Plötzlich fing er an, sich für einen Schriftsteller, für einen wirklichen Künstler zu halten. Das mußte natürlich schiefgehen. Die hohen Töne. Er traf sie einfach nicht. Verstehen Sie mich nicht falsch. Als Bassist hatte er seine Meriten. Um im Bild zu bleiben. Er hatte Rhythmusgefühl. Er hatte eine gewisse Art von musikalischem Witz. Aber seine Möglichkeiten waren doch arg limitiert. Er glaubte, die Annahme, etwas verstanden zu haben, ermögliche große Kunst. Daß harte Übung, ständiges Training eine Voraussetzung für künstlerisches Gelingen sein könnte - daran dachte er nicht. Er genoß den Vorteil, ziemlich allein auf dem Markt zu sein. Seine Konkurrenten - oder Kontrahenten, wie auch immer - pflegten einen Stil seelