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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Schiller-Motive auf Bilderbogen

Der Münchener Bilderbogen Nro. 3:
Wilhelm Tell

Stand: September 2008

 

Der Künstler Kaspar Braun (1807-1877) und der Buchhändler Friedrich Schneider (1815-1864) brachten 1844 als erstes Verlagsprodukt den Bilderbogen "Der erste Bock" zur Bockbierzeit heraus. Der Münchner Verlag, dem eine "Anstalt für Holzschneidekunst" angeschlossen war, "machte den Humor zu seinem Spezialgebiet" (Eichler, S.9). Die "Fliegenden Blätter" wurden hier seit 1844 herausgegeben; 1865 kam Wilhelm Buschs Best- und Longseller "Max und Moritz" auf den Markt.

Die "Münchener Bilderbogen" erschienen als Einzelblätter 14tägig, zu jedem zweiten Wochenende, von 1848 bis 1898 in insgesamt 1200 Nummern, die zu 50 Büchern zusammengefasst wurden. Die im Holzstich hergestellten Bilderbogen waren in Schwarz-Weiß und in Schablonenkolorierung erhältlich und für breiteste Kreise erschwinglich. Die weite Verbreitung erhellt aus den Auflagenzahlen; die durchschnittliche Höhe der Erstauflage betrug Mitte der 60er Jahre 10.000 bis 12.000 Exemplare (Eichler, S.38). 1860, in einem einzigen Jahr also, brachten Braun & Schneider 447.500 Erst- und Neuauflagen heraus. (Eichler, S.39)

Braun und Schneider reussierten mit >künstlerischen< Bilderbogen, "die von akademisch geschulten Illustratoren entworfen wie auch signiert wurden" (Eichler, S.12). Die Reihe war jedoch "ein vorwiegend kommerzielles Unternehmen" (Eichler, S.15), bei dem künstlerische und volksbildende Interessen hinter ökonomischen Erwägungen zurück traten. Da die Künstler ihre Verwertungsrechte gegen eine einmalige Abfindung abtraten, konnte der Verlag die zeichnerischen Entwürfe für andere Unternehmen vielfältig nutzen. Unter den insgesamt 138 Künstlern, die an den "Münchener Bilderbogen" mitarbeiteten, sind Wilhelm Busch (1832-1908) mit 50 Bilderbogen, Adolf Oberländer (1845-1923) mit 43, Franz von Pocci (1807-1876) mit 29 und Moritz von Schwind (1804-1871) mit 12 die bekanntesten.

Thematisch waren die "Münchener Bilderbogen" nicht spezialisiert, vielmehr wollten Braun & Schneider "mit einer breiten Themenskala möglichst viele Käufer ansprechen." (Eichler, S.17) Mit zahlreichen Themen wandten sich die Bilderbogen an Kinder, mit anderen Motiven und eigenen thematischen Serien (z.B. "Die Welt in Bildern", "Bilder aus dem Alterthume") lieferten sie Anschauungsmaterial und wollten im Medium der volkstümlichen Grafik bilden und belehren.

 

Literaturhinweise:
* Ulrike Eichler: Münchener Bilderbogen (Oberbayerisches Archiv, Bd. 99) München: Verlag des Historischen Vereins von Oberbayern 1974 (grundlegend).
* Bilderbogen. Deutsche populäre Druckgraphik des 19. Jahrhunderts. Hrsg. vom Badischen Landesmuseum Karlsruhe 1973.
* Wolfgang Brückner: Massenbilderforschung. Eine Bibliographie bis 1991/1995 (Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte; 96) Würzburg 2003. Darin 5.0: Bilderbogen 18./19. Jahrhundert.

 

 





Münchener Bilderbogen. 16. Auflage. Nro. 3. Kgl. Hof- und Universitäts-Buchdruckerei von Dr. C. Wolf & Sohn in München. Herausgegeben und verlegt von Braun & Schneider in München. – Im Bild signiert: Muttenthaler. – Für die fotografische Hilfe danken wir Jörg Nunnenmacher.

Tony Muttenthaler (1820-1870) gestaltete im Zeitraum von 1848 bis 1864 48 Münchener Bilderbogen (Eichler, S. 91). Er war seit 1838 Mitarbeiter in der "Anstalt für Holzschneidekunst", trennte sich jedoch von Braun & Schneider und übernahm 1860 die "artistische Leitung" der Leipziger "Illustrirten Zeitung" (Eichler, S.16).







Oben:
Tell grüßt nicht den Hut des Landvogts auf der Stange
(3. Aufzug, 3.Szene)







Mitte:
Tells Apfelschuss
(3. Aufzug, 3. Szene)







Unten links:
Tell entspringt dem Landvogt, als er auf dem Schiff, das ihn in die Haft führen soll, im Ungewitter das Steuer übernommen hatte
(Tells Bericht 4. Aufzug, 1. Szene).







Unten rechts:
Tell erschießt den Landvogt in der hohlen Gasse bei Küßnacht
(4. Aufzug, 3. Szene).







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Ludwig-Maximilians-Universität München
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E-Mail: georg.jaeger@germanistik.uni-muenchen.de.



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