    Datum, Ort:
    20.09.2007-22.09.2007, Potsdam

    Bericht von:
    Dominic Eggel, Institut universitaire de hautes études internationales (IUHEI), Genève
    E-Mail: <eggel6@hei.unige.ch>

    »Das 18. Jahrhundert wird oft als Meilenstein in der allgemeinen Bewusstwerdung Europas und seiner endgültigen Ablösung von älteren Denkmustern wie Christenheit oder Okzident angesehen. Für Heinz Duchhardt etwa besteht "gar keine Frage, dass sich um 1700 auf breiter Front ein Europabewusstsein durchgesetzt hat".[1] In der Renaissance wurde Europa noch fast ausschließlich auf ihr mythologisches Abenteuer als sidonische Prinzessin mit Zeus reduziert, in elitären Zirkeln als geographische Einheit diskutiert oder aber in künstlerischen Kreisen in allegorischer Form auf Karten und Bildnissen mit Füllhörnern, Tempeln, Kompassen und Büchern ausgestattet. Wenn im 16. Jahrhundert de Lery oder Botero das Christsein noch als das nec plus ultra betrachten konnten, war für Voltaire oder Helvetius ‚Christenheit’ nur noch ein Schimpfwort.

    Die Langzeitwirkungen der Entdeckungen, der Renaissance, der Reformation und schließlich der Aufklärung trugen dazu bei, dass die "respublica christiana" im 18. Jahrhundert, und dies sogar im allgemeinen Sprachgebrauch, definitiv durch Europa verdrängt wurde. Da die Nation im 18. Jahrhundert – und noch viel weniger der Nationalstaat – ihren späteren quasi-hegemonialen Status als kollektive Identitäten noch nicht erreicht hatten, stellte Europa durch seine Plastizität und Unbestimmtheit eine äußerst attraktive und variable Projektionsfläche dar. Heinz Gollwitzer spricht diesbezüglich von einem "Spannungsbogen Europa" und von der "Vielgestaltigkeit des Europabegriffs im 18. Jahrhundert".[2]

    Damals wie heute war Europa ein heiß umstrittenes Konstrukt kollektiver Identität und die aktuellen Kernfragen über Europas Inhalt, Grenzen und politische Konstitution wurden bereits vor zwei Jahrhunderten mit ähnlicher Dringlichkeit formuliert. Das Studium der Europabilder des 18. Jahrhunderts und der Sattelzeit sollte deshalb nicht zuletzt auch dazu beitragen, die aktuelle Thematisierung und Instrumentalisierung Europas auf zivilisatorischer Ebene (man denke an die Debatten über den "Krieg der Zivilisationen" oder den Türkeibeitritt) besser zu verstehen und zu kontextualisieren.

    Der vom Forschungszentrum Europäische Aufklärung (FEA) in Potsdam vom 20. bis zum 22. September 2007 durchgeführte Workshop befasste sich mit dem Thema "Europa denken im 18. Jahrhundert/Imagining Europe in the 18th century". Das Ziel war es, die Europabilder und Europavorstellungen des 18. Jahrhunderts und der Sattelzeit in ihrer Vielfalt und unterschiedlichen Dimensionen zu erörtern. Der interdisziplinär angelegte und zweisprachig gehaltene Workshop erfreute sich einer großen Resonanz und brachte schließlich zwölf Doktoranden/innen und Postdoktoranten/innen zusammen, welche die vom FEA zur Verfügung gestellte Plattform nutzten, um ihre Projekte und Promotionsvorhaben vorzustellen. Der Workshop erwies sich als äußerst fruchtbar und die lebhaften und anregenden Diskussionen mündeten in zahlreiche neue Einblicke und Erkenntnisse für die Erforschung der Europaidee.« (H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text und als PDF

    • Der Siebenjährige Krieg – Ein europäischer Weltkrieg im Zeitalter der Aufklärung

    Veranstalter: Forschungszentrum für Europäische Aufklärung
    Datum, Ort: 06.09.2007-08.09.2007, Potsdam 

    Bericht von:
    Sven Externbrink, Philipps-Universität Marburg
    E-Mail: <externbr@staff.uni-marburg.de>

    »Die Themenkomplexe Internationale Beziehungen und Staatensystem / Globale Dimensionen – Akteure und Interessen – Kriegswahrnehmungen und Nachwirkungen – Der Siebenjährige Krieg und die Wirklichkeit des Krieges im Zeitalter der Aufklärung waren Gegenstand der vom 6. bis 8. September von der DFG geförderten, von Sven Externbrink konzipierten und am Forschungszentrum Europäische Aufklärung (FEA) veranstalteten internationalen Tagung über den Siebenjährigen Krieg. Einleitend konstatierte Sven Externbrink (Philipps-Universität Marburg/ FEA) ein Desinteresse an der Geschichte des Siebenjährigen Krieges vor allem in der deutschen und französischen Geschichtsforschung. Die Ursachen dafür liegen neben der fehlenden Konjunktur von Politik- und Militärgeschichte in den letzten Jahrzehnten nicht zuletzt im Thema begründet: In Frankreich mochte man sich nicht mit einer Niederlage beschäftigen, und in Deutschland galt nicht zuletzt die Erforschung des preußischen Militärstaates als wenig „chic“. Ganz anders hingegen die Forschungssituation im anglo-amerikanischen Sprachraum, wo der Siebenjährige Krieg Gegenstand innovativer Forschungen ist.

    Im Eröffnungsvortrag von OLAF ASBACH (Universität Augsburg) erfolgte eine historisch-systematische Einordnung des Siebenjährigen Krieges („Internationale Beziehungen im Zeitalter der Aufklärung. Der Siebenjährige Krieg im Prozess der Globalisierung der europäischen Konkurrenz- und Machtprinzipien“). Asbach deutete den Krieg als einen „Knotenpunkt“, in dem „langfristige und tiefgreifende Umbruchsprozesse zur Geltung“ gebracht, „neu angetrieben werden“, sich „kreuzen und in spezifischer Weise fortgebildet und gebrochen werden“. Mitte des 18. Jahrhunderts war die Epoche der Herausbildung des modernen Staates und der sie begleitenden Staatsbildungskriege zu einem vorläufigen Abschluss gekommen. Ein System von „Staaten als Einheiten der Organisation politischer und sozioökonomischer Integrations- und Konkurrenzprozesse auf gesellschaftlicher und internationaler Ebene“ hatte sich herausgebildet, das sich nicht mehr nur auf Europa, sondern auf die ganze Welt bezog. Dies zeigt sich in der Betrachtung der Konfliktebenen des Siebenjährigen Krieges, etwa, wenn Pitt behauptet, man habe Kanada in Deutschland erobert. Andererseits wirken die außereuropäischen Entwicklungen auf Europa zurück, etwa wenn lokale Konflikte in Übersee (Streit um Grenzen im Ohiotal, Konkurrenz englischer und französischer Ostindienkompagnien) eine eigene, Europa mitreißende Dynamik entwickeln. Auch für die Entwicklung spezifisch-neuzeitlicher Kategorien der Welterfahrung und -deutung (Säkularisierung, Rationalität, Vernunft als Maßstab von Entscheidungen) wirkt der Siebenjährige Krieg, der in die Blüte der europäischen Aufklärung fällt, als Knotenpunkt. Die rationalen und auf Vernunftprinzipien gründenden Handlungsweisen der Akteure wie auch die säkulare Ordnung des Staatensystems nach dem Prinzip des Gleichgewichts, das Statik und Dynamik zugleich erlaubt, begründeten keine Friedensordnung. Auf die strukturelle Konfliktanfälligkeit des Gleichgewichts, die durch die Konkurrenzen innerhalb des sich parallel dazu entwickelnden und mit dem Staatensystem vielfach verflochtenen „Welthandelssystem“ verstärkt wurde, wiesen bereits Rousseau und Mably hin. An dieser Ausgangslage, die im Siebenjährigen Krieg erstmals zur Ausbildung kommt, hat sich – so das desillusionierende Fazit Asbachs – bis in unsere Gegenwart nichts wesentlich geändert. « (H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text und als PDF 

    • Genese und Profil des europäischen Humanismus im 18. Jahrhundert

    Veranstalter: Martin Vöhler; Hubert Cancik; Projekt C 2 „Antike Konzepte ästhetischer Erfahrung und ihre moderne Rezeption“ (Sfb 626, „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“); Projekt „Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Kultur, Menschheit und Werte“ des Essener Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI)
    Datum, Ort:
    05.10.2007-07.10.2007, Berlin

    Bericht von:
    Anna-Maria Kanthak, FU Berlin; Eva María Mateo Decabo, FU Berlin
    E-Mail: <akanthak@zedat.fu-berlin.de>; <mateo.decabo@gmx.de>

    » „O Humanität! O Blödsinn!“ Dieser Ausruf Nietzsches in „Jenseits von Gut und Böse“ könnte auch über einhundert Jahre nach dessen Tod angesichts der humanitären Katastrophen des 20. Jahrhunderts seine Berechtigung haben. Warum der Humanismus diese sowenig wie Christentum und Sozialismus, Bildungswesen, Philosophen oder Künstler hatte verhindern können, ist eine oft gestellte Frage. Wie könnte ein zukunftsfähiger Humanismus aussehen, der solcher Inhumanität Rechnung trägt? Eine Antwort auf diese Frage erfordert zuvörderst eine Bestimmung der „Genese und [des] Profil[s] des europäischen Humanismus im 18. Jahrhundert“.

    Zu diesem Zweck fand vom 5. bis 7. Oktober ein Symposium in der Freien Universität Berlin statt, das der Berliner Germanist Martin Vöhler in Zusammenarbeit mit dem Tübinger Philologen Hubert Cancik konzipiert hatte. Die Tagung ist eine Kooperation des Teilprojekts C 2 „Antike Konzepte ästhetischer Erfahrung und ihre moderne Rezeption“ des Sfb 626, „Ästhetische Erfahrung im Zeichen der Entgrenzung der Künste“, und des von dem Historiker Jörn Rüsen geleiteten Projekts „Humanismus in der Epoche der Globalisierung. Ein interkultureller Dialog über Kultur, Menschheit und Werte“ des Essener Kulturwissenschaftlichen Instituts (KWI).

    Nach einer Begrüßung durch den Kunsthistoriker und Sprecher des Sfb 626 WERNER BUSCH und einer Einführung durch HUBERT CANCIK führte die Berliner Kunsthistorikerin SUSANNE LEEB durch den ersten Teil der Tagung, der die Voraussetzungen des europäischen Humanismus im 18. Jahrhundert zu bestimmen versuchte. „Prolegomena“ zu einem Humanismus des Willens Rousseauischer Provenienz als Gegensatz zum Humanismus der raison in der französischen Aufklärung legte der Heidelberger Romanist Gerhard Poppenberg dar. Er zeichnete die Querelle des Anciens et des Modernes nach, in der die Antike als universales Paradigma durch Theorien vom Fortschritt als Vervollkommnung in Frage gestellt wurde. Über Fontenelles Metapher, nach der die Entwicklung einer Kultur der eines Menschen entspreche, ging er zu einer Entlarvung Rousseaus als Anti-Rousseauisten über, der immerhin neben der Korruptibilität dem Menschen auch die Perfektibilität zubilligt, die jenen am meisten vom Tier unterscheide. Als weiteres Unterscheidungsmerkmal zum Tier betone Rousseau den menschlichen Willen im Sinne seiner Wahlfreiheit: Er reinthronisierte die voluntas als drittes Seelenvermögen im Baum des Wissens der Enzyklopädisten, die an deren Stelle die Imagination gesetzt hatten.

    Einen der Rousseauischen Wahlfreiheit zu Gut oder Böse nicht unähnlichen Ansatz fand der Osnabrücker Germanist MARK-GEORG DEHRMANN in dem englischen Philosophen Shaftesbury, dessen Grundsatz „virtue ist the good and vice the ill of everyone“ entgegen der christlichen Einheit von Religion und Tugend die Religion der Tugend unterordnete. Danach sei die Tugend allen Menschen auch ohne Gnade und Offenbarung zugänglich. Shaftesbury nutze die universal, aus der geistigen Würde des Menschen heraus konzipierte, Tugend als Maßstab, um die übernatürlichen Momente von der christlichen Religion abzutrennen. Sein Bezugssystem sei dabei die römische Stoa, besonders Marc Aurels und Epiktets. Allerdings beweise er in privaten Schriften ein deutliches Bewusstsein vom problematischen Charakter eines solchen universalen Tugendbegriffs. Er ruhe auf der Gefährdung des Menschen, der allein durch die private stoische Praxis eines die Vorstellungen und Affekte kontrollierenden Dialogs mit sich selbst abgeholfen werden könne.

    In seinem Beitrag zum ästhetischen Humanismusbegriff des 18. Jahrhunderts veranschaulichte WERNER BUSCH die Definition des Idealkörpers dieser Zeit anhand verschiedener Antinoos-Skulpturen: Er sei die Mitte zwischen zwei Extremen, eines muskelbepackten Körpers des Atlas einerseits und eines schmalen Merkur andererseits. Deswegen hätten sich Rode und andere Maler und Radierer des 18. Jahrhunderts bei ihrer Darstellung von Jünglingen an deren Muster orientiert und auch deren emotionslosen Gesichtsausdruck aufgegriffen: Unmittelbare Sinnlichkeit durfte nur im Alter noch unvollständigen Geisteszustandes abgebildet werden. Busch verwies auch auf den englischen Maler Hogarth und seine „Analysis of Beauty“, der anhand der Antinoos-Skulpturen eine aufklärerische Ästhetik entwickelte, in der die Form von ihrem Träger abstrahiert wird und Schönheit eine berechenbare reine Form ist. Auch Winckelmann, für den die Antike normativ war, entwickelte anhand der Antinoos-Skulpturen gegen das klassische Ideal der Frührenaissance ein rein ästhetisches Ideal: Winckelmann habe am Antinoos die Abwesenheit von Leidenschaften geschätzt, weil diese dadurch dem Betrachter umso mehr das Fühlen dieser Leidenschaften und so das Begreifen der allgemeinen menschlichen Natur ermögliche. « (H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text und als PDF

    • Vom Einblatt zum Programmheft - Theaterzettel

    Veranstalter: Prof. Dr. Gertrude Cepl-Kaufmann, Germanistisches Seminar II, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf 

    Datum, Ort: 26.04.2007-27.04.2007, Düsseldorf 

    Bericht von:
    Gertrude Cepl-Kaufmann, Germanistisches Seminar II, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
    E-Mail: <ceplg@phil-fak.uni-duesseldorf.de>

    »Das Kolloqium stand im Kontext des DFG-Projektes „Theaterzettel als Textsorte, Indikatoren kultureller Selbstpositionierung und Parameter kulturwissenschaftlicher Forschung“. Es sollte den Diskurs über die bisher kaum ausreichende Erforschung einer seit Jahrhunderten bekannten, kontinuierlich als Medium genutzten und in einer Fülle von Archiven in teils umfangreichen Sammlungen vorhandenen Archivalie intensivieren. Thematisiert wurden kulturhistorische und -theoretische Aspekte, die Archivsituation, Fragen der Erschließung und der wissenschaftlichen Nutzung. Die Referenten kamen aus theater- und kulturwissenschaftlichen Instituten und aus einschlägigen Bibliotheken und Sammlungen.

    Mit den Theaterzetteln eröffnet sich ein breites Spektrum für die zukünftige Forschung, an dem Kulturwissenschaftler nicht nur der klassischen Disziplin Theaterwissenschaften Anteil haben werden. Theaterzettel wurden bisher traditionell im wesentlichen lediglich als theaterhistorische Quelle genutzt. So basieren Theatergeschichten vor allem für die frühe Theatergeschichte auf Theaterzetteln, aus denen sich die Wanderbewegungen der Theatertruppen rekonstruieren lassen. Schon aus dieser Quellenspezifik ergeben sich heute Aspekte der Forschung zur Wissenschaftsgeschichte. Theaterzettel trugen und tragen immer wieder zur rezeptionsästhetischen Fundierung bei; Programmhefte berufen sich bis heute auf vorgängige Inszenierungen und konstruieren eine theaterhistorische Tradition, entsprechend wesentlich können Theaterzettel für die Forschungen zur Intertextualität sein. In mehrfacher Hinsicht befriedigen sie darüber hinaus, so konnte das Kolloqium zeigen, kultursoziologische Fragen und bereichern die Grundlagenforschung in allen kulturhistorischen Disziplinen, die sich dieser Textsorte zuwenden.« (H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text

    • Kulturen des Wissens im 18. Jahrhundert

    Veranstalter: Helwig Schmidt-Glintzer (Wolfenbüttel); Ulrich Johannes Schneider (Leipzig); Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel; Deutsche Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts; gefördert von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

    Datum, Ort: 15.10.2006-18.10.2006, Wolfenbüttel  

    Bericht von: Ulrich Johannes Schneider, Leipzig
    E-Mail: <schneider@hab.de>

    »Die von Helwig Schmidt-Glintzer (Wolfenbüttel) und Ulrich Johannes Schneider (Leipzig) geleitete und von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung geförderte Tagung hat neben fünf Hauptvorträgen 65 Arbeitsberichte in 14 thematischen Sektionen zur Diskussion gebracht und konnte so das Thema Kulturen des Wissens im 18. Jahrhundert in relativ großer Breite und Intensität behandeln. Es waren 83 aktive Teilnehmer und ca. 50 wissenschaftliche Gäste während der Tagung anwesend; sämtliche Plenarveranstaltungen und Sektionen waren gut besucht. Es waren Vertreter von Verlagen und von Zeitschriften anwesend; am 19. Oktober wurde ein Bericht über die Tagung im Deutschlandfunk (kultur heute) gesendet.

    Die Tagung wurde durch den Direktor der Herzog August Bibliothek, Helwig Schmidt-Glintzer, eröffnet. Nach Begrüßungsworten des Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des 18. Jahrhunderts, Wolfgang Adam (Osnabrück), und einer Einführung ins Thema von Ulrich Johannes Schneider (Leipzig), brachte der erste Hauptvortrag von Walther Ch. Zimmerli (Wolfsburg) eine umfassende Problematisierung unter dem Thema »Wissenskulturen des 18. und des 21. Jahrhunderts«. Die gegenwärtige Computerkultur des Wissens wurde der traditionellen Buchkultur vergleichend entgegengestellt. Die anderen Hauptvorträge an den drei Folgetagen brachten Beiträge zum Thema aus unterschiedlicher disziplinärer Perspektive: Rainer Enskat (Halle) sprach über »Aufgeklärtes Wissen. Eine verdrängte Erblast des 18. Jahrhunderts« und plädierte für eine nicht-dogmatische, philosophisch-pragmatische Umsetzung des philosophischen Wahrheitsanspruchs; Bettina Wahrig (Braunschweig) ging es in ihren Ausführungen über »Das gemeine Treiben der Abjekte und die Publizität des ›pharmakon‹. Gift-Diskurse im 18. Jahrhundert« um transdisziplinäre Einsichten zwischen Medizin-, Pharmazie- und Geistesgeschichte; Martin Mulsow (New Brunswick) erläuterte unter dem Titel »Die Transmission verbotenen Wissens« seine Forschungen zur ›geheimen‹ Aufklärungskultur, und Ulrich Johannes Schneider (Leipzig) legte die vielfachen Motive enzyklopädischer Wissensproduktion dar, indem er »Die Konstruktion des allgemeinen Wissens« im 18. Jahrhundert rekonstruierte.« (H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text

    • Zwischen Neugotik und Klassizismus – Wege zu einer patriotischen Baukunst

    Veranstalter: SFB 644 "Transformationen der Antike", Teilprojekt B4 (Prof. Dr. Horst Bredekamp) an der Berliner Humboldt-Universität in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz und dem Lehrstuhl Denkmalpflege der BTU Cottbus

    Datum, Ort: 02.03.2006-04.03.2006, Berlin  

    Bericht von: Marie-Luise Buchinger, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM)
    E-Mail: <Marie-Luise.Buchinger@BLDAM.Brandenburg.de>
    Matthias Metzler, Brandenburgisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM)
    E-Mail: <Matthias.Metzler@BLDAM.Brandenburg.de>

    »Die vom SFB 644 "Transformationen der Antike" Teilprojekt B4 an der Berliner Humboldt-Universität in Kooperation mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, den Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz und dem Lehrstuhl Denkmalpflege der BTU Cottbus gemeinsam durchgeführte Tagung nahm den 225. Geburtstag Karl Friedrich Schinkels zum Anlass, die Architektur und die ersten Ansätze der Denkmalpflege in der Zeit um und nach 1800 auf ihre „patriotischen“ Inhalte zu befragen. Die politische Realität jener Jahre war durch die Niederlage Preußens 1806 und die Befreiungskriege gegen Napoleon geprägt. In dieser krisengeschüttelten Zeit spielten Kunst, Architektur und historische Monumente in der politisch-gesellschaftlichen Auseinandersetzung eine wesentliche Rolle, die in den Vorträgen von unterschiedlichen Seiten beleuchtet wurde.

    Der Einführungsvortrag von Michael Niedermeier fand in der Friedrichswerderschen Kirche statt – ein Ort, der dem Thema der Tagung nicht besser hätte entsprechen können. Der von Schinkel entworfene neogotische Kirchenbau und die klassizistischen Skulpturen der Berliner Bildhauerschule bildeten nicht nur einen überaus würdigen Rahmen, sondern verwiesen zugleich auf das Hauptthema der Tagung. In seinem akribisch recherchierten und mit zahlreichen Beispielen illustrierten Vortrag konnte Niedermeier belegen, wie aus dem anfänglich vor allem genealogisch begründeten Interesse fürstlicher Herrscherhäuser an der Vergangenheit allmählich ein umfassenderes Geschichtsbewusstsein entstand. Dieses war neben der antiken zunehmend auch auf die germanische und wendische Vorgeschichte der Länder und Landschaften gerichtet, deren „Altertümer und Artefakte“ zur Entwicklung nationaler und patriotischer Vorstellungen herangezogen wurden.« (H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text

    • Schiller - Abbe - Haeckel. Jenaer Selbstbilder im Kontext nationaler Erinnerungskultur

    Veranstalter: Senatskommission zur Aufarbeitung der Jenaer Universitätsgeschichte im 20. Jahrhundert; Friedrich-Schiller-Universität Jena

    Datum, Ort: 17.11.2005-20.11.2005, Dornburg bei Jena  

    Bericht von: Justus H. Ulbricht, Jena
    E-Mail: <jhujena@t-online.de>

    »Soviel Erinnerung war nie – das zeigt nicht allein ein Blick in die bei H-Soz-u-Kult auflaufenden Konferenzberichte, sondern dies signalisieren die seit über zehn Jahren anwachsenden Aufsatz- und Bücherberge zu Fragen der Erinnerungskultur. Dabei sind sämtliche methodischen Probleme von allen denkbaren Seiten beleuchtet worden; Fragen der nationalen Erinnerungskultur haben sich ‚transnational’, ‚translokal’ oder ‚europäisch’ geweitet. Komparatistische Perspektiven versuchen disziplin- und länderübergreifend dem ‚kollektiven Gedächtnis’ (auch dies bekanntlich ein nicht unumstrittener Begriff) auf die Spur zu kommen. Längst haben Fragen des Erinnerns, Gedenkens (und Vergessens) den Bereich akademisch-theoretischer Debatten verlassen und sind Teil des öffentlichen Räsonnements über Geschichte geworden, zumal – in umgekehrter Perspektive betrachtet –  in den letzten 20 Jahren bestimmte politische oder kulturelle Anlässe (40 Jahre Kriegsende, „Historikerstreit“, Holocaust-Denkmal, Goldhagen-Debatte, Walser-Bubis-Debatte, Wehrmachtsausstellung, Zentrum für Vertreibung…) selbst erst den Anstoß für weitere wissenschaftliche Diskussionen und die selbstkritische Befragung der Geschichtswissenschaft hinsichtlich ihrer Fachgeschichte gebildet haben.« (Justus H. Ulbricht in: H-Soz-u-Kult)

     Weiter im Text

    • The Many Colours of Hegelianism – Hegel’s Philosophy and its International Reception

    Veranstalter: Department of Politics, Faculty of Philosophy, New College / Trinity College, University of Oxford
    Datum, Ort: 04.06.2010-05.06.2010, Oxford

    Bericht von: Lisa Herzog, Department of Politics and International Relations und New College, University of Oxford
    E-Mail: <Lisa.Herzog@new.ox.ac.uk>

    Die Konferenz “The Many Colours of Hegelianism – Hegel’s Philosophy and its International Reception”, die am 4. und 5. Juni 2010 in Oxford stattfand, und die durch die Oxforder Fakultät für Philosophie, das Department für Politik und Internationale Beziehungen, dem Ludwig Fund (New College) und Michael Inwood (Trinity College) ermöglicht wurde, brachte Experten verschiedener Disziplinen und aus verschiedenen Ländern zusammen, um über die zahlreichen Stränge der Hegel-Rezeption in akademischen und nicht-akademischen Kontexten zu diskutieren. Hegels philosophisches „System“ wurde nach seinem Tod nicht nur von Links- und Rechtshegelianern sehr unterschiedlich interpretiert, sondern auch in den folgenden Jahrzehnten bis hin zur Gegenwart auf so unterschiedliche Weisen und in so unterschiedlichen sozialen und intellektuellen Kontexten rezipiert wie das kaum eines anderen Philosophen. Diese Beobachtung veranlasste zur Organisation der Konferenz[1], die zwar keinen vollständigen, aber zumindest einen weitreichenden Überblick über diese „Hegelianismen“ schaffen und zur Diskussion über deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten anregen sollte, um dem „Phänomen Hegel“ besser auf die Spur zu kommen. Die Konferenz spannte damit einen weiten Bogen, sowohl geografisch als auch fachlich: es kamen Philosophen, Ideengeschichtler sowie Vertreter der jeweiligen nationalen Geschichte zu Wort.

    Weiter im Text und als PDF

    Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit
    Copyright © 2002-2012 Goethezeitportal :: Typo3 & Webdesign by OneAdvertisingAG