goethe

Kosmosschrott

- Isidore Lucien ... was?
- Ducasse. Besser bekannt als „Lautréamont“.
- Comte de Lautréamont?
- Ich habe es Ihnen doch gesagt, wir würden darauf zu sprechen kommen, früher oder später.
- Er hat sich mit 24 Jahren das Leben genommen. In Paris. Zuvor aber brachte er die „Gesänge des Maldoror“ zu Papier.
- Die jede bekannte Gattung sprengten.
- Was für ein Vermächtnis!
- Danach blieb ihm nicht viel mehr als der Tod.
- Mit 24?
- Der Tod ist eine gute Metapher.
- Geben Sie mir auch eine Zigarette, bitte?
- Auch Büchner starb mit 24. An Typhus.
- Ich habe davon gehört. Tragisch.
- Er wäre mit den Zeitläuften ohnehin nicht zurecht gekommen ... vielleicht war es besser so? Sonst wäre er womöglich nur ein Genie unter anderen gewesen.
- Man weiß nicht viel über sein Leben. Er wurde in Montevideo geboren.
- In Uruguay?
- Schwarze Romantik und Symbolismus als Einflussquellen.
- Für die Surrealisten, die sich ihren Revolver schnappen und damit in die Menge laufen wollten, um wild um sich zu schießen, wurde er zum Vorbild.
- Ich träume immer noch von solch einer Tat. Einem act gratuit. Aber man müsste dazu Hüte tragen.
- Haben Sie je in einem Panzer gesessen?
- Sie bewunderten die Unerschrockenheit, die Radikalität seiner Vision.
- Das war Kunst. Das war Kunst.
- Das war das 20. Jahrhundert.
- Die Surrealisten. Breton. Apollinaire. Aragon. Leiris.
- Namen.
- Sie dachten wie die Kinder, sagte Adorno. Sie sahen die Welt durch die Augen von Kindern.
- Ach?
- Das war das 20. Jahrhundert.

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