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Jutta Assel | Georg Jäger

»Märchenmotive auf Postkarten«
Eine Dokumentation

Die sieben Schwaben.
Postkartenserie von Georg Mühlberg

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Stand: Februar 2015

  • Die sieben Schwaben. Illustriert von G[eor]g Mühlberg (Meisterwerke der Literatur) Serie 268. Uvachrom, A.G. für Farbenphotographie, Stuttgart. – Mäppchen mit 6 Karten, Serie 268, Nr. 4534-4539. Nicht gelaufen. Der Text auf der Rückseite ist den Bildern nachgestellt.

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Gliederung

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1. Postkarten mit Text

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Vor vielen Jahren kamen einmal sieben Schwaben zusammen, die miteinander in die Stadt gehen wollten: der Seehas, der Nestelschwab, der Gelbfüßler, der Knöpflesschwab, der Blitzschwab, der Spiegelschwab und der Allgäuer. Sie ließen sich einen algen starken Spieß machen und legten eine Rüstung an, um das Ungeheuer am Bodensee zu erlegen.

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Die sieben Schwaben waren schon weit gewandert. Da hörten sie über einem Gartenzaun ein furchtbares Brummen. Es war eine Hornisse. Gespannt horchten sie und berieten, ob am Ende dies der Seedrachen wäre. Da aber das Gesumme immer stärker wurde, kam sie große Angst an und sie warteten den Abend ab, um über den Zaun zu kommen.

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Als die Dämmerung hereinbrach, faßten die sieben Schwaben Mut und kletterten über den Zaun. Aber der erste, der hinübersprang, trat auf einen Rechen. Der Stiel schlug ihm hart auf die Nase. Da sahen sie, daß sie genarrt waren. Sie schwuren, keinem Menschen etwas davon zu erzählen.

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Plötzlich standen alle sieben Schwaben still, sperrten Mund und Ohren auf und lauschten. Vor ihnen saß ein leibhaftiger Hase, der ein Männchen machte. Sie berieten, wie sie dem Tiere beikommen sollten. Keiner wollte vorn an den Spieß kommen, weil sie glaubten, es sei der Seedrache. Der Allgäuer aber schrie aus Leibeskräften: "Hau, hau! voran!" und gab dem Spieß einen mächtigen Stoß. Da sprang der Hase davon. Sie aber waren stolz, das Ungeheuer verjagt zu haben.

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Auf ihrer Wanderschaft kamen die sieben Schwaben an einen Bach. Der Blitzschwab meinte aber, es sei die Landstraße und spang auf den Silberstreifen zu. Plumps! lag er im Wasser. Der Allgäuer aber hielt den Spieß fest, so konnte man den Blitzschwaben herausziehen. Die anderen schnappten nach Luft und versicherten, sie würden keinen Schritt weitergehen. Sie legten sich nieder und schliefen bis in den Tag hinein.

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Da faßten sie Mut, stülpten die Hosen hoch und stiegen im Gänsemarsch in den Bach. Dem ersten nahm es den Hut weg, darüber wurde ein Frosch am andern Ufer aufgeschreckt. Der quakte laut. Da glaubten die andern, der Blitzschwab habe gerufen. Sie wurden pudelnaß, kamen aber alle glücklich hinüber. Sie hielten ein Siegesmahl, weil sie das Seeungeheuer vertrieben hatten und gingen still nach Hause.

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2. Brüder Grimm: Die sieben Schwaben

Einmal waren sieben Schwaben beisammen, der erste war der Herr Schulz, der zweite der Jackli, der dritte der Marli, der vierte der Jergli, der fünfte der Michal, der sechste der Hans, der siebente der Veitli; die hatten alle siebene sich vorgenommen, die Welt zu durchziehen, Abenteuer zu suchen und große Taten zu vollbringen. Damit sie aber auch mit bewaffneter Hand und sicher gingen, sahen sie's für gut an, daß sie sich zwar nur einen einzigen, aber recht starken und langen Spieß machen ließen. Diesen Spieß faßten sie alle siebene zusammen an, vorn ging der kühnste und männlichste, das mußte der Herr Schulz sein, und dann folgten die andern nach der Reihe, und der Veitli war der letzte.

