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Jutta Assel | Georg Jäger

Sagen-Motive auf Postkarten

Die Roßtrappe

Stand: August 2014

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Oben, links: Ohne Titel. Verso: Die Sage von der Roßtrappe. Text, wie unten. Signet: Chrom Iris. Louis Glaser, Leipzig. 6049. Stempel: Post-Briefkasten Hotel Roßtrappe Thale a. Harz. Gelaufen. Datiert 1938. Poststempel unleserlich.
Oben, rechts: Ohne Titel. Verso: Die Sage von der Rosstrappe. Text wie unten. Signet. R. Lederbogen, Halberstadt. 336. Postkarte. Nicht gelaufen.

Die Sage auf der Rückseite der Karten

Als noch Hünen den Harz bewohnten, kam aus Böhmen der König Bodo. Er warb um die Hand der Tochter des Riesenfürsten. Prinzessin Brunhildis, welche den wilden Riesen abwies, entfloh auf ihrem feurigen Roß, verfolgt von Bodo. Auf der Höhe des Berges, wo Hexen ihre nächtlichen Tänze vollführen, bäumte plötzlich das Pferd vor grausigem Abgrund. Doch die Prinzessin wagte in Verzweiflung den Sprung und kam glücklich auf dem gegenüberliegenden Felsen an. Der Hufschlag des Pferdes ließ einen Eindruck im Felsen zurück, der heute noch deutlich zu sehen ist. Der Felsen aber ist die "Roßtrappe" genannt. Die goldene Krone der Prinzessin ist bei dem Sprunge in den unten fließenden Bergstrom gefallen, wo sie von Nixen aufgefangen wurde. Bodo wagte in blinder Wut ebenfalls den Sprung, stürzte aber mit seinem Pferde in den Bergstrom, der dann die "Bode" genannt wurde.

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Die Sage von der Rosstrappe, Verlag R. Lederbogen, HalberstadtDie Sage von der Rosstrappe, Verlag R. Lederbogen, Halberstadt

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Brunhild, die liebliche Tochter des Thüringerkönigs, ward umworben von Bodo, dem wilden Sohne des Böhmerkönigs. Sie aber verabscheute ihn. Am Hochzeitstage entfloh sie heimlich auf ihrem weissen Rosse, geschmückt mit Brautschleier und Krone. In rasender Wut verfolgte sie Bodo. Die wilde Jagd gelangte in den Harz. Da bäumte sich plötzlich Brunhildens Ross, vor ihm gähnte der Abgrund des Bodetals. In wahnsinniger Angst zwang Brunhilde das edle Ross zu dem grässlichen Sprunge, lästerlich fluchend sprang nach Ritter Bodo. Dieser stürzte in die Tiefe, während Brunhilde glücklich hinüber gelangte. Der Hufschlag des Pferdes grub sich tief in den Felsen, dieser wurde die Rosstrappe und der Bergstrom die Bode genannt. Brunhildens Krone fiel in den Bodekessel, wo sie noch heute liegt, wer sie holen will, muss sein Leben lassen.

Linkes Bild: Ohne Titel. Verso: Die Sage von der Roßtrappe. Text wie oben. Signet. R. Lederbogen, Halberstadt, Nr. 505. Gelaufen. Datiert 1935. Poststempel unleserlich.
Rechtes Bild: Ohne Titel. Verso: Die Sage von der Roßtrappe. Text wie oben. Signet. R. Lederbogen, Halberstadt. Nicht gelaufen. - Dieselbe Karte auch in Schwarzdruck.

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Heinrich Laube

     Vom hohen Gebirge die Bode fließt,
     Wohl lieblich anzuschauen,
     Wo sie oft schäumend sich ergießt
     Durch tiefer Täler Grauen;
Doch wilder sie nimmer der Wanderer sieht,
Als wo sie dem ragenden Harze entflieht.

     Dort türmen sich schrecklich zum Himmel auf
     Der rauhen Felsen Massen,
     Sie hemmen den Fluss in seinem Lauf
     Und wollen ihn nicht lassen.
Er lässt sich nicht halten, reißt Felsen ein
Und stürmet gewaltig von Stein zu Stein.

     Vor allen Felsen des Ufers hebt
     Sich einer in die Lüfte:
     Auf seiner Stirn der Wandrer bebt,
     Er schaut in tiefe Grüfte;
Das ist der Rosstrapp. Weit ist er bekannt,
Weit schallt eine Wundermär durch das Land.

