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Jutta Assel | Georg Jäger

Orte kultureller Erinnerung

Heidelberger Schloss
Graphik

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Stand: Februar 2016

 

Gliederung

 

Zu Heidelberg als Ort kultureller Erinnerung vgl. die entsprechende Seite im Goethezeitportal. Hier finden Sie eine Reihe von Ansichten des Heidelberger Schlosses und Dokumente zur Heidelberg-Romantik.

 

1. Einführung

Ansichten von Architektur-Denkmälern, Orten und Landschaften wurden vor der Durchsetzung der Fotografie in Zeichnungen und Malereien festgehalten und durch Reproduktionsgraphiken (Kupferstich, Radierung, Lithographie, Stahlstich) vervielfältigt. Mit Hilfe solcher Abbildungen bereitete man sich auf die Reise vor und hatte von den Sehenswürdigkeiten, bevor man sie noch gesehen hatte, bereits ein Bild im Kopf. Während der Reise erwarb man solche Bilder als Souvenir oder zur Erinnerung, bewahrte sie zuhause in Mappen auf und hing sie auch auf. Zur Befriedigung der Nachfrage entstand im Zuge des Tourismus im 18. Jahrhundert eine eigene graphische Industrie mit bildenden Künstlern, die die Vorlagen lieferten, Reproduktionskünstlern, Druckern und Verlegern.

Veduten (italienisch "veduta", Gesehenes) bilden ihren Gegenstand zwar in portraithafter Treue ab, stilisieren ihn aber zu einer effektvollen Komposition durch die Wahl des Ausschnitts, den Blickpunkt, Hell-Dunkel-Kontraste und Schattenwirkungen sowie die das Bild belebende Staffage aus Menschen und Tieren. Dabei kommt Staffagefiguren auch die Aufgabe zu, die Größenverhältnisse zu verdeutlichen. Aus kompositorischen Rücksichten und zum Zweck der Idealisierung wurden auch Veränderungen an der realen Vorlage vorgenommen. Zur Erzielung einer photographischen Treue wurde von Vedutenmalern die camera obscura eingesetzt, so von dem bekanntesten Vedutenmaler Bernardo Bellotto, genannt Canaletto (1722-1780).

Neben den Denkmälern und Orten am Rhein war auch Heidelberg ein Anziehungspunkt für Reisende wie Studenten aus aller Welt. Mit der Rheinromantik ging eine Heidelberg-Romantik parallel. Diesen Markt belieferten zahlreiche Künstler mit Memorabilien verschiedener Preisklassen. Mit Rücksicht auf die fremdsprachigen, vor allem englischen Touristen, erschienen Ansichtenfolgen in deren Sprache und in ausländischen Verlagen. Vgl. Michael Schmitt: Die illustrierten Rhein-Beschreibungen. Dokumentation der Werke und Ansichten von der Romantik bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Köln u.a.: Böhlau 1996.

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2. Graphiken

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[Glockenturm mit Blick auf den Neckar] Aquarell.
Monogrammiert u. datiert: L. v. Hagn 28/? 53. Höhe: 24; Breite: 19,7 cm.

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Charles Raleigh Knight, Heidelberg Castle

Heidelberg Castle. C. R. Knight del[ineavi]t. Dickinson & Son Lith. Lithographie, altkoloriert. Höhe: 27,7; Breite: 39,7 cm.
Vgl. Schmitt: Rhein-Beschreibungen, s.o., Nr. 136, Blatt 10.

Zwei Ausschnitte stehen zur Ansicht bereit:

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Karl Johan Billmark, Chateau de Heidelberg

Chateau de Heidelberg. Billmark. Paris, Imp. Lemercier, rue de Seine 55.

Zwei Ausschnitte stehen zur Ansicht bereit:

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Caspar Scheuren. Arabeskenblatt mit Ansicht des Heidelberger Schlosses. Höhe: 34,5; Breite: 40,5 cm.
Aus: Vom deutschen Rhein. Düsseldorf: Breidenbach & Baumann [1876/77]. 50 Blätter.
Vgl. Schmitt, Rhein-Beschreibungen, s.o., Nr. 210, Blatt 6. Text:

 

Friedrich von Matthisson
Vanitas

Hier auf diesen waldumkränzten Höhen,
Unter Trümmern der Vergangenheit,
Wo der Vorwelt Schauer mich umwehen,
Sei dies Lied, o Wehmuth, dir geweiht.
Trauernd denk' ich, was vor grauen Jahren
Diese morschen Ueberreste waren:
Ein bethürmtes Schloß voll Majestät
Auf des Berges Felsenstirn erhöht.
     
Dort, wo um des Pfeilers dunkle Trümmer
Traurig flüsternd sich der Epheu schlingt,
Und der Abendröthe trüber Schimmer
Durch den öden Raum der Fenster blinkt,
Segneten vielleicht des Vaters Thränen
Einst den edelsten von Deutschlands Söhnen,
Dessen Herz, der Ehrbegierde voll,
Heiß dem nahen Kampf entgegenschwoll.
     
O der Wandlung! Grau'n und Nacht umdüstern
Nun den Schauplatz jener Herrlichkeit,
Schwermuthsvolle Abendwinde flüstern,
Wo die Starken sich des Mahls gefreut;
Disteln ranken einsam auf der Stätte,
Wo um Schild und Speer der Knabe flehte,
Wenn der Kriegsdrommete Ruf erklang,
Und aufs Kampfroß sich der Vater schwang.
     