Nun geschah es, als sie im Heumonat eines Tags einen weiten Weg gegangen waren, auch noch ein gut Stück bis in das Dorf hatten, wo sie über Nacht bleiben mußten, daß in der Dämmerung auf einer Wiese ein großer Roßkäfer oder eine Hornisse nicht weit von ihnen hinter einer Staude vorbeiflog und feindlich brummelte. Der Herr Schulz erschrak, daß er fast den Spieß hätte fallen lassen und ihm der Angstschweiß am ganzen Leibe ausbrach. "Horcht, horcht", rief er seinen Gesellen, "Gott, ich höre eine Tromme1!" Der Jackli, der hinter ihm den Spieß hielt und dem ich weiß nicht was für ein Geruch in die Nase kam, sprach: "Etwas ist ohne Zweifel vorhanden, denn ich schmeck das Pulver und den Zündstrick." Bei diesen Worten hub der Herr Schulz an, die Flucht zu ergreifen, und sprang im Hui über einen Zaun, weil er aber gerade auf die Zinken eines Rechen sprang, der vom Heumachen da liegengeblieben war, so fuhr ihm der Stiel ins Gesicht und gab ihm einen ungewaschenen Schlag. "0 wei, 0 wei", schrie der Herr Schulz, "nimm mich gefangen, ich ergeb mich, ich ergeb mich!" Die andern sechs hüpften auch alle einer über den andern herzu und schrien: "Gibst du dich, so geb ich mich auch, gibst du dich, so geb ich mich auch." Endlich, wie kein Feind da war, der sie binden und fortführen wollte, merkten sie, daß sie betrogen waren; und damit die Geschichte nicht unter die Leute käme und sie nicht genarrt und gespottet würden, verschwuren sie sich, untereinander so lang davon stillzuschweigen, bis einer unverhofft das Maul auftäte.

    "Stoß zu in aller Schwabe Name,
    sonst wünsch i, daß ihr möcht erlahme."

Aber der Hans wußt ihn zu treffen und sprach:

    "Beim Element, du hascht gut schwätze,
    bischt stets der letscht beim Drachehetze."

Der Michal rief:

    "Es wird nit fehle um ei Haar,
    so ischt es wohl der Teufel gar."

Drauf kam an den Jergli die Reihe, der sprach:

    "Ischt er es nit, so ischt's sei Muter
    oder des Teufels Stiefbruder."

Der Marli hatte da einen guten Gedanken und sagte zum Veitli:

    "Gang, Veitli, gang, gang du voran,
    i will dahinte vor di stahn."

Der Veitli hörte aber nicht drauf, und der Jackli sagte:

    "Der Schulz, der muß der erschte sei,
    denn ihm gebührt die Ehr allei."

Da nahm sich der Herr Schulz ein Herz und sprach gravitätisch:

    "So zieht denn herzhaft in den Streit,
    hieran erkennt man tapfre Leut."

Da gingen sie insgesamt auf den Drachen los. Der Herr Schulz segnete sich und rief Gott um Beistand an; wie aber das alles nicht helfen wollte und er dem Feind immer näher kam, schrie er in großer Angst: "Hau! Hurlehau! Hau! Hauhau!" Davon erwachte der Has, erschrak und sprang eilig davon. Als ihn der Herr Schutz so feldflüchtig sah, da rief er voll Freude:

    "Potz, Veitli, lueg, lueg, was ischt das?
    das Ungehüer ischt a Has."

Der Schwabenbund suchte aber weiter Abenteuer und kam an die Mosel, ein mosiges, stilles und tiefes Wasser, darüber nicht viel Brücken sind, sondern man an mehrern Orten sich muß in Schiffen überfahren lassen. Weil die sieben Schwaben dessen unberichtet waren, riefen sie einem Mann, der jenseits des Wassers seine Arbeit vollbrachte, zu, wie man doch hinüberkommen könnte. Der Mann verstand wegen der Weite und wegen ihrer Sprache nicht, was sie wollten, und fragte auf sein Trierisch: "Wat? Wat?" Da meinte der Herr Schulz, er spräche nicht anders als: "Wade, wade durchs Wasser", und hub an, weil er der vorderste war, sich auf den Weg zu machen und in die Mosel hineinzugehen. Nicht lang, so versank er in den Schlamm und in die antreibenden tiefen Wellen, seinen Hut aber jagte der Wind hinüber an das jenseitige Ufer, und ein Frosch setzte sich dabei und quakte "wat, wat, wat". Die sechs andern hörten das drüben und sprachen: "Unser Gesell, der Herr Schulz, ruft uns, kann er hinüberwaden, warum wir nicht auch?" Sprangen darum eilig alle zusammen in das Wasser und ertranken, also daß ein Frosch ihrer sechse ums Leben brachte und niemand von dem Schwabenbund wieder nach Haus kam.

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3. Biographische Hinweise zu Georg Mühlberg

Georg Mühlberg, Maler, Zeichner und Illustrator, wurde 1863 in Nürnberg geboren und starb 1925 in München. Er illustrierte Märchen, Fabeln und andere Jugendbücher. (Thieme/Becker; Ries)

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Einen Überblick über die Märchen- und Sagenmotive
im Goethezeitportal finden sie hier.

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4. Weblinks und Literatur

Im Projekt Gutenberg.Spiegel.DE  <http://gutenberg.spiegel.de/>sind die Versionen der Brüder Grimm, von Ludwig Bechstein und Ludwig Aurbacher verfügbar.

Ludwig Aurbacher, Die Abenteuer von den sieben Schwaben, Titelillustration
Titelillustration 1832
(Quelle: Wikimedia Commons)

URL: http://gutenberg.spiegel.de/buch/abenteuer-der-sieben-schwaben-und-des-spiegelschwaben-2006/1

* Der Artikel "Die Sieben Schwaben" in Wikipedia, der freien Exnzyklopädie, bietet eine Einführung mit zahlreichen Links, URL: de.wikipedia.org/wiki/Die_sieben_Schwaben

* Brüder Grimm: Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand mit den Originalanmerkungen der Brüder Grimm. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen und Herkunftsnachweisen hg. von Heinz Rölleke. 3 Bde. Stuttgart: Reclam 1980 (Universal-Bibliothek; 3191-3193). Studienausgabe.

* Ludwig Bechstein: Deutsches Märchenbuch. Mit den Stahlstichen von Carl Wilhelm Schurig und Andreas Wolfgang Brennhäuser und ausgewählten Holzschnitten nach Originalzeichnungen von Ludwig Richter. Hg. von Hans-Heino Ewers. Stuttgart: Reclam 1996 (Unviersal-Bibliothek; 9483). Studienausgabe.

Weitere Versionen im Web:
* Historia / Von den Sieben Schwaben mit dem Hasen / in gut Schwaebischer Baurn-sprach / in Reimen gestellet. Um 1640. In Wikisource, der freien Quellensammlung. URL: de.wikisource.org/wiki/Historia_von_den_Sieben_Schwaben_mit_dem_Hasen

* Sebastian Sailer (1714-1777): Die sieben Schwaben, oder: Die Hasenjagd. Theaterstück in zwei Aufzügen, in schwäbischer Mundart. Im Projekt Gutenberg-DE, URL: gutenberg.spiegel.de/sailer/7schwabn/7schwabn.htm

Das Heimatmuseum (Sieben-Schwaben-Museum) in Markt Türkheim verwahrt den Nachlass des Volksschriftstellers Ludwig Auerbacher.


Die sieben Schwaben als Margarinefiguren (Zugaben zu Margarine):

Die sieben Schwaben, Margarinefiguren

Margarinefiguren – Sieben Schwaben, die Figuren sind rein weiß oder in verschiedenen Farben, Lanze/Spieß und dem Hasen. Welche Firma die Figuren verteilt hat, ist nicht bekannt, vermutlich die Firma "Günzburger-Schwaben Zichorie", da ein Bild mit diesen Figuren bekannt ist. (Aus einer inzwischen gelöschten Seite im Internet)

Zu den Margarinefiguren siehe den Eintrag in Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/Margarinefigur

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5. Rechtlicher Hinweis und Kontaktadresse

Die Postkarten entstammt einer privaten Sammlung. Soweit es Rechte des Goethezeitportals betrifft, gilt: Die private Nutzung und die nichtkommerzielle Nutzung zu bildenden, künstlerischen, kulturellen und wissenschaftlichen Zwecken ist gestattet, sofern Quelle (Goethezeitportal) und URL (www.goethezeitportal.de/index.php?id=3095) angegeben werden. Die kommerzielle Nutzung oder die Nutzung im Zusammenhang kommerzieller Zwecke (z.B. zur Illustration oder Werbung) ist nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung der Verfasser gestattet.

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Kontaktanschrift:
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Ludwig-Maximilians-Universität München
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