     Vor Zeiten im Riesengebirge haust'
     Vom Riesenvolk ein König,
     Er lebt in der Burg, vom Sturm umsaust,
     Und kümmerte sich wenig
Um sein liebreizendes Töchterlein,
Das jagen ritt in den Wald allein.

     Der grimmige Riese Bodo vernahm,
     Dass die Prinzessin jagte,
     Auf einem rüstigen Zelter er kam,
     So bald der Morgen tagte:
Hier war er nicht grimmig, hier war er so hold,
Er fleht um Erbarmen und Minnesold;

     Doch da die Prinzessin ihn von sich stieß,
     Verhärtet seinem Flehen,
     Entbrannte Bodo in Grimm und ließ
     Sich nun als Riese sehen:
Er fasste das Mädchen mit mächtiger Hand,
Sie mit sich zu führen ins eigene Land.

     Umsonst die Prinzessin bat und fleht
     Um Schonung und Erbarmen;
     Das Flehn nur seine Begier erhöht.
     Wie soll sie seinen Armen
Entfliehn? Sie fasst Mut, gibt dem Rosse den Sporn
Und rettet sich sprengend durch Haide und Dorn.

     Sie jagt. Indem sie nur vorwärts blickt,
     Hört sie nicht Bodo's Rufen:
     Ihr Ross wie Halme die Tannen zerknickt
     Mit seinen mächtigen Hufen.
Es trägt sie im Hui durchs böhmische Land
Durch Wälder und Ströme und Fluren und Sand.

     Und Bodo im schnellen, gestreckten Lauf,
     Daher, ohn' abzulassen,
     Bald ist ihm das Mädchen um Meilen vorauf,
     Bald glaubt er sie zu fassen.
In jedem Nu eine Meile entwich,
Schon jagen die Reuter in Thüringen sich.

     An eines schroffen Felsentals Rand
     Erblickt sie sich mit Grausen,
     Am Abgrund bebend ihr Renner stand;
     Er scheut sich vor dem Brausen
Des Waldstroms, der mit mächtiger Kraft
Sich aus dem Gebirge den Ausgang schafft.

     Da sinkt der armen Prinzessin der Mut,
     Sie kann nicht Rettung glauben,
     Da hört sie schon nahe des Bodo Wut
     Und seines Rosses Schnauben:
Da fasst sie entsetzliche Angst, sie sprang
Vom Felsenrand ab, und sieh - es gelang!

     Hinüber zum felsigen Ufer schwang
     Das Ross sich durch die Lüfte,
     Es dröhnte des mächtigen Sprunges Klang
     Weit durch der Berge Klüfte.
Es sprühten die Felsen, tief drückte sich ein
Die Trappe des Rosses im festen Gestein.

     Und Bodo, der wilder Begier entbrannt,
     Vermag sich nicht zu halten,
     Er setzt mit Macht von des Ufers Rand
     Und lässt das Schicksal walten.
Die Wellen der Bode wurden sein Grab,
Den Wellen der Bode den Namen er gab.

Die Legende setzt hinzu, dass die Prinzess, auf dem entgegenstehenden Felsen angelangt, vom Rosse gestiegen und vor Freuden gehüpft und gesprungen habe.

Quelle:
C[hristian] W[ilhelm] Spieker: Der Harz. Seine Geschichte, Ruinen und Sagen. Zwei Reisen in den Jahren 1800 und 1850. Berlin, Gebauersche Buchhandlung (J. Petsch) 1852 (Digitalisierung durch Google), S. 75-77. - Zu Heinrich Laube (1806-1884) siehe den Eintrag in Wikipedia.

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Rosstrappensprung, Bodetal, R. Lederbogen, Karl-Marx-Stadt

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Oberes Bild: Brunhilde-Sprung. Rosstrappe, Thale i. H. Verso: Stempel: Rosstrappen-Felsen. Nicht gelaufen. | Unteres Bild: Bodetal - Rosstrappensprung. Verso: R. Lederbogen, Karl-Marx-Stadt, III/18/117. Rechts unten: A 142/55. Nicht gelaufen.

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Von den zahlreichen Varianten der weit verbreiteten Sage geben wir nur zwei Beispiele wieder, die der Fassung auf den Postkarten nahe stehen:

Jacob und Wilhelm Grimm
Der Roßtrapp und der Kreetpfuhl
(Auszug)

Vor tausend und mehr Jahren, ehe noch die Raubritter die Hoymburg, Leuenburg, Steckelnburg und Winzenburg erbauten, war das Land rings um den Harz von Riesen bewohnt, die Heiden und Zauberer waren, Raub, Mord und Gewalttat übten. Sechzigjährige Eichen rissen sie samt den Wurzeln aus und fochten damit. Was sich entgegenstellte, wurde mit Keulen niedergeschlagen und die Weiber in Gefangenschaft fortgeschleppt, wo sie Tag und Nacht dienen mußten.
      In dem Boheimer Walde hauste dazumal ein Riese, Bodo genannt. Alles war ihm untertan, nur Emma, die Königstochter vom Riesengebirge, die konnte er nicht zu seiner Liebe zwingen. Stärke noch List halfen ihm nichts, denn sie stand mit einem mächtigen Geiste im Bund.
      Einst aber ersah sie Bodo jagend auf der Schneekoppe und sattelte sogleich seinen Zelter, der meilenlange Fluren im Augenblick übersprang; er schwur, Emma zu fahen oder zu sterben. Fast hätt er sie erreicht, als sie ihn aber zwei Meilen weit von sich erblickte und an den Torflügeln eines zerstörten Städtleins, welche er im Schild führte, erkannte, da schwenkte sie schnell das Roß. Und von ihren Spornen getrieben, flog es über Berge, Klippen und Wälder durch Thüringen in die Gebirge des Harzes. Oft hörte sie einige Meilen hinter sich das schnaubende Roß Bodos und jagte dann den nimmermüden Zelter zu neuen Sprüngen auf. Jetzt stand ihr Roß verschnaufend auf dem furchtbaren Fels, der Teufels Tanzplatz heißt. Angstvoll blickte Emma in die Tiefe, denn mehr als tausend Fuß ging senkrecht die Felsenmauer herab zum Abgrund. Tief rauschte der Strom unten und kreiste in furchtbaren Wirbeln. Der entgegenstehende Fels schien noch entfernter und kaum Raum zu haben für einen Vorderfuß des Rosses. Von neuem hörte sie Bodos Roß schnauben, in der Angst rief sie die Geister ihrer Väter zu Hilfe, und ohne Besinnung drückte sie ihrem Zelter die ellenlangen Spornen in die Seite. Und das Roß sprang über den Abgrund glücklich auf die spitze Klippe und schlug seinen Huf vier Fuß tief in das harte Gestein, daß die Funken stoben. Das ist jener Roßtrapp. Die Zeit hat die Vertiefung kleiner gemacht, aber kein Regen kann sie ganz verwischen.
      Emma war gerettet, aber die zentnerschwere goldene Königskrone fiel während des Sprungs von ihrem Haupt in die Tiefe. Bodo, in blinder Hitze nachsetzend, stürzte in den Strudel und gab dem Fluß den Namen. (Die Bode ergießt sich mit der Emme und Saale in die Elbe.) Hier als schwarzer Hund bewacht er die goldene Krone der Riesentochter, daß kein Gelddurstiger sie heraushole.

Brüder Grimm, Deutsche Sagen, Nr. 319: Der Roßtrapp und der Kreetpfuhl. Auszug, Absätze eingefügt. Online im Projekt Gutenberg.DE. – Digital auf CD-ROM: Deutsche Märchen und Sagen. Hg. Von Hans-Jörg Uther (Digitale Bibliothek; 80) Berlin: Directmedia Publishing, S. 26523-25.

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Rosstrappe, Notgeld Thale
Rosstrappe, Notgeld Thale

Notgeld von Thale

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Gutschein von Thale-Harz. 10 Pfennig. 1921. Auf der oben wiedergegebenen Seite die Sage von der Rosstrappe mit dem Brunhilde-Sprung im Mittelbild, auf der linken Seite Hexe mit Stock und Katze, Rabe auf der Schulter, im unteren Feld Abdruck des Hufes, auf der rechten Seite ein gehörnter Teufel mit Gabel, vor dem ein Zwerg steht, und im unteren Feld ein gehörnter Teufelskopf. Auf der unten abgebildeten Seite hat das Bild die Umschrift: In Thale ist oft der Teufel los, der Fremde fragt: Wie kommt das blos. Im Bild signiert.

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Karl Rudolf Hagenbach
Die Rosstrappe

Hurrah! hurrah! in vollem Trab,
Tal aus, Tal ein, Berg auf, Berg ab
Und Felsen nieder, Klippen an,
Durch Sumpf und Moor und Dornenbahn!
Wohin muss es so eilig sein,
Du schönes Königstöchterlein?

Und hinter ihr der Buhle her,
Er jagt das Ross, er schwingt den Speer;
Sie flieht vor seiner Tigerwut -
Und ängstlich wallt ihr junges Blut!
Schon hört sie seinen Huf nicht mehr,
Des freuet sich ihr Herz so sehr.

Doch horch, was klingt und klirret dort,
Auf, weilst du länger? auf und fort!
Um Gotteswillen, ach, wo aus?
Nur Schlucht und Schlund, und Grab und Graus -
Verloren, wenn du scheu verzagst,
Gerettet, wenn den Sprung zu wagst!

Der Rappe stutzt, der Rappe schäumt,
Wie er sich duckt, wie er sich bäumt!
Doch von des Spornes Dorn gejagt,
Den kühnen Sprung er mutig wagt -
Und drüben hackt am Felsenstein
Sich seines Hufes Siegel ein.

Und freudig dankt sie ihrem Gott,
Und lacht dem Feind mit bitterm Spott,
Doch ach!, wer hat die Kron' geraubt,
Sie fiel, sie fiel vom schönen Haupt,
Fahr' hin, o Kron', fahr' immer hin,
Gottlob, dass ich gerettet bin!

Der Buhle fluchend hintennach,
Ein Weib mir spotten! Schimpf und Schmach!
Was sie gewagt mit Zuversicht,
Des scheut, bei Gott! ein Degen nicht.
Hurrah! mein Hektor! frisch und keck,
Flink über Kluft und Graben weg.

Der Rappe stutzt, der Rappe schäumt,
Wie er sich duckt, wie er sich bäumt!
Doch von des Spornes Dorn gejagt,
Den kühnen Sprung er mutig wagt.
Doch weh! er nahm den Sprung zu klein -
Und Ross und Mann ins Grab hinein!

So geht es mit dem kecken Sinn,
Dem Guten frommt er immerhin,
Geht auch verloren Schmuck und Kron',
Ein gut Gewissen bleibt sein Lohn;
Doch wo des Bösen Muth sich regt,
Sind ihm die Schlingen schon gelegt.

K[arl] R[udolf] Hagenbach (1801-1874): Gedichte. II. Bändchen. Basel, Schweighauser'sche Buchhandlung 1846, S. 86-88. (Digitalisierung durch Google)

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Die Roßtrappe - humoristisch

Original-Gedicht mit Benützung eines bereits vorhandenen Stoffes
nach einer englischen Idee frei nach dem Französischen von Schultze

In's Riesengebürge war einmal
Vom Riesenvolk ein König
Der saß fortwährend beim Mittagsmahl
Und kümmerte sich wenig
Um seine Tochter, die gern allein
Spazieren ging, - was nicht zu verzeih'n -
Denn man kann ja jar nich wissen!

Als nun der Riese Bodo vernahm
Dies einsame Spazieren,
Uf seinen Schimmel gejagt er kam,
Lowiesken zu verführen!
Doch die Prinzessin sprach gleich: Was!?
Ich bitte sehr, - lassen Sie jefälligst das,
Denn man kann ja jar nich wissen!

Allein umsonst ist Bitten und Fleh'n
Um Schonung und Erbarmen;
Er fand sie selbst in der Hitze schön
Und ließ sie nicht aus den Armen.
Da sprach sie: Donner und Wetter noch mal!
Lassen Sie mich los oder ich mache Scandal -
Denn man kann ja jar nich wissen!

Doch Bodo denkt: Solch eine Perl'
Die will ich mir schon fassen!
Denn Bodo war ein strammer Kerl,
Das muss der Neid ihm lassen.
Du kommst - sprach er - auf mein Schloss mit mir,
Denn ich finde es durchaus nich propper hier,
Und man kann ja auch jar nich wissen!

Doch wie er sie uf det Pferd will ziehn,
Jiebt sie ihm eine Dattel,
Knallschote nennt man das in Berlin,
Und wirft ihm aus den Sattel -
Und schwingt sich auf den Schimmel rauf -
Und vorwärts jeht's im raschen Lauf, -
Denn man kann ja jar nich wissen!

Doch Riese Bodo besinnt sich nicht sehr
Und rasch hinter die Schöne
Looft im Jalopp er hinterher
Mit seine langen Beene.
Indes - sie zoddelt ooch nich schlecht
Den ollen Schimmel - und des war recht!
Denn man kann ja jar nich wissen!

So jagte sie bergauf, bergab,
Die reizende Louise,
Durch Tal und Wald im tollen Trabb
Und hintendrein der Riese.
Er war schon am janzen Leib erhitzt,
Ob die Prinzessin ooch jeschwitzt,
Des kann die Sage nich wissen!

So ging es durch das Böhmerland,
Umsonst ist Bodo's Rufen!
Fort jagt das Ross durch Feld und Sand
Bis endlich mit den Hufen
Es hier uf diesen Felsen stund
Und schaudernd blickt in den tiefen Jrund, -
Denn man kann ja jar nich wissen!

Da sinkt der armen Lowiesken der Mut,
Denn Hülfe is nich zu erwarten,
Schon hört sie Bodo's schnaubende Wut,
Und andre Redensarten!
Denn Bodo denkt: springt run der Gaul,
So is die Jeschichte oberfaul -
Des kann ich nu jetzt schonst wissen!

Lowisken daher an den Zügel riss -
Da schwingt sich das Ross durch die Lüfte,
Und man soll nicht sagen, wat 'ne Sache is,
Es setzt rüber über die Bergesklüfte!
Verloren is der Reitrin Spur,
Man sieht uf den Stein blos die Trappe nur,
Die das Ross jemacht mit den Füßen.

Herr Bodo aber entsetzlich lacht,
Blickt schaudernd zu der Erden.
Und denkt: Was nicht kann werden gemacht,
Des kann gemacht nich werden
!
Ich hätt' allerdings ihr jern 'mal jeküsst,
Doch wer weeß, wozu es so ooch jut ist:
Denn man kann ja jar nich wissen!

Nach der allgemeinen Sage soll sich der Riese Bodo vor Wut in den Fluss jeschmissen haben und versoffen sind, daher auch der Name "Bodefluss." Alleene aberst ich denke, man muss nich Allens nacherzählen, wat de Leute sagen.

Quelle:
Schultze und Müller im Harz. Humoristische Reisebilder. Mit 30 Illustrationen von W[ilhelm] Scholz. 5. Aufl. Berlin, A. Hofmann & Comp. 1866 (Digitalisierung durch Google), S. 85-87. Bearbeitete Neuauflage von der Originalausgabe der fünften Auflage 1866 hrsg. von Bernd Sternal u. Ulrich Herrmann. Verlag by Sternal Media Gernrode 2010. ISBN 978-3-8391-4902-7. Hier S. 107-109. - Wilhelm Scholz (1824-1893), Zeichner, Karikaturist und Humorist, Reiseschriftsteller. Ab 1848 Zeichner des "Kladderadatsch".

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Eingang in das Bodetal
Hexentanzplatz und Rosstrappe

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Eingang in das Bodetal. Hexentanzplatz u. Rosstrappe. Verso: Signet. R. Lederbogen, Halberstadt Nr. 501. Gelaufen. Poststempel 1916.

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Adalbert Kuhn | Wilhelm Schwartz
Die Roßtrappe
(Mündlich aus Thale)

Hoch auf der Roßtrappe über der Bode erblickt man die gewaltige Spur eines Roßhufs im Stein, den hat das Pferd der Prinzeßin Brunhilde eingedrückt, als sie, von einem Ritter verfolgt, vom Teufelstanzplatz auf diesen Felsen hinübersprang. Bei dem mächtigen Sprung aber ist ihre goldne Krone in den Bodekeßel, der Kresool [Teufelspfuhl] genannt, hinabgestürzt, und da liegt sie noch heute. In der Walpurgisnacht aber kommt sie hervor an die Oberfläche des Waßers, und schwimmt bis zum Morgen oben und jeder kann ihr gewaltiges Blinken sehn.

Adalbert Kuhn, Wilhelm Schwartz: Norddeutsche Sagen, Märchen und Gebräuche aus Meklenburg, Pommern, der Mark, Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Westfalen. Leipzig: Brockhaus, 1848, S. 169. Quelle: CD-ROM: Deutsche Märchen und Sagen. Hg. Von Hans-Jörg Uther (Digitale Bibliothek; 80) Berlin: Directmedia Publishing, S. 29301.).

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Hexentanzplatz

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Thale (Harz) Hexentanzplatz. Verso: Deteco-Verlag, Leipzig-St. u 40847. Nicht gelaufen.

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