So vergehn des Lebens Herrlichkeiten,
So entfleucht das Traumbild eitler Macht!
So versinkt im schnellen Lauf der Zeiten,
Was die Erde trägt, in öde Nacht! – –
Hoheit, Ehre, Macht und Ruhm sind eitel!
Eines Weltgebieters stolze Scheitel
Und ein zitternd Haupt am Pilgerstab
Deckt mit einer Dunkelheit das Grab!

 

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3. Kurzbiographien von Matthisson und der Künstler

Matthisson, Friedrich von, der Landschaftsmaler unter den Dichtern, der Sänger der Elegien und Mondscheinnächte, der Frühlingsbilder und Elfentänze, einer der Lieblinge unserer Lyrik, wurde 1761 in Hohendodeleben bei Magdeburg geboren, studirte in Halle, wurde Lehrer in Dessau, lebte später bei seinem Freunde, Bonstetten, am Genfersee, und erhielt 1794 den Ruf als Lector und Reisegefährte der Fürstin von Anhalt-Dessau. In deren Gefolge bereiste er Tyrol, die Schweiz, Italien, Savoyen und das südliche Frankreich. Seine Reiseeindrücke hat er in den "Erinnerungen" geschildert. Nach dem Tode der geistreichen Fürstin wurde er in Würtemberg geheimer Legationsrath, Hoftheaterintendant, Oberbibliothekar, erhielt das Adelsdiplom und einen Orden. 1819 reiste er im Gefolge des Herzogs Wilhelm noch einmal nach Italien. So heiter sein Leben war, so trübte den Abend desselben ein gewaltiger Schmerz durch den Tod seiner jugendlichen, liebenswürdigen Gattin. Matthisson zog sich nach Wörlitz bei Dessau zurück, wo er den 12. März 1831 starb.
     

Als Lyriker hat er für die deutsche Literatur bleibenden Werth; Gedichte wie Elysium, Elegie in den Ruinen eines alten Bergschlosses, Adelaide, Laura betet, der Genfersee etc. sind von unvergänglichem Reize. Im Leben war der Sänger treu, unbescholten, herzlich und bieder. Auf dem Kirchhofe zu Wörlitz schlummert er zwischen Rosen nicht fern von dem Grabe seiner erlauchten Gönnerin.

Conversations-Lexikon oder kurzgefaßtes Handwörterbuch. 1. Auflage 1809-1811. Neusatz und Faksimile. Berlin: Directmedia 2005 (Digitale Bibliothek; 131). Art. "Matthisson, Friedrich von", Bd. 7, S. 148f. Neusatz S. 7208f. Redigiert.

Bild: Friedrich Matthisson. Schabkunstblatt von Wilhelm Arndt nach einem Gemälde von Tischbein. Quelle: Paul Ortwin Rave: Das geistige Deutschland im Bildnis. Das Jahrhundert Goethes. Berlin: Verlag des Druckhauses Tempelhof 1949, S. 196. - Zum Vergrößern klicken Sie bitte auf das Bild.

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Billmark, Karl Johan, geb. 1804 in Stockholm, gest. 1870 in Paris. Lithograph. Nach einer Kupferstecher-Ausbildung widmete er sich seit 1827 der Lithographie, ging nach Paris, von wo aus er mehrere Studienreisen unternahm. Über diese gab er seit 1829 lithographierte Folgen heraus. Gewandter Zeichner von Landschaften und Architekturmotiven. (Thieme / Becker; Schmitt, s.o.)

Hagn, Ludwig von, geb. 23. November 1820 in München, gest. daselbst 15. Januar 1898, erhielt seine erste Erziehung im Kadettenkorps. 1841 bezog er die Münchener Akademie und 1847 die von Antwerpen. 1851 ging er nach Berlin. Das Beispiel Menzels und der Besuch der Schlösser und Gärten von Sanssouci etc. führten ihn der Schilderung des Rokoko zu, wobei er anmutig gezeichnete Figuren in charakteristischen Innenräumen vorführte. Von 1853-55 lebte er in Paris und kehrte 1855 nach München zurück. Reisen nach Rom erweiterten sein Studienfeld, indem er auch die Kunst des Barockstils in den Bereich seiner Darstellungen zog. Mit geistreicher Auffassung des individuell Charakteristischen und mit Feinheit und Noblesse der Darstellung verband Hagn Poesie der Stimmung und Harmonie des Kolorits.

[Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Aufl. 1905-1909. Berlin: Directmedia 2003 (Digitale Bibliothek; 100). Bd. I, S. 621. Digitalisierung S. 78304f. Redigiert u. gekürzt.]

Knight, Charles Raleigh. Captain, Autodidakt. Lebensdaten nicht ermittelt. Das Blatt gehört zur Ansichtenfolge "Scenery on the Rhine", die im Lithographischen Atelier Dickinson & Son, London, 1846 erschien. Vgl. Schmitt: Rhein-Beschreibungen, s.o., Nr. 136, Blatt 10.

Scheuren, Caspar, geb. 1810 in Aachen, gest. 1887 in Düsseldorf. Landschaftsmaler und Radierer, der zahlreiche Rheinmotive in Ölbildern und Graphikfolgen lieferte. Vgl. Schmitt: Rhein-Beschreibungen, s.o., Nr. 208-213; Thieme / Becker).

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4. Kontaktadresse

Prof. Dr. Georg Jäger
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Deutsche Philologie
Schellingstr. 3
80799 München

E-Mail: georg.jaeger@germanistik.uni-muenchen.de.

 

 

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