goethe

Radikalisiertes Gedicht

von Robert Mattheis

KASTANIE. ALLEE.

Ich schreibe ein Gedicht
Über die Republik.
Die Republik ist dicht.
Auf den Straßen herrscht Krieg.

In Uniform geht man aus.
Man bleibt allein zu Haus.
Die Tage sind furchtbar lang.
Das denkt man, dann und wann.

Ich schreibe über die Medien.
Ach, doch nicht. Die sind blöd.
Lieber über die Meder schreib ich.
Die sind tot. Und so töt

Ich die Tage der Republik.
Das Brennen der inneren Leere.
Doch alle flammenden Schwüre
Gabst du mir lachend zurück.

Kanzler und Kandidaten.
Hunde und ihre Herrn.
Sollte ich was verraten,
Ich wüßt nichts. Doch tät ichs gern.


Kommentar

von Georg Baur

SCHMERZ IN WATTE GEPACKT, DARF'S AUCH ETWAS MEHR SEIN?

Das Gedicht fängt mit dem hohen Ton an. Politisch. Die Republik. Man denkt an Heine, aber dann kommt nichts. Die Tage sind leer, die Meder sind tot. Okay. Das wußte man. Wozu also so ein Gedicht lesen? Was ist der Mehrwert? Gibt es einen solchen überhaupt? Diese Frage muß, denke ich, erlaubt sein.

Also. Mattheis ist "ein Kenner der inneren Kämpfe", hat Henry Maske einst erklärt (ARD, "Beckmann"). Er bezog sich nicht explizit auf Robert Mattheis mit dieser Formulierung, aber ich denke, der Transfer ist legitim. Mattheis hat seine liebe Not mit den Nöten seines Herzens gehabt, und er macht keinen Hehl daraus. Es geht ihm beschissen. Immer, aus Prinzip. Das ist süß. Aber wohin führt es uns? Was lernen wir daraus? Diese Frage müßte eigentlich erlaubt sein. Meine ich.

Auf den Straßen herrsche Krieg, konstatiert Mattheis mit der Lakonik des gelernten Trottoirtrottels. Vielleicht hat er ja sogar recht? Eine legitime Frage. Oder irrt er sich? Nicht minder legitim ist diese Frage, scheint mir. Denken wir einen Augenblick über dieses Fragengewirr nach ... nein, lieber doch nicht. Wenden wir uns einem anderen Punkt zu. Aber welchem? Eine gute Frage. Eine legitime Frage. Mal sehen.

Im nächsten Vers geht Matth-


Anmerkung des Herausgebers: Georg Baur ist all jenen ein Begriff, die die scharfsinnige Interpretation, gerade von Lyrik, zu schätzen wissen. Leider bricht dieser nachgerade magische Text gerade dort ab, wo es hell zu werden begann. Was bleibt? Dunkelheit. Ein Dunkel, das wie mit Händen zu greifen ist. Ein Dunkel, das zittert, das bebt. Das durchlodert wird von nagendem Zweifel. Von einer verzweifelten Frage. Usw. Es bleibt, um abschließend noch einmal Mattheis zu zitieren, "das Brennen der inneren Leere". Und das ist doch schon mal was!

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