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Newsletter 14 - »Lieder von Liebeslust und Frühlingsfreud'«

Mittwoch, den 20. September 2006

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Goethezeit,

als Geschenk für Frauen hatten Lyrikanthologien im Buchmarkt des späten 19. Jahrhunderts Konjunktur. Die Anthologie "Heidenröslein" (1. Aufl. 1886, 22. Aufl. 1895), nach Goethes zum Volkslied gewordenen Gedicht benannt, vereinigt klassische und romantische Liebes- und Naturlyrik mit zeitgenössischen Dichtungen. Für derartige Geschenkbände waren Ausstattung (goldgeprägte Einbanddecke, Goldschnitt, Rotdruck, Buchschmuck: Leisten, Vignetten, Initialen u.a.m.) und Illustrationen ebenso wichtig wie die Texte. Unsere Auswahl stellt den Illustrationen die Bezugstexte zur Seite.

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Weitere Glanzpunkte im September:

 Jutta Assel und Georg Jäger:
Goethe-Motive auf Postkarten. Eine Dokumentation
Arthur von Ramberg: Hermann und Dorothea

Goethes "Hermann und Dorothea" (Erstdruck 1798) ist eine "idyllisch-epische" Dichtung in Hexametern, deren neun Gesänge nach den Musen benannt sind. Sie spielt in einem rechtsrheinischen Städtchen und schildert einen Flüchtlingszug im Gefolge der Revolutionswirren. Im Mittelpunkt steht die Brautwahl: Hermann, der Sohn der Wirtsleute, und das Flüchtlingsmädchen, die ebenso schöne wie tüchtige und mutige Dorothea, werden ein Paar. Im 19. Jahrhundert wurde die Dichtung überaus hoch geschätzt, weil sie bürgerliche Lebensvorstellungen, nicht ohne Ironie vonseiten des Erzählers, in klassischer Form gestaltet. Von den zahlreichen Illustrationen fanden die Kompositionen von Arthur von Ramberg (1819-1875) „durch die Anmut der Darstellung“ besonderen Beifall.

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 Jutta Assel und Georg Jäger:
Rom in alten Ansichten. Pantheon

Das Pantheon in Rom, ursprünglich ein der Verehrung "aller Götter" geweihter Tempel, wurde 609 zur christlichen Kirche Santa Maria la Rotonda geweiht und hat sich darum weitgehend erhalten. Der Rundbau mit seiner den Himmel abbildenden Kugelkuppel und seiner Öffnung zu den Gestirnen ist von überwältigender Wirkung.

„Endlich am Ziele der Bahn, jedoch in gemessenen Schranken, 
Ruht die erhabenste Kunst hier in sich selber sich aus.“
(Hebbel)

Das Goethezeitportal zeigt das Pantheon in alten Ansichten und ergänzt das Bildmaterial durch literarische Zeugnisse (Tieck, Waiblinger, Hahn-Hahn) und erläuternde Texte.

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 Jutta Assel und Georg Jäger:
Goethe-Motive auf Postkarten. Eine Dokumentation. Faust und Gretchen Fotopostkarten

August Stukenbrok baute um 1900 in Einbeck eine Fahrradfabrik auf, die im Versandhandel tätig war. „Der Markenname >Deutschland-Fahrrad< mit dem bekannten Slogan >Mein Feld ist die Welt< wurde zum Begriff für solide und elegante, aber erschwingliche Fahrräder für jedermann.“ Mit der Erweiterung der Produktpalette entstand das erste deutsche Versandhaus. „Vom Automobil bis zur Zinkbadewanne wurden Gegenstände des täglichen Gebrauchs genauso wie Luxusartikel aus Einbeck in alle Welt verschickt.“ Die großen Versandkataloge, eine kulturgeschichtliche Quelle, liegen im Reprint vor. Die kolorierten Fotopostkarten mit Faust und Gretchen, die für „Deutschlands größtes Spezialhaus für Fahrräder und Sportartikel“ warben, sind im Goethezeitportal anzusehen.

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Neupublikationen

     

  • Philipp W. Hildmann:
    Die Christenheit oder Europa oder Von Novalis lernen? Zur Relevanz eines romantischen Referenztextes im aktuellen Europadiskurs

So oft im Europadiskurs der vergangenen Jahre der Versuch einer Bestimmung dessen unternommen wurde, was denn die innere Identität dieses Europa jenseits einer bloßen Zweckgemeinschaft für Wirtschaft und Sicherheit ausmache, gelangte ein Text in großer Regelmäßigkeit zu Ehren der Zitation: Novalis Rede Die Christenheit oder Europa (1799). Doch hält dieser geschichtsphilosophische Essay wirklich, wofür er im aktuellen Europadiskurs vereinnahmt wird? Lassen sich diesem frühromantischen Zeugnis Impulse abgewinnen, die zu einer Präzisierung der strittigen Unbestimmtheit einer europäischen Identität beitragen können? Gibt es triftige Gründe dafür, weshalb Europapolitiker noch heute Novalis lesen sollten? Oder müssen wir nach eingehender Prüfung doch von einem „unnützen“ Aufsatz sprechen, wie dies der ungekrönte König der Romantik, Ludwig Tieck, bereits 1837 unverblümt getan hat?

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  • Thomas Borgstedt:
    Frühromantik ohne Protestantismus.
    Zur Eigenständigkeit von Clemens Brentanos ‚Godwi’-Roman

Clemens Brentanos erster und einziger Roman „Godwi oder Das steinerne Bild der Mutter – Ein verwilderter Roman“, weicht von den geläufigen Modellen der Frühromantik, vom Bildungs- und vom Künstlerroman, erheblich und substantiell ab. Den Roman durchzieht eine christlich-katholische Bildwelt, die sich von den ursprünglich ästhetisch motivierten Betrachtungen christlicher Kunst durch die Frühromantiker abhebt, und die daran erinnert, daß sich Brentano konfessionell von den durchweg protestantischen Jenaer Romantikern unterscheidet. Der Aufsatz untersucht wesentliche Tendenzen des Romans unter dem Gesichtspunkt ihrer konfessionellen Signifikanz. Es zeigt sich, dass entscheidende Merkmale des Texts, und zwar gerade auch diejenigen, die im Kontext einer späteren Moderne anschließbar geblieben sind, aus der konfessionellen Differenz von frühromantischem Diskurs und Brentanoscher Adaption hervorgehen. Dabei soll die kulturelle Differenz selbst als Motor der Diskurserneuerung sichtbar werden, indem sie zu motivieren vermag, was sonst allein der Singularität des Dichters zugeschrieben werden müßte.

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  • Steffi Roettgen:
    Johann Dominicus Fiorillo. Kunstgeschichte und die romantische Bewegung um 1800.

Untersucht werden die Darstellungsmethode Fiorillos in seiner Kunstgeschichte Spaniens (1806) und Englands (1808). Zum Vergleich dienen sein berühmtestes Werk, die „Geschichte der zeichnenden Künste“ (1798-1801), die der Malerei Italiens galt, und Luigi Lanzis „Storia Pittorica della Italia“ (1809, dt. 1830). Deutlich werden auch die Arbeitsweise und die Quellen Fiorillos.

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Postkoloniale Studien:

     

  • Markus Joch:
    Testfall Frobenius. Kolonialismus als Literatur und Kultur

Das von Klaus Scherpe geleitete DFG-Projekt zur Kulturgeschichte des Fremden in der deutschen Kolonialzeit hat neben literarischen auch medizinhistorische und ethnologische Texte in den Blick genommen, soweit sie zeittypische Wahrnehmungsmuster und Darstellungstechniken markierten. Ein anschauliches Beispiel dafür sind die Expeditionsberichte des frühen Leo Frobenius. Über eine ideologiekritische Perspektive hinaus - die dem Rassisten allerdings angemessen bleibt - sind die rhetorischen und medialen Mittel zu erkunden, mit denen der bekannteste Vertreter der wilhelminischen Völkerkunde Bilder vom schwarzen Menschen lancierte. Von Interesse ist desweiteren, wie sich das so triviale wie publikumswirksame Konzept des Ethnologen als Unterhaltungsliteraten zum wissenschaftlichen Ansatz verhielt (Kulturkreis-Lehre) und wie zu "Heart of Darkness", einer topographisch benachbarten, da ebenfalls am Kongo angesiedelten Erzählung, die freilich zur Weltliteratur zählt.

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Kulturkalender:

     

  • Peter Hacks: Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe

»Cordula Trantow als Charlotte von Stein Goethe ist ein eigenartiges Talent.
Er beherrscht alle Fertigkeiten,
wenn man einmal davon absieht,
dass er keine beherrscht.
Oder anders: er kann gar nichts,
das allerdings hervorragend.
Selbst seine Weise, sich einer Frau zu nähern,
ist so fehlerhaft, dass sie bereits imstande ist,
ein Herz zu erobern. Ich will nichts verharmlosen.
Goethe war wenig zu loben,
aber er war keineswegs
ungefährlich.«

(Frau von Stein)

 

»Goethe hat fluchtartig Weimar in Richtung Italien verlassen. In Erwartung einer Nachricht wird die langjährige Freundschaft zu Goethe beleuchtet. Charlotte von Stein ergeht sich in Tiraden enttäuschter Liebe: Goethe als Hypochonder und Poseur; als Versager in der Liebe, der es nur versteht, seine Abenteuer literarisch auszubeuten; ein pfuschender Dilettant, ob nun als Maler, Dichter und Minister. Sich selbst sieht die Dame als Abrichterin, die aus einem Sturm- und Drang-Flegen einen einigermaßen brauchbaren Menschen gemacht hat. Dressur, ob nun Schoßhund oder Genie, der launenhafte Hochmut regiert beispiellos.« (Pressemitteilung Stadt Bad Wörishofen)

Theateraufführung: Cordula Trantow als „Charlotte von Stein“ Peter Hacks´ Meisterwerk „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“ als Abschluss der Spielzeit 2006 in Bad Wörishofen. Termine: 23. und 24. September im Haus „Zum Gugger“.

  Weitere Informationen
  Leporello

 

     

  • Johann Heinrich Wilhelm Tischbein. Der Malerpoet.

»Den „Goethe-Tischbein“ zieht es wieder in die Ewige Stadt! Die Ausstellung der Casa di Goethe ist dem Autor des berühmtesten Goethe-Porträts (in der römischen Campagna) gewidmet: Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751-1829), mit dem der Dichterfürst in Rom zusammen wohnte und arbeitete.

In der gemeinsamen Wohnung am Corso – für ein paar Wochen nun „Casa di Tischbein“ - werden bis zum 19.11.2006 weitgehend unbekannte Blätter, darunter viele Aquarelle und Gouachen sowie Arbeiten zum künstlerischen Austausch zwischen Goethe und Tischbein präsentiert. Die 2003 von der Klassik Stiftung Weimar bei Christie's in New York ersteigerten Zeichnungen gehörten zu einem umfangreichen Konvolut aus dem vormaligen Privatbesitz der Großherzöge von Oldenburg, in deren Diensten der Maler nach 1808 stand.

Die Ausstellung in der Casa di Goethe ist dem Spannungsfeld von Bild und Wort gewidmet; Tischbein erweist sich hier als unverwechselbarer, überraschender Künstler. Zeitgenossen nannten ihn den „Dichter mit der Palette" oder den „Malerpoeten“: Er konzipierte viele seiner Arbeiten – oft Serien - von Anfang nicht als Illustration, sondern als Ergänzung für literarische Texte. Zu den rund 100 in der Casa di Goethe ausgestellten Zeichnungen gehört neben den Illustrationen zu Reineke Fuchs vor allem die Reihe der „Idyllen“. Bereits 1786 hatten Goethe und Tischbein Ideen hierzu entwickelt, aber erste viele Jahre später sandte der Maler seine Blätter zu Begutachtung nach Weimar. Der Dichter nahm sie zum Anlass für sein umfangreichstes Werk über zeitgenössische Kunst: Wilhelm Tischbeins Idyllen . Die Ausstellung präsentiert außerdem Fragmente der „Sibyllinischen Bücher, Blätter zu italienischen Motivkreisen, Tischbeins Tier- und Naturstudien sowie Studien von antiken Köpfen

Anlässlich dieser Ausstellung werden außerdem für zwei Wochen einige Originalzeichnungen aus der römischen Zeit mit Goethe gezeigt, die einen schönen Eindruck vom damaligen Künstlermilieu vermitteln. Auch die Dauerausstellung „Goethe in Italien“ zollt dem Heimgekehrten Tribut: Integriert sind einige Tischbein-Arbeiten aus der Sammlung der Casa di Goethe.« (Casa di Goethe)

Eine Ausstellung der Klassik Stiftung Weimar in der Casa di Goethe in Rom (19.9.-19.11.2006)

  Weitere Informationen

 

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Ihr Goethezeitportal-Team
Dr. Danica Krunic
München, den 20.09.2006

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