Wissenschaftliche Publikationen zu Jakob Michael Reinhold Lenz

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 Albrecht Koschorke: Namenlos. Der prägnante Moment fand nicht statt. Vaterlosigkeit und Heilige Familie in Lenz’ Hofmeister

Seit langem laboriert die Forschung an einer sachlichen Unstimmigkeit in Lenz’ Drama: Ein Kind kommt zur Welt, aber der Privatlehrer Läuffer, der sich der Verführung seiner Schülerin Gustchen bezichtet, kann nach den Zeitangaben im Stück der Vater nicht sein. Statt, wie eine Reihe von Interpreten, dieses Vaterschaftsrätsel auflösen zu wollen, nimmt die hier vorliegende Analyse das Faktum einer biologischen Leerstelle ernst. Sie findet Anhaltspunkte, die merkwürdigen Familiengründungsrituale bei Lenz nicht nur auf den zeitgenössischen Ehediskurs zurückzubeziehen, sondern über den Umweg literarischer Intertexte – vor allem Rousseaus Nouvelle Héloïse – auch mit der Motivgeschichte der Heiligen Familie in Verbindung zu bringen. Die Kausalitäten der Dramenhandlung, so lautet das Ergebnis, zerreiben sich zwischen einer unvollständigen und unstimmigen Allegorese des Übernatürlichen und der komödiantischen Gestaltung von Kontingenz.

In: Peter-André Alt u.a. (Hg.), Prägnanter Moment. Studien zur deutschen Literatur der Aufklärung und Klassik. Festschrift für Hans-Jürgen Schings. Würzburg 2002. S. 91-103. 
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