goethe

Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Jutta Assel | Georg Jäger

Körner-Motive auf Postkarten
Eine Dokumentation

Körner und die Lützower Jäge

Aus der Sammlung historischer und politischer Bildpostkarten von Karl Stehle, München  

Stand: August 2014

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild. 

[Bildnis von Theodor Körner und Freiherrn von Lützow, umrahmt von Eichenlaub, darunter Schlachtszene] Völkerschlacht bei Leipzig 1813. Verso: Signet. Trinks & Co., Leipzig-St., Nr. 10. Nicht gelaufen. 

*****

 

Gliederung

    1. Historische Szenen
    2. Gedichte und Illustrationen
    Zueignung | Gebet während der Schlacht | Abschied vom Leben | Lützows wilde Jagd | Schwertlied
    3. "Entsetzliche Verse!" Heine: Der Tambourmajor
    4. "Ein wahrer Dichter ist ein wahrer Held." Kurzbiographie Körners mit einem Gedicht von Franz Theremin
    5. Das Lützowsche Freikorps
    6. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

     

*****

1. Historische Szenen  

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

 

[Ohne Titel.] Verso: Künstlerkarte des Volkskunstbundes. A. Kampf: Einsegnung von Freiwilligen 1813. Serie 3/118. Gedruckt und verlegt vom Verlag für Volkskunst, Rich. Keutel, Stuttgart. Postkarte. Nicht gelaufen. Handschriftlich: 1. April 1913. – Arthur Kampf (Aachen 1864 - 1950 Castrop-Rauxel), Aquarellmaler und Lithograph, bevorzugte patriotische Themen (Ries).


 

Der Befreiungskrieg 1813-1815. 8. Bild: Einsegnung der Freiwilligen von 1813. Nach dem Gemälde von Prof. Arthur Kampf. Mit Genehmigung der Firma Richard Keutel in Lahr (Baden). G deu-erfrei Befreiungskrieg. Bild Nr. 774. Filmnegativ in beidseitig bedrucktem Umschlag. – Arthur Kampf (Aachen 1864 - 1950 Castrop-Rauxel), Aquarellmaler und Lithograph, bevorzugte patriotische Themen (Ries). – Text auf Umschlag:


Aus Schleiermachers Predigt am 28. März 1813:

"Barmherziger Gott und Herr! Du hast Großes an uns getan, daß du unser Vaterland berufst, um ein freies und würdiges Dasein zu kämpfen. Verleihe nun weiter Heil und Gnade. Der Sieg kommt von dir, und wir wissen wohl, daß wir nicht immer wissen, was wir tun, wenn wir von dir bitten, was uns gut dünkt. Aber mit größerem Vertrauen als je, ja mit einem starken Glauben flehen wir von dir Heil und Segen für die Waffen unseres Königs und seiner Bundesgenossen, weil uns fast dein Reich in Gefahr zu schweben scheint und die edelsten Gaben, die uns vergangene Jahrhunderte erworben haben, wenn diese Anstrengungen vergeblich wären … Wie du auch das Glück des Krieges magst wechseln und sich wenden lassen, laß uns deine Segnungen nicht entgehen! daß jeder geläutert werde und gefördert am inwendigen Menschen! daß jeder, wie viel oder wenig es sei, tue was er kann! daß wir alle gestärkt werden in der Zuversicht zu dir, und in dem Gehorsam gegen deinen Willen, der bis in den Tod geht wie der Gehorsam deines Sohnes. Amen."


Theodor Körners
 "Einsegnungslied":

Wir treten hier im Gotteshaus mit frommem Mut zusammen,
uns ruft die Pflicht zum Kampf hinaus, und alle Herzen flammen.
Denn was uns mahnt zu Sieg und Schlacht, hat Gott ja selber angefacht;
dem Herrn allein die Ehre! …
Er weckt uns jetzt mit Siegeslust für die gerechte Sache;
er rief es selbst in unsre Brust: Auf, deutsches Volk, erwache!
Und führt uns, wär's auch durch den Tod, zu seiner Freiheit Morgenrot.
Dem Herrn allein die Ehre!


Cecilie Baath-Holmberg
 erzählt von der Einsegnung der Lützower in der Kirche zu Rogau:

"Nachdem der Gesang von Körners >Einsegnungslied< verklungen war, richtete der Pfarrer Peters an die Krieger ergreifende Worte, die mit der Aufforderung zum Treueid schlossen:

    >Auf Sie, die hie versammelt sind, blicken Millionen Augen, angstvoll, aber doch voll Vertrauen zu Ihnen und der gerechten Sache. Alle Herzen sind geöffnet zum Gebete, alle Hände bereit zu geben: es gilt ja das Höchste, des Vaterlandes Freiheit, ohne die jedes Glück nur ein Schein, jedes Wohlbehagen nur eitler Tand ist, der kaum die Sklavenkette vergoldet. Ja, auf Sie blicken Millionen deutscher Augen, auf Sie, die Männer der schwarzen Schar, der heiligen Rache! Wollen Sie als Menschen ihre Menschlichkeit, als Bürger ihr Vaterland, als Soldaten ihren König, als Christen ihren Glauben nie verleugnen in der geltenden Stunde? Dann ersuche ich Sie, mit einmütig und laut mit emporgehobener Rechten die Worte nachzusprechen: Wir schwören es!<


In diesem Augenblick erhoben sich mehr als tausend Arme in die Luft, und mehr als tausend Stimmen riefen: >Wir schwören es!< Trommelwirbel und Trompetenfanfaren begleiteten den feierlichen Schwur. Sogleich darauf brauste durch die Kirche das alte Kampflied der Protestanten: Ein' feste Burg ist unser Gott. - Der Gesang verstummte und wieder stieg der Geistliche hinauf zum Altar, breitete seine Arme gegen die jungen Krieger, sank da auf die Knie nieder und sprach mit bebender Stimme ein heißes Gebet …".


 

Turnvater Jahn segnet das Lützow'sche Freikorps 1813. 45/3 Verlag "Ross" Berlin SW 68. Wolfgang von Schwindt. Bismarck-Film 1. Teil. Nicht gelaufen. – Wolfgang von Schwindt (1879-1949), Schauspieler. Bismarck-Film, Teil 1, 1925.


 

[Körner als Lützower Jäger sitzt unter einer Eiche und dichtet.] Abend wird's … Signatur im Bild unleserlich. Verso: Ostmark, Bund deutscher Österreicher. Hauptleitung: Linz a. d. Donau. Karte Nr. 128. Links: Raum für die Wehrschatzmarke. Rechts: Postmarke. Gelaufen. Poststempel 25. VIII. 1914. Text ( aus Theodor Körner: Die Eiche) auf Vorderseite:

Abend wird's des Tages Stimmen schweigen.
Röter strahlt der Sonne letztes Glühn.
 

 


 

 

Oben: [Ohne Titel.] Verso: Theodor Körner liest seine Kriegslieder vor. Richard Knötel, Professor, Geschichtsmaler, geb. 12. Jan. 1857 zu Glogau. Studierte auf der Akademie zu Berlin. Stengel & Co., G.m.b.H., Dresden 29174. Made in Germany. Signet: Stengel. Nicht gelaufen. – Richard Knötel (Glogau 1857 - 1914 Berlin), Lithograph, Maler und Illustrator, bevorzugte historische und militärische Motive ( Ries)

Unten: [Ohne Titel. Körner liest seine Kriegslieder vor.] Im Bild signiert: Hans Wilhelm Schmidt 1912. Verso: Verein für das Deutschtum im Ausland E.V. 4. "Du Schwert an meiner Linken." (Th. Körner). (Körner begeistert seine Kameraden durch sein Schwertlied.) Eisernes Kreuz 1813. Signet. 25/174. Geschäftsstelle: Berlin W [überschrieben]. Kurfürstenstraße 105. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1915. Feldpost. - Hans Wilhelm Schmidt (Hamburg 1859 - 1959 Weimar) , Maler, Radierer und Illustrator. Lehrer an der Weimarer Akademie, malte Figürliches, Landschaften, Tiere und Illustrationen. 1919 Illustrator für die Zeitungsberichte der Nationalversammlung; 1906 Wand- und Deckengemälde im großen Saal des Weimarer Schlosses und im Rathaus (Vollmer, Dressler)  (Hinweis von Regine Richter).


 

[Auf Vorposten.] Verso: Friedrich Georg Kersting: Theodor Körner, Friesen und Hartmann auf Vorposten. Amtliche Veröffentlichung der Nationalgalerie zu Berlin. NG. 3. Photo: F. Nitzsche. Verlag: Hans Andres, Berlin W 15. Nicht gelaufen. Dargestellt:

Georg Friedrich Kersting (Güstrow 1785 - 1847 Meißen), Maler, verkehrte in Dresden im Zirkel von Körners Vater, war befreundet mit Caspar David Friedrich, Gerhard von Kügelgen und Hartmann u.a. Friedrich und Hartmann finanzierten gemeinsam Kerstings Ausrüstung als Lützower Jäger. Nach seiner Rückkehr aus dem Feldzug schuf er die zwei berühmt gewordenen patriotischen Bilder "Auf Vorposten" und "Die Kranzwinderin". Vgl. Georg Friedrich Kersting 1785 - 1847. Hg. vom Museum der Stadt Güstrow. Güstrow 1985. Daraus Kerstings gezeichnetes Selbstbildnis als Lützower Jäger mit altdeutschem Barett als "Wahrzeichen patriotischer und freiheitlicher Gesinnung" (S. 21; Abb. 7).

 

Karl Friedrich Friesen (1785-1814), Mitbegründer der deutschen Turnkunst durch Jahn 1810-12, einer der Hauptwerber und -gestalter des Lützow'schen Freikorps. Am 15. März 1814 wurden die Lützower Jäger vom französischen Landsturm überfallen, wobei Lützow verwundet und sein Adjutant Friesen, der allein zurückgeblieben war, von Bauern erschossen wurde. 1843 erhielt er eine Ruhestätte auf dem Invalidenkirchhof zu Berlin neben Scharnhorst. (In Anlehnung an Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. 1905-1909 [Digitale Bibliothek; 100] Berlin: Directmedia 2003, S. 63.993.)

Ferdinand Hartmann (Stuttgart 1774 - 1842 Dresden), Historien- und Portraitmaler. 1794-98 in Rom, Weimarer Goethe-Preis mit "Hektors Abschied" 1801, ab 1803 in Dresden, 1810 Professor und 1825 Direktorium der Kunstakademie. 1820-23 wieder in Rom. Vertreter des Klassizismus. (Thieme-Becker)


 

[Überfall bei Kitzen.] Dr. Ernst Sandow's künstliche Mineralwasser-Salze, Brausesalze, Bäder. Signet. Verso: Dr. Ernst Sandow's künstliche Mineralwasser-Salze, medizinische Brausesalze, Kohlensäure-Bäder, Sauerstoff-Bäder, Augenbäder. Wezel &. Naumann A.-G., Leipzig. Text:


Die Völkerschlacht 1813.

1. Überfall der Lützower bei Kitzen.

Zum Lützowschen Freikorps, "die schwarze Schar" genannt, das sich nach dem Aufrufe des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. zu einer allgemeinen Landesverteidigung gegen Napoleon I. im März 1813 in Breslau gebildet hatte, gehörte der Dichter und Sänger Theodor Körner. Mitte April hatte der Kaiser der Franzosen Paris verlassen, Ende des Monats stand er bereits mit seinen Truppen in Erfurt, und am 2. Mai siegte er bei Lützen über die verbündeten Preußen und Russen. Nach der Schlacht bei Bautzen, am 21. Mai, trat ein Waffenstillstand ein. Lützow, der Anfang Juni mit seinem Korps vor Hof in Bayern lag, erfuhr hiervon und trat sofort den Rückmarsch nach dem rechten Elbufer an. Es wurde ihm vom Feinde sicheres Geleit durch Sachsen zugesagt. Als die Lützower aber am 17. Juni bei dem Dorfe Kitzen, 4 Stunden südwestlich von Leipzig gelegen, ein Biwak bezogen, wurden sie heimtückisch von den rheinbündischen Württembergern und Franzosen unter General Fournier überfallen, der von Napoleon Befehl erhalten hatte, "die Räuberbande des schwarzen Korps einzufangen und niederhauen zu lassen". Wie durch ein Wunder entkam Theodor Körner schwerverwundet den das Korps umzingelnden Dragonern und verbarg sich in einem nahen Gehölz, wo ihn anderntags ein Holzhauer fand und nach Großzschocher brachte. Von hier aus kam der Held nach Leipzig in ein sicheres Versteck zu dem Arzte Prof. Dr. Wendler und später begab er sich als Genesender nach Karlsbad.


 

O. Heichert: Theodor Körner nach dem Überfall bei Kitzen. Im Bild signiert: Otto Heichert. Verso: Verlag Hermann A. Wiechmann, München. No. 244. Verzeichnisse von Büchern, Bildern und Kunstpostkarten umsonst und postfrei. Nicht gelaufen. – In der Rechten hält Körner ein Blatt mit dem Schlussvers aus der "Zueignung" der Sammlung "Leyer und Schwert". – Otto Heichert (1868-1946), Maler und Graphiker, 1882-89 Düsseldorfer Akademie, 1903 Professor an der Akademie in Königsberg.


 

 

Oben: Körners Tod zwischen Schwerin und Gadebusch d. 26. August 1813. [Unten Medaillon des Körner-Grabes in Wöbbelin mit Leyer und Schwert.] Verso: Gruß aus Wöbbelin i. Mecklbg. 2915 Verlag Th. Wrigge, Schwerin i. M. Nicht gelaufen.

Unten: Die Freiheitskriege 1806-1815. Theodor Körners Tod. Signiert: E. Kutzer. Verso: Ostmark, Bund deutscher Österreicher. Linz a.d. Donau. Karte Nr. 60. "Theodor Körners Tod". Links: Raum für die Wehrschatzmarke. Rechts: Raum für die Freimarke. Nicht gelaufen. – Ernst Kutzer (Böhmisch-Leipa 1880 - 1965 Wien), populärer und überaus fruchtbarer Wiener Illustrator (Ries).


 

 

Oben: Körner's Tod am 18. August 1813. Signet des Deutschen Schulvereins. Im Bild Monogramm: AK. Oben: 1813 [mit aufgehender Sonne]. Verso: Pflicht eines jeden Deutschen ist, Mitglied des Deutschen Schulvereins zu sein. Mindestbeitrag jährlich K 2.- Anmeldungen VI. Linke Wienzeile 4 oder bei den Ortsgruppen. Links: Schulvereinsmarke mit Körner-Portrait. Deutscher Schulverein, Karte Nr. 503. Kunstdruckerei von Josef Eberle, Wien VII. Schottenfeldgasse 38. Postkarte. Nicht gelaufen. | Unten: Rückseite mit Koerner-Marke.


 

 

Oben: [Ohne Titel.] Verso: Theodor Körners Tod bei Gadebusch, am 26. August 1813. Nach einem Originalgemälde von R. Trache. Farbige originaltreue Nachbildung von Meinholds Schul- und Wandbildern. Im Briefmarkenfeld: Farbige Verkleinerung von Meinholds Schulbildern. Katalog gratis. C.C. Meinhold & Söhne, Dresden. Nicht gelaufen. – Rudolf Trache (geb. 1866 in Dessau, Todesdatum unbekannt), Aquarellmaler, Zeichner und Illustrator in Dresden (Ries).

Unten: [Körners Tod.] Dr. Ernst Sandow's künstliche Mineralwasser-Salze, Brausesalze, Bäder. Signet. Verso: Dr. Ernst Sandow's künstliche Mineralwasser-Salze, medizinische Brausesalze, Kohlensäure-Bäder, Sauerstoff-Bäder, Augenbäder. Wezel &. Naumann A.-G., Leipzig. 

2. Theodor Körners Heldentod bei Gadebusch.

Die Verbündeten hatten den Waffenstillstand mit Napoleon Mitte August gekündigt, da es klar geworden, daß der Franzosenkaiser nur Zeit zu neuen Rüstungen gewinnen wollte. Theodor Körner, der Freiheitssänger und Held der Lützowschen "Schwarzen Schar", war Adjutant Lützows geworden, dessen Korps unter General Walmoden stand und die Aufgabe hatte, Marschall Davoust am Vordringen von Hamburg aus gegen Berlin und Magdeburg zu hindern. Bei Wöbbelin, einem Dorfe in Mecklenburg-Schwerin, lagerten am 25. August die Lützower. In der Nacht unternahm der Korpsführer einen Streifzug mit 200 Reitern nach dem Orte Gottesgabe, 3 Stunden von Schwerin. Man legte sich in ein Gehölz bei Gadebusch, um gegen Morgen eine feindliche Proviantkolonne abzufangen. Der 26. August brach an; die Vorposten meldeten den Wagenzug, der von französischen Infanteristen begleitet wurde. Mit kräftigem Hurrarufe stürzten sich die schwarzen Jäger auf den Feind, der bald alles im Stich ließ, sich jedoch hinter den Bäumen zu sammeln suchte und auf die Tapferen schoß. "Jäger, vorwärts!" rief Körner. "Hurra! Oberjäger!" erscholl es zurück. Da wankte der Held plötzlich im Sattel. Mit den Worten: "Da hab' ich eins - schadet weiter nicht -" sank er entseelt vom Rosse. Treue Freunde gruben ihm sein Grab unter einer Eiche bei Wöbbelin und senkten ihn ein unter dem feierlichen Gebet: "Vater, ich rufe dich!" 


 

Woldemar Friedrich Olivier, Theodor Körner auf der Totenbahre

Lithographie nach der Zeichnung von Woldemar Friedrich Olivier (1791-1859). Beschriftung: "Theodor Körner von seinem Waffengefährten Olivier gezeichnet auf der Todtenbahre am 26. August 1813 unter der Eiche bei Wöbbelin." Quelle: Ausriss.


 

Der Befreiungskrieg 1813-1815. 10. Bild: Die Lützower an der Leiche Körners. Nach dem Gemälde von Otto Donner von Richter. Mit Genehmigung der Firma Richard Keutel in Lahr (Baden). G deu-erfrei Befreiungskrieg. Bild Nr. 776. - Fotonegativ in bedrucktem Umschlag. – Otto Donner von Richter (Frankfurt a.M. 1828 - 1911 daselbst), Frankfurter Maler, Schüler von Moritz von Schwind. (Ries) – Text auf Umschlag:

In der Nacht zum 26. August 1813 sang Theodor Körner sein "Schwertlied", seinen Schwanengesang:

Nun laßt das Liebchen singen, daß helle Funken springen!
Der Hochzeitsmorgen graut. Hurra! die Eisenbraut!
           Hurra! 

Am selben grauenden Morgen fiel er unweit Gadebusch und ward im Hauptquartier zu Wöbbelin aufgebahrt …


Cecilie Baath-Holmberg
 erzählt:

Die Uhr war 9 Uhr abends; der Augustmond beleuchtete das kleine Dorf mit seinen niedrigen strohbedeckten Hütten und die flache Umgebung, deren Einförmigkeit nur von zwei hohen dicht belaubten Eichen unterbrochen war. Im Lager erscholl hier und da munteres Gespräch und Gesang. Ganz unerwartet hörte man Wagengerassel, und auf dem holprigen Wege sah man im Mondenscheine einen langen Zug von Wagen, von Reitern umgeben, langsam herankommen. Der Zug hielt vor dem letzten Hause des Dorfes, und sogleich verbreitete sich durch das ganze Lager das Gerücht, alles in Bewegung und Trauer versetzend: Leutnant Körner ist gefallen! Seine Leiche war gerade in das letzte Dorfhaus getragen. In diesem und um das Haus herum drängte sich nun die schwarze Schar, stumm und ergriffen. Aller Sang im Lager war verstummt; überall Stille. Auf dem ungestrichenen Stubentische lag, auf Eichenlaub und wilden Blumen gebettet, Theodor Körner tot ausgestreckt, neben ihm, ebenfalls auf einem Bette von Eichenlaub, auf dem Ziegelsteinboden seine drei gefallenen Waffengefährten. Seine Augen waren geschlossen, seine Lippen trugen noch das frohe Lächeln. Zwei von seinen Kameraden, beides Künstler, zeichneten sein Gesicht, das wie in glücklichem Schlaf ruhte, einen Eichenkranz um die Stirn.

Die Freunde schluchzten, und keiner versuchte die Tränen zu verbergen, die der Schmerz ihm auspreßte. Einer nach dem andern traten die Lützower an die Leiche; jeder wollte eine Blume, einen Eichenzweig auf sein Totenlager legen und noch einmal ihn sehen, der allen so teuer geworden war.

Auf Brettern, die aus einem alten Torflügel ausgebrochen wurden, ward ein Sarg gefertigt, und auf seinem Bette aus frischem Eichenlaube und Blumen ward der Tote hineingelegt, mit Laub und Blumen bekränzt. Als Grabstätte ward der Platz unter der größten der beiden Eichen gewählt. Unter der kleineren sollte Graf Hardenberg ruhen. Für die beiden anderen Gefallenen wurden Gräber zwischen beiden gegraben …

Theodor Körners eigenes herrliches "Gebet" ward sein Grablied:

"Hör uns, Allmächtiger! Hör uns, Allgütiger!
Himmlischer Führer der Schlachten!
Vater, dich preisen wir! Vater, wir danken dir,
daß wir zur Freiheit erwachten …
   
Führ' uns! - Fall' unser Los auch tief in Grabes Schoß:
Lob doch und Preis deinem Namen!
Reich, Kraft und Herrlichkeit sind dein in Ewigkeit!
Führ' uns, Allmächtiger! - Amen."
 

 


 

An der Bahre Körners. Verso: Theodor Körner. Ein Heldenleben. Deutsche Mutoscop- und Biograph Gesellschaft. Verlag: E. Baumann, Berlin SW. 61. Kaiser Friedrich-Platz 2. Gruß aus … Postkarte. Nicht gelaufen.

*****

Körnergrab, Wöbbelin

Körnergrab, Wöbbelin
Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild

Körnergrab, Wöbbelin. Adressseite: Verlag Th. W. Schwerin i. M. Nr. 55. Nicht gelaufen.


 

2. Gedichte und Illustrationen 

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

Zueignung. Am 24. April 1813

Euch allen, die ihr noch mit Freundestreue
An den verwegnen Zitherspieler denkt,
Und deren Bild, so oft ich es erneue,
Mir stillen Frieden in die Seele senkt,
Euch gilt dies Lied! - O, daß es euch erfreue! -
Zwar hat euch oft mein wildes Herz gekränkt,
Hat stürmisch manche Stunde euch verbittert,
Doch eure Treu' und Liebe nicht erschüttert.
  
So bleibt mir hold! - Des Vaterlandes Fahnen,
Hoch flattern sie am deutschen Freiheitsport.
Es ruft die heil'ge Sprache unsrer Ahnen:
"Ihr Sänger, vor! und schützt das deutsche Wort!"
Das kühne Herz läßt sich nicht länger mahnen,
Der Sturm der Schlachten trägt es brausend fort;
Die Leier schweigt, die blanken Schwerter klingen.
Heraus, mein Schwert! magst auch dein Liedchen singen.
  
Laut tobt der Kampf! - Lebt wohl, ihr treuen Seelen!
Euch bringt dies Blatt des Freundes Gruß zurück.
Es mag euch oft, recht oft, von ihm erzählen,
Es trage sanft sein Bild vor euren Blick.
Und sollt' ich einst im Siegesheimzug fehlen:
Weint nicht um mich, beneidet mir mein Glück!
Denn was, berauscht, die Leier vorgesungen,
Das hat des Schwertes freie Tat errungen.
 

 


 

Karl Theodor Körner. Porträt im Schmuckrahmen mit Eichenlaub, Eisernem Kreuz, Doppeladler. R. Assmann Wien 11. Verso: Postkarte. Verlag des Vereins "Südmark" (Gegründet 1889) Graz, Joanneum-Ring 11. Karl Theodor Körner. Karte Nr. 172 von R. Aßmann. 02/12/11. Gelaufen. Datiert 1912, Poststempel unleserlich. - Richard Assmann (Troppau 1887 - 1965 Fürstenhagen / Hessen), Maler, Illustrator und Plakatkünstler. Gründete 1919 in Troppau ein Atelier für Reklame. (Ries) - Text auf Vorderseite:

Weint nicht um mich, beneidet mir mein Glück!
Denn was, berauscht, die Leyer vorgesungen,
Das hat des Schwertes freie Tat errungen.
 

 




Gebet während der Schlacht(1813)

                    Vater, ich rufe dich!
Brüllend umwölkt mich der Dampf der Geschütze,
Sprühend umzucken mich rasselnde Blitze.
    Lenker der Schlachten, ich rufe dich!
                    Vater, du führe mich!
  
                    Vater, du führe mich!
Führ' mich zum Siege, führ' mich zum Tode:
Herr, ich erkenne deine Gebote!
Herr, wie du willst, so führe mich.
                    Gott, ich erkenne dich!
  
                    Gott, ich erkenne, dich!
So im herbstlichen Rauschen der Blätter
Als im Schlachtendonnerwetter,
    Urquell der Gnade, erkenn' ich dich.
                    Vater, du segne mich!
  
                    Vater, du segne mich!
In deine Hand befehl' ich mein Leben,
Du kannst es nehmen, du hast es gegeben.
    Zum Leben, zum Sterben segne mich;
                    Vater, ich preise dich!
  
                    Vater, ich preise dich!
's ist ja kein Kampf um die Güter der Erde;
Das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte:
    Drum fallend und siegend, preis' ich dich;
                    Gott, dir ergeb' ich mich!
  
                    Gott, dir ergeb' ich mich!
Wenn mich die Donner des Todes begrüßen,
Wenn meine Adern geöffnet fließen;
    Dir, mein Gott, dir ergeb' ich mich!
                    Vater, ich rufe dich!
 

 


 

 

Oben: Theodor Körners Gebet während der Schlacht. Verso: PFB [Paul Fink, Kunstanstalt, Berlin] 177/II. Gelaufen. Poststempel 1913. | Mitte: Theodor Körners Gebet während der Schlacht. Signet: PFB [Paul Fink, Kunstanstalt, Berlin] 254. Verso: Theodor Körner's Gebet während der Schlacht [mit Text: Vater, ich rufe dich …]. Gelaufen. Poststempel 1911. | Unten: Invocation de Körner au Dieu des Batailles. Signet: PFB [Paul Fink, Kunstanstalt, Berlin] 2130. Verso: Printed in Germany. Nicht gelaufen.

Theodor Körner, Gebet während der Schlacht. Gemalt von Oskar Merté. Verlag Albert Seyboldt, München, Theodor Körner, Gebet während der Schlacht. Postkartenverlag Brüder Kohn, Wien
Theodor Körner, Vater ich rufe dich. Ostmark, Bund deutscher ÖsterreicherTheodor Körner, Gebet während der Schlacht. Gemalt von Karl Alexander Wilke. Deutscher Wehrverein, Berlin

      

Oben links: [Ohne Titel.] Im Bild signiert: O. Merté. Verso: 1813. Die Völkerschlacht bei Leipzig. Die Lützower. Gebet während der Schlacht. Vater, ich rufe dich, / Brüllend umwölbt mich der Dampf der Geschütze, / Sprühend umzucken mich rasselnde Blitze , … Signet: ASM im Schild [Verlag Albert Seyboldt, München]. Serie 648. 6 Dessins. Nicht gelaufen. – Oskar Merté (geb. 1872, gest. um 1941), Münchner Tiermaler und Illustrator (Ries).

Oben rechts: Gebet während der Schlacht. Theodor Körner 1813. Verso: B K W I 250-2. Postkartenverlag Brüder Kohn, Wien I. Gelaufen. Poststempel 1916. Zitat auf der Vorderseite, gerahmt von Vignetten:

                    Vater, ich rufe dich!
Brüllend umwölkt mich der Dampf der Geschütze,
Sprühend umzucken mich rasselnde Blitze.
    Lenker der Schlachten, ich rufe dich!
 

 


Unten links
: [Schlachtszene im Rahmen.] Vater, ich rufe Dich … Signatur im Bild unleserlich. Monogramm: AK. Verso: Ostmark, Bund deutscher Österreicher. Hauptleitung: Linz a. d. Donau. Karte Nr. 125. Links: Raum für die Wehrschatzmarke. Rechts: Raum für die Freimarke. Nicht gelaufen. Text auf Vorderseite:

                    Vater, ich rufe dich!
Brüllend umwölkt mich der Dampf der Geschütze. 

 

Unten rechts: Gebet während der Schlacht von Th. Körner, Schmuckrahmen. Im Bild signiert: K. Alex Wilke. Monogrammiert: AG. Verso: Deutscher Wehrverein E.V. Berlin SW. 11. Bernburgerstraße 15-16. Signet. Nicht gelaufen. – Karl Alexander Wilke (Leipzig 1879 - 1954 Wien), Wiener Illustrator, vor allem militärische Darstellungen (Ries) – Text auf Vorderseite:

                    Vater, ich preise dich!
's ist ja kein Kampf um die Güter der Erde;
Das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte. 

 


 

Vater du, führe mich … im Schmuckrahmen mit Eichenlaub, Eisernem Kreuz, Doppeladler. Im Bild signiert: R. Assmann. Verso: Postkarte. Verlag des Vereines "Südmark" (Gegründet 1889) Graz, Joanneum-Ring 11. Th. Körner. Aus Leyer und Schwert: Gebet vor der Schlacht … ! Karte Nr. 176 von R. Aßmann. 02/12/11. Gelaufen. Datiert 1913. Poststempel unleserlich. – Richard Assmann (Troppau 1887 - 1965 Fürstenhagen / Hessen), Maler, Illustrator und Plakatkünstler. Gründete 1919 in Troppau ein Atelier für Reklame. (Ries) – Text auf Vorderseite:

                    Vater du, führe mich!
Führ' mich zum Siege, führ' mich zum Tode:
Herr, ich erkenne deine Gebote;
Herr, wie du willst, so führe mich.
                    Gott, ich erkenne dich!
 

 


  

 

Links: [Körner sitzend und dichtend vor Schlachtszene.] Eingeschrieben: Vater ich preise dich! … Im Bild signiert: ? Ulreich. Verso: B. K. W. I. [Kunstverlag Brüder Kohn, Wien I.] 856-1. Gelaufen. Poststempel 1913. – Ulreich: nicht ermittelt. – Text auf Vorderseite:

                    Vater, ich preise dich!
Es ist ja kein Kampf um die Güter der Erde;
Das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte. 

 

Rechts: Vater ich rufe dich. Im Bild signiert O. Schindler 18. Sept. 1914. Verso: Römmler & Jonas, Dresden. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1915. – Wahrscheinlich Osmar Schindler (geb. 1867 in Burkhardtsdorf bei Chemnitz, Todesdatum nicht ermittelt), Maler, Professor an der Akademie Dresden (Dresslers Kunstjahrbuch 1913). – Text auf Vorderseite:

Vater, ich preise dich!
'S ist ja kein Kampf für die Güter der Erde;
Das Heiligste schützen wir mit dem Schwerte;
Drum, fallend und siegend, preis ich dich,
Gott, dir ergeb' ich mich! 

 


Abschied vom Leben.
Als ich in der Nacht vom 17. zum 18. Juni 1813 schwer verwundet und hilflos in einem Holze lag und zu sterben meinte.

Die Wunde brennt - die bleichen Lippen beben. -
    Ich fühl's an meines Herzens matterm Schlage:
    Hier steh' ich an den Marken meiner Tage. -
    Gott, wie du willst! dir hab' ich mich ergeben. -
  
Viel goldne Bilder sah ich um mich schweben;
    Das schöne Traumbild wird zur Totenklage. -
    Mut! Mut! - Was ich so treu im Herzen trage,
    Das muß ja doch dort ewig mit mir leben. -
  
Und was ich hier als Heiligtum erkannte,
    Wofür ich rasch und jugendlich entbrannte,
    Ob ich's nun Freiheit, ob ich's Liebe nannte:
  
Als lichten Seraph seh' ich's vor mir stehen; -
    Und wie die Sinne langsam mir vergehen,
    Trägt mich ein Hauch zu morgenroten Höhen.
 

 


 

Oben: Körner's Abschied vom Leben. Die Wunde brennt, / Die bleichen Lippen beben. Im Bild monogrammiert: O. H. Verso: Signet: PFB [Paul Fink, Kunstanstalt, Berlin]. Gelaufen. Poststempel 1915. Zensurierte Feldpostkarte. – O.H. wahrscheinlich Otto Heichert (1868-1946), Maler und Graphiker, 1882-89 Düsseldorfer Akademie, 1903 Professor an der Akademie in Königsberg.

Mitte: Körner's Abschied vom Leben. Die Wunde brennt, / Die bleichen Lippen beben. Im Bild monogrammiert: O. H. Signet: N im sechseckigen Stern [Novitas-Verlag Otto Kellner Berlin SW 68]. 27092. Gelaufen. Poststempel 1911. – O.H. wahrscheinlich Otto Heichert (1868-1946), siehe oben.

Unten: Adieu à la vie de Körner. Im Bild monogrammiert: O. H. Signet: PFB [Paul Fink, Kunstanstalt, Berlin] 2130. Nicht gelaufen. – O.H. wahrscheinlich Otto Heichert (1868-1946), siehe oben.


 

[Der verwundete Körner, im Rahmen.] Die Wunde brennt, / die bleichen Lippen beben. / Theodor Körner. Signatur im Bild unleserlich. Verso: Ostmark, Bund deutscher Österreicher. Hauptleitung: Linz a.d. Donau. Karte Nr. 127. Links: Raum für die Wehrschatzmarke. Rechts: Raum für die Freimarke. Nicht gelaufen.




Lützows wilde Jagd.
Auf dem Schneckenberge bei Leipzig, am 24. April 1813.

Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein?
    Hör's näher und näher brausen.
Es zieht sich herunter in düsteren Reih'n,
Und gellende Hörner schallen darein
    Und erfüllen die Seele mit Grausen.
Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:
Das ist Lützows wilde, verwegene Jagd.
  
Was zieht dort rasch durch den finstern Wald
    Und streift von Bergen zu Bergen?
Es legt sich in nächtlichen Hinterhalt;
Das Hurra jauchzt und die Büchse knallt,
    Es fallen die fränkischen Schergen.
Und wenn ihr die schwarzen Jäger fragt:
Das ist Lützows wilde, verwegene Jagd.
  
Wo die Reben dort glühen, dort braust der Rhein,
    Der Wütrich geborgen sich meinte,
Da naht es schnell mit Gewitterschein
Und wirft sich mit rüst'gen Armen hinein
    Und springt ans Ufer der Feinde.
Und wenn ihr die schwarzen Schwimmer fragt:
Das ist Lützows wilde, verwegene Jagd.
  
Was braust dort im Tale die laute Schlacht,
    Was schlagen die Schwerter zusammen?
Wildherzige Reiter schlagen die Schlacht,
Und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht
    Und lodert in blutigen Flammen.
Und wenn ihr die schwarzen Reiter fragt:
Das ist Lützows wilde, verwegene Jagd.
  
Wer scheidet dort röchelnd vom Sonnenlicht,
    Unter winselnde Feinde gebettet?
Es zuckt der Tod auf dem Angesicht,
Doch die wackern Herzen erzittern nicht;
    Das Vaterland ist ja gerettet!
Und wenn ihr die schwarzen Gefall'nen fragt:
Das war Lützows wilde, verwegene Jagd.
  
Die wilde Jagd und die deutsche Jagd
    Auf Henkersblut und Tyrannen! -
Drum, die ihr uns liebt, nicht geweint und geklagt!
Das Land ist ja frei, und der Morgen tagt,
    Wenn wir's auch nur sterbend gewannen!
Und von Enkeln zu Enkeln sei's nachgesagt:
Das war Lützows wilde, verwegene Jagd.
 

 


 

Lützow's wilde Jagd. Soldatenlieder-Postkarten. Druck u. Verlag v. M. Seeger, Stuttgart. Signet SM St im Schild. Dasselbe Bild für Wandschmuck in Größe 23x32 cm erschienen. 252. Im Bild signiert: C. B. Mchn. Verso: Postkarte. Nicht gelaufen.


 

[Ohne Titel.] Im Bild signiert: R. Knötel. Verso: Verein für das Deutschtum im Ausland. 3. "Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein." (Th. Körner). (Lützows wilde verwegene Jagd.) Eisernes Kreuz. Verlagssignet. 25/173. Geschäftsstelle: Berlin W. 62, Kurfürstenstraße 105. Nicht gelaufen. – Richard Knötel (Glogau 1857 - 1914 Berlin), Lithograph, Maler und Illustrator, bevorzugte historische und militärische Motive (Ries).


 

 

Links: 1813. Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein? [mit Noten]. (Körner) Im Bild signiert: S. Sch??. Monogramm: AK. Verso: Pflicht eines jeden Deutschen ist, Mitglied des Deutschen Schulvereins zu sein. Mindestbeitrag jährlich K 2.- Anmeldungen VI. Linke Wienzeile 4 oder bei den Ortsgruppen. Links: Raum für die Schulvereinsmarke. Deutscher Schulverein, Karte Nr. [überschrieben]. Kunstdruckerei von Josef Eberle, Wien VII. Schottenfeldg. 38. Gelaufen. Poststempel 1913. 

Rechts: Was glänzt dort … im Schmuckrahmen mit Eichenlaub, Eisernem Kreuz, DoppeIadler. Im Bild signiert: R. Assmann. Verso: Postkarte. Verlag des Vereines "Südmark" (Gegründet 1889) Graz, Joanneum-Ring 11. Th. Körner, Aus Leyer und Schwert: Lützows wilde Jagd … ! Karte Nr. 178 von R. Aßmann. 02/12/11. Gelaufen. Poststempel 1912. – Richard Assmann (Troppau 1887 - 1965 Fürstenhagen / Hessen), Maler, Illustrator und Plakatkünstler. Gründete 1919 in Troppau ein Atelier für Reklame. (Ries) – Text auf Vorderseite:

Was glänzt dort vom Walde im Sonnenschein?
Hör's näher und näher brausen.
Es zieht sich herunter in düsteren Reih'n,
Und gellende Hörner schallen darein
Und erfüllen die Seele mit Grausen.
Und wenn ihr die schwarzen Gesellen fragt:
Das ist Lützows wilde, verwegene Jagd!
 

 


  

 

Links: [Schlachtszene im Schmuckrahmen.] Im Bild signiert: F. Welzl. Verso: Verlag des Vereines Südmark (Gegr. 1889), Graz, Jakominigasse 3. Karte Nr. 54. Postkarte. – F. Welzl: nicht ermittelt. – Text auf Vorderseite (Th. Körner, 1813):

Was braust dort im Tale die laute Schlacht?
Was schlagen die Schwerter zusammen?
Wildherzige Reiter schlagen die Schlacht,
und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht
und lodert in blutigen Flammen;
und wenn ihr die schwarzen Reiter fragt:
Das ist, das ist Lützows wilde, verwegene Jagd! 

Rechts: Lützows wilde Jagd von Th. Körner, Schmuckrahmen. Im Bild signiert: K. Alex. Wilke. Monogramm im Textteil: CA. Verso: Deutscher Wehrverein E.V. Berlin SW. 11. Bernburgerstraße 15-16. Signet. Nicht gelaufen. – Karl Alexander Wilke (Leipzig 1879 - 1954 Wien), Wiener Illustrator, vor allem militärische Darstellungen (Ries) – Text auf Vorderseite:

Wildherzige Reiter schlagen die Schlacht,
Und der Funke der Freiheit ist glühend erwacht
Und lodert in blutigen Flammen.
Und wenn ihr die schwarzen Reiter fragt,
Das ist Lützows wilde, verwegene Jagd.
 

 


 

Das war Lützows wilde verwegene Schar. Theodor Körner. Im Rahmen. Signatur nicht aufgelöst. Verso: Ostmark, Bund deutscher Österreicher. Hauptleitung: Linz a.d. Donau. Karte Nr. 131. Links: Raum für die Wehrschatzmarke. Rechts: Raum für die Freimarke. Nicht gelaufen.




Schwertlied.
(Wenige Stunden vor dem Tode des Verfassers gedichtet) 

Das Schwert an meiner Linken,
Was soll dein heitres Blinken?
    Schaust mich so freundlich an.
    Hab' meine Freude dran.
          Hurra!
  
Mich trägt ein wackrer Reiter;
Drum blink' ich auch so heiter;
    Bin freien Mannes Wehr;
    Das freut dem Schwerte sehr.
          Hurra!
  
Ja, gutes Schwert, frei bin ich
Und liebe dich herzinnig,
    Als wärst du mir getraut
    Als eine liebe Braut.
          Hurra!
  
Dir hab' ich's ja ergeben,
Mein lichtes Eisenleben.
    Ach wären wir getraut!
    Wann holst du deine Braut?
          Hurra!
  
Zur Brautnachts-Morgenröte
Ruft festlich die Trompete;
    Wenn die Kanonen schrein,
    Hol' ich das Liebchen ein.
          Hurra!
  
O seliges Umfangen!
Ich harre mit Verlangen
    Du Bräut'gam, hole mich.
    Mein Kränzchen bleibt für dich.
          Hurra!
  
Was klirrst du in der Scheide,
Du helle Eisenfreude,
    So wild, so schlachtenfroh?
    Mein Schwert, was klirrst du so?
          Hurra!
  
Wohl klirr' ich in der Scheide;
Ich sehne mich zum Streite,
    Recht wild und schlachtenfroh.
    Drum, Reiter, klirr' ich so.
          Hurra!
  
Bleib doch im engen Stübchen!
Was willst du hier, mein Liebchen?
    Bleib still im Kämmerlein!
    Bleib! bald hol' ich dich ein.
          Hurra!
  
Lass mich nicht lange warten!
O schöner Liebesgarten,
    Voll Röslein blutigrot
    Und aufgeblühtem Tod!
          Hurra!
  
So komm denn aus der Scheide,
Du Reiters Augenweide!
    Heraus, mein Schwert, heraus!
    Führ' dich ins Vaterhaus.
          Hurra!
  
Ach, herrlich ist's im Freien,
Im rüst'gen Hochzeitreihen!
    Wie glänzt im Sonnenstrahl
    So bräutlich hell der Stahl!
          Hurra! -
  
Wohlauf, ihr kecken Streiter,
Wohlauf, ihr deutschen Reiter!
    Wird euch das Herz nicht warm?
    Nehmt's Liebchen in den Arm!
          Hurra!
  
Erst tat es an der Linken
Nur ganz verstohlen blinken;
    Doch an die Rechte traut
    Gott sichtbarlich die Braut.
          Hurra!
  
Drum drückt den liebeheißen,
Bräutlichen Mund von Eisen
    An eure Lippen fest!
    Fluch, wer die Braut verläßt!
          Hurra!
  
Nun laßt das Liebchen singen,
Dass helle Funken springen!
    Der Hochzeitmorgen graut.
    Hurra, du Eisenbraut!
          Hurra!
 

 


 

[Körner, dichtend auf einem Schimmel.] Im Bild signiert M. Weese. Theodor Körner - 26. August 1813 - "Du Schwert an meiner Linken -". Photogravureverlag von G. Heuer & Kirmse, Berlin W. 30. Kupferdruck-Künstlerkarte No. 25. Preis 25 Pfg. M. Weese px. Gesetzlich geschützt. Verso: Postkarte. Nicht gelaufen. – Max Weese (geb. 1855 in Schweidnitz, Todesdatum unbekannt), Portrait- und Historienmaler (Dresslers Kunstjahrbuch 1913).


 

Bild in Eichenlaubrahmen mit Schmuckband 1791. Unten Spruchband: Du Schwert an meiner Linken, was soll dein heiteres Blinken? Schaust mich so freundlich an. 1813. Leier, Schwert etc. † 26. August. Einmontiert Medaillon Karl Theodor Körner. Vereinssignet: Südmark. Im Bild Monogramm: AK. Verso: Verlag des Vereines Südmark (Gegründet 1889) Graz, Joanneum-Ring 11. Karte Nr. 155. Links: Raum für die Wehrschatzmarke. Rechts: Raum für die Freimarke. Nicht gelaufen.


 

 

 

  

 

Oben: Du Schwert an meiner Linken, / was soll dein heit'res Blinken? Vereinssignet. Signatur im Bild unleserlich. Monogramm: AK. Verso: Verlag des Vereines Südmark (Gegründet 1889) Graz, Joanneum-Ring 11. Karte Nr. 297. Links: Raum für die Wehrschatzmarke. Rechts: Raum für die Freimarke. Nicht gelaufen

Unten links: Schwertlied. Theodor Körner 1813. Verso: B K W I 250-4. Postkartenverlag Brüder Kohn, Wien I. Nicht gelaufen. Zitat auf der Vorderseite:

Du Schwert an meiner Linken,
Was soll dein heit'res Blinken?
Schau'st mich so freundlich an,
Hab' meine Freude dran.
         Hurra, Hurra.
 

 

Unten rechts: Du Schwert an meiner Linken! / Was soll dein heitres Blinken? Theodor Körner. Signet: Schulverein. Signatur: E. Schönmann. Monogramm: AG. Verso: Pflicht eines jeden Deutschen ist, Mitglied des Deutschen Schulvereins zu sein. Mindestbeitrag jährlich K 2.- Anmeldungen VI. Magdalenenstraße 6 oder bei den Ortsgruppen. Links: Raum für die Schulvereinsmarke. Deutscher Schulverein, Karte Nr. 145. Kunstdruckerei von Josef Eberle, Wien VII. Schottenfeldgasse 38. Gelaufen. Poststempel 1912. – E. Schönmann: nicht ermittelt.


 

[Körner am Fuß einer Eiche, rezitierend. Im Schriftrahmen:] Du Schwert, an meiner Linken. [Im Geäst der Eiche ein Kranz mit dem Satz:] Ein Volk in Waffen gegen eine Welt in Waffen. Signet: D mit Vogel. No. 10. Verso: Wohlfahrtspostkarte zum Besten des Roten Kreuzes. Druck v. Knackstedt & Co., Hamburg 22. Im Briefmarkenfeld: Vom Roten Kreuz vorgeschriebener Preis 10 Pfg. Nicht gelaufen.


 

Bild im Schmuckrahmen mit Eichenlaub, Eisernem Kreuz, DoppeIadler. Im Bild signiert: R. Assmann. Monogramm: AG. Vereinssignet. Verso: Postkarte. Verlag des Vereins "Südmark" (Gegründet 1889) Graz, Joanneum-Ring 11. Th. Körner. Aus Leyer und Schwert: Schwertlied. Karte Nr. 175 von R. Aßmann. 02/12/11. Gelaufen. Datiert u. Poststempel 1914. – Richard Assmann (Troppau 1887 - 1965 Fürstenhagen / Hessen), Maler, Illustrator und Plakatkünstler. Gründete 1919 in Troppau ein Atelier für Reklame. (Ries) – Text auf Vorderseite (Aus dem "Schwertlied" von Körner):

Nun laßt das Liebchen singen,
Daß helle Funken sprühen!
Der Hochzeitmorgen graut. -
Hurra, du Eisenbraut! - Hurra!
 

 




3. "Entsetzliche Verse!"
Heine: Der Tambourmajor

 

Heinrich Heine:Der Tambourmajor(Neue Gedichte, 1844)

Das ist der alte Tambourmajor,
Wie ist er jetzt herunter!
Zur Kaiserzeit stand er in Flor,
Da war er glücklich und munter.
  
Er balancierte den großen Stock,
Mit lachendem Gesichte;
Die silbernen Tressen auf seinem Rock,
Die glänzten im Sonnenlichte.
  
Wenn er mit Trommelwirbelschall
Einzog in Städten und Städtchen,
Da schlug das Herz im Widerhall
Den Weibern und den Mädchen.
  
Er kam und sah und siegte leicht
Wohl über alle Schönen;
Sein schwarzer Schnurrbart wurde feucht
Von deutschen Frauentränen.
  
Wir mußten es dulden! In jedem Land,
Wo die fremden Eroberer kamen,
Der Kaiser die Herren überwand,
Der Tambourmajor die Damen.
  
Wir haben lange getragen das Leid,
Geduldig wie deutsche Eichen,
Bis endlich die hohe Obrigkeit
Uns gab das Befreiungszeichen.
  
Wie in der Kampfbahn der Auerochs
Erhuben wir unsere Hörner,
Entledigten uns des fränkischen Jochs
Und sangen die Lieder von Körner.
  
Entsetzliche Verse! sie klangen ins Ohr
Gar schauderhaft den Tyrannen!
Der Kaiser und der Tambourmajor,
Sie flohen erschrocken von dannen.
  
Sie ernteten beide den Sündenlohn
Und nahmen ein schlechtes Ende.
Es fiel der Kaiser Napoleon
Den Briten in die Hände.
  
Wohl auf der Insel Sankt Helena,
Sie marterten ihn gar schändlich;
Am Magenkrebse starb er da
Nach langen Leiden endlich.
  
Der Tambourmajor, er ward entsetzt
Gleichfalls von seiner Stelle.
Um nicht zu verhungern, dient er jetzt
Als Hausknecht in unserm Hotele.
  
Er heizt den Ofen, er fegt den Topf,
Muss Holz und Wasser schleppen.
Mit seinem wackelnd greisen Kopf
Keucht er herauf die Treppen.
  
Wenn mich der Fritz besucht, so kann
Er nicht den Spaß sich versagen,
Den drollig schlotternd langen Mann
Zu nergeln und zu plagen.
  
"Laß ab mit Spöttelei'n, o Fritz!
Es ziemt Germanias Söhnen
Wohl nimmermehr, mit schlechtem Witz
Gefallene Größe zu höhnen.
  
Du solltest mit Pietät, mich deucht,
Behandeln solche Leute;
Der Alte ist dein Vater vielleicht
Von mütterlicher Seite."
 

 




4. "Ein wahrer Dichter ist ein wahrer Held."
Kurzbiographie Körners mit einem Gedicht von Franz Theremin

Karl Theodor Körner, Dichter, geboren 23. September 1791 in Dresden, gestorben 26. August 1813 bei Gadebusch in der Nähe von Schwerin, wuchs in einer Umgebung auf, die einer gedeihlichen geistigen Entwickelung sehr günstig war, besuchte 1808-10 die Bergakademie in Freiberg und ging sodann nach Leipzig, um die Rechte zu studieren. Dort wurde er 1811 wegen Teilnahme an studentischen Streithändeln relegiert und wandte sich nach Berlin, wo er das Studium der Rechte mit dem der Geschichte und Philosophie vertauschte. Bald schwer erkrankt, besuchte er im Sommer 1811 Karlsbad und ging hierauf im August nach Wien, wo er sich 1812 mit der Schauspielerin Antonie Adamberger verlobte und im Januar 1813 eine Anstellung als Hoftheaterdichter erhielt.

Schon in Leipzig war er mit einer Sammlung seiner Gedichte unter dem Titel "Knospen" (1810) hervorgetreten; es folgten nun 1811-13 in rascher Folge Operntexte und dramatische Dichtungen, wie: "Die Braut", "Der grüne Domino", "Der Nachtwächter", "Toni" (eine verwässerte Dramatisierung von Kleists Erzählung "Die Verlobung in St. Domingo"), "Die Sühne", "Zriny", "Hedwig", in denen sich neben der weitgehenden Abhängigkeit von Schiller auch der Einfluß Kotzebues stark geltend macht.

Als Preußen zum Kampfe gegen Napoleon ausrief, trat Körner 19. März 1813 in Breslau unter die Lützowsche Freischar und wurde bald zum Leutnant befördert. Als Lützows Adjutant 17. Juni 1813 beim Überfall bei Kitzen schwer verwundet, rettete sich Körner unter Freundeshilfe nach Leipzig, von da nach Karlsbad, fand hier Genesung und kehrte bald zu den Waffenbrüdern zurück. Nach Ablauf des Waffenstillstandes (17. August) erhielt das Lützowsche Freikorps den Vorpostendienst und war seitdem fast täglich im Kampfe. Körner, der zwei Tage zuvor seinen Schwanengesang, das "Schwertlied", gedichtet hatte, fiel 26. August in dem sich an der Straße von Gadebusch nach Schwerin entspinnenden Gefecht und wurde bei dem Dorfe Wöbbelin unter einer alten Eiche bestattet. Der Herzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin schenkte den die Eiche umgebenden Platz Körners Vater, und jetzt ist die Grabstätte umfriedigt und durch ein gußeisernes Denkmal bezeichnet, unter dem auch Körners einzige Schwester Emma (geboren 1788), die im März 1815 dem Gram über des Bruders Verlust erlag, sowie sein Vater (1831), seine Tante Dora Stock (1832) und seine Mutter (1843) ruhen.

Als Dichter erwarb sich Körner durch den idealen, todverachtenden Geist seiner Lieder in "Leier und Schwert" (Berlin 1814 u. ö.) unvergänglichen Ruhm.

Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. 1905-1909 (Digitale Bibliothek; 100) Berlin: Directmedia 2003, S. 107.287-107.291. Redigiert, gekürzt und Abschnitte eingefügt.


Franz Theremin:Theodor Körner

Verstummt ist deine kriegerische Leyer;
In seiner Scheide ruht dein tapfres Schwert.
Doch schau herab, du Vaterlandsbefreier;
Befreit ist Deutschland, wie dein Wunsch begehrt.
  
Triumphgesang sey deine Todtenfeier!
Und diese Gluthen, die dein Herz verzehrt,
Sie rollen fort, ein Strom von lichtem Feuer,
in deinem Liede, welches ewig währt.
  
Und, tritt aus seiner Phantasie Bezirken
Hinaus der Dichter ins lebend'ge Wirken,
So lehr' dein Beispiel der ungläub'gen Welt:
  
Wer mit Begeist'rung schlug die goldnen Saiten,
Kann muthig auch den Kampf des Lebens streiten;
Ein wahrer Dichter ist ein wahrer Held.
 

Theodor Körners sämmtliche Werke. Vierter Band. Carlsruhe, im Bureau der deutschen Classiker 1823, S. 65.


Theremin, Franz, protestantischer Kanzelredner, geboren 19. März 1780 in Gramzow (Ukermark), gestorben 26. Sept. 1846 in Berlin. Er wurde 1810 zum Prediger der französischen Gemeinde in Berlin, 1814 zum Hof- und Domprediger und 1824 zum Oberkonsistorialrat und vortragenden Rat im Ministerium des Kultus, 1834 zum Wirklichen Oberkonsistorialrat ernannt und bekleidete seit 1839 zugleich eine Professur an der Berliner Universität. 

(Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. 1905-1909 (Digitale Bibliothek; 100) Berlin: Directmedia 2003, S. 196.176)




5. Das Lützowsche Freikorps

Adolf von Lützow (1782-1834) Freischarenführer. Signet A 7006. Verso: F. A. Ackermann's Kunstverlag, München, Serie 701: Deutsche Männer (12 histor. Portraits). Nicht gelaufen.

Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow, geboren den 18. Mai 1782 in der Mittelmark, trat früh in preußische Dienste, wurde Offizier in einem Kürassierregiment und machte die Feldzüge 1792-94 und 1806-7 mit. Er war bei dem 1813 ausbrechenden Kriege Major und errichtete seit Februar, mit königlicher Erlaubniß, das Lützowsche Freicorps, welches sich in Zopten und Rogau in Schlesien bildete und Ende März bereits 900 Mann Fußvolk und 260 Mann Reiter stark war. Das Corps sollte sich selbst uniformiren und bewaffnen, der Staat es besolden. Uniform: eine schwarze Litewke, mit schwarzem Kragen und Aufschlägen, roth vorgestoßen, gelben Knöpfen, Czackos und schwarzem Lederzeug. Die Cavallerie trug messingene Achselstücke mit halben Monden von gelbem Blech.

Das Corps zog im April nach Sachsen, cantonirte in Leipzig, verstärkte sich hier und in Halle bis zu 1200 Mann Infanterie (1 Bataillon, 2 Jägerdetachements und 1 Abtheilung tyroler Schützen von 50 Mann und 400 Mann zum Stamm eines 2. Bataillons) und 400 Pferde (4 Schwadronen und 1 Abtheilung Kosaken), zog nun über Dessau und am rechten Elbufer bis Dömitz, suchte auf das linke Ufer der Elbe zurückzugehen und sich in den Harz, den Schwalenberger, Lippischen und Solinger Wald zu werfen, mit der Cavallerie aber die Verbindung zu unterhalten, indessen zog es sich nach einem Gefecht in der Göhrde (12. Mai) wieder zurück. Die Infanterie war inzwischen auf 2000 Mann gewachsen. Lützow machte aber mit der Cavallerie am linken Elbufer, von Tangermünde aus, über Eisleben, Neustadt an der Orla und Plauen einen Streifzug nach dem Bayreuthischen, durchschnitt die feindlichen Militärstraßen, hob Couriere und Transporte auf, machte Scheinüberfälle auf Magdeburg und Hof, erfuhr hier am 4. Juli den Abschluß des Waffenstillstandes und wollte über Gera und Dessau zurückgehen: als die Cavallerie vom General Fournier und dem württembergischen General Normann am 18. Juni Abends bei Kitzen unweit Zeitz angegriffen, gefangen und zersprengt wurde. Lützow für seine Person entkam. Auch die Infanterie war unter Woronzow mit dessen Corps von Havelberg aufgebrochen und hatte, vor Leipzig am 2. Juni ankommend, den Herzog von Padua in große Verlegenheit gesetzt.

Das Corps sammelte sich nun in der Gegend von Nauen und reorganisirte sich, so daß es nun aus 2800 Mann Infanterie, welche in 3 Bataillone, aus 480 Pferden, die in 2 Husaren- und 2 Uhlanenescadrons und 1 Jägerdetachement getheilt waren, und aus 1 Compagnie Artillerie und 1 Depot von 500 Mann und 50 Pferden bestand und nunmehr als 2 reguläre Infanteriebataillons und 1 Cavallerieregiment wirkte. Dem Namen nach stand es unter dem dritten preußischen Armeecorps (Bülow), in der That aber unter Tettenborn. Mit diesem zog es nun gegen die Niederelbe und focht bei Lauenburg (17. August) und bei Vellahn (21. August). Ende August ging Lützow mit 200 Pferden gegen Schwerin vor, überfiel bei Rosenhagen einen feindlichen Transport (wobei Körner blieb) und kehrte nach der Stecknitz zurück, wo es die Vorposten bezog. 500 Mann Infanterie und 500 Pferde wurden Anfangs September unter Lützow selbst nach der Göhrde detachirt, wo sie unter Wallmoden rühmlich kämpften und mehre Streifzüge nach Lüneburg, Verden, Nienburg, Minden etc. ausführten und Mitte October an der Blockade und Einnahme Bremens Theil nahmen; der andere Theil hatte, stets auf Vorposten stehend, im September und October lebhafte Gefechte bei Boitzenburg, Zarenthin, beim Weißen Hirsch und Honsdorf, bis sich das Corps Anfangs November bei Zelle und Bremen wieder concentrirte, dort ansehnlichen Zuwachs erhielt und eben nach den Niederlanden aufbrechen wollte: als dasselbe der Kronprinz von Schweden auf seinem Marsch gegen Hamburg fand, es zu seiner Avantgarde machte und bis Ende December die Vorposten gegen die Stecknitz und dann gegen Hamburg beziehen ließ. Es kam hier den 1. December unter den General Woronzow.

Gegen Weihnachten brach Lützow mit den zwei Schwadronen nach Frankreich auf, während die Infanterie und übrige Cavallerie einen Streifzug nach Holstein machte und Friedrichsstadt und Glücksstadt bezwingen half. Nach dem Frieden mit Dänemark brach das Corps nach dem Rhein auf, welchen er den 16. Februar bei Köln überschritt, und dann Jülich mit berennte. Eben aufgelöst und im Begriff nach der großen Armee zu marschiren, erhielt es zu Vervins die Nachricht von dem Frieden. Lützow war unterdessen über Bonn, Lüttich und die Ardennen am 12. Februar bei der Schlesischen Armee zu Chalons eingetroffen und bildete nun ein Streifcorps auf der rechten Flanke derselben. Eben hatte er dem General St. Priest am 12. März zu Rheims wichtige Befehle gebracht, als er am 15. bei dem Rückmarsch von dem aufgebotenen französischen Landsturm überfallen wurde. Nach großem Verlust erreichten beide Schwadronen, mitten durch insurgirte Gegenden, in der Gegend von Rheims die russischen Truppen wieder, doch wurde Lützow abermals hierbei verwundet und sein Adjutant Friesen getödtet. Später wurde die Cavallerie zur Einschließung von Soissons verwendet, wo sie bis zur Einnahme von Paris blieb.

Nach dem Frieden von Paris bezog das Lützowsche Freicorps Cantonnirungen um Bocholt und Kleve. Durch Entlassung schmolz die Infanterie bis auf 1350, die Cavallerie auf 500 Mann, die Artillerie wurde als reitende Batterie der schlesischen Artilleriebrigade einverleibt. Nach Napoleons Rückkehr von Elba rückte das Corps wieder nach der Maas vor und wurde hier, in der Gegend von Dinant, die Infanterie in das 25. Infanterieregiment, die Cavallerie in das 6. Uhlanenregiment umgeformt, letztere gab die erste Escadron zur Bildung des neunten Husarenregiments ab.

Lützow wurde nach den Feldzügen von 1814 Obristlieutenant, er blieb Commandeur des 6. Uhlanenregiments, jedoch befehligte er 1815 eine Cavalleriebrigade des ersten Armeecorps und wurde bei Ligny gefangen. Er wurde nach dem Kriege Oberst und trat als Commandeur seines Regiments wieder ein. 1816 erhielt er das Commando der Cavalleriebrigade in Münster, wurde 1822 General, um 1833 zur Disposition gestellt und starb in der Nacht vom 5. zum 6. December 1834 in Berlin.

Pierer's Universal-Lexikon. 4. Aufl. 1857-1865. DVD-ROM-Ausgabe. Neusatz und Faksimile (Digitale Bibliothek; 115) Berlin: Directmedia 2005, S. 133.772-133.777. Redigiert, Absätze eingefügt.


6. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

Alle Vorlagen entstammen der Sammlung historischer und politischer Bildpostkarten von Karl Stehle, München. Die private Nutzung und die nichtkommerzielle Nutzung zu bildenden, künstlerischen, kulturellen und wissenschaftlichen Zwecken ist gestattet, sofern Quelle (Goethezeitportal) und URL (http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3816) angegeben werden.

Die kommerzielle Nutzung oder die Nutzung im Zusammenhang kommerzieller Zwecke (z.B. zur Illustration oder Werbung) ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung gestattet. 

Karl Stehle, aus dessen Sammlung die hier wiedergegebenen Postkarten stammen, ist am 14. Juni 2013 verstorben. Seine Sammlung wurde in einem Katalog erfasst und vom Auktionshaus Gärtner in Bietigheim-Bissingen am 18. Oktober 2013 versteigert.

Rechteinhaber konnte das Goethezeitportal nicht ermitteln, ggf. bitten wir höflichst um Nachricht an folgende Kontaktadresse:

Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche PhilologieSchellingstr. 3
80799 München 

E-Mail: georg.jaeger07@googlemail.com

 


 

zurück zum Anfang

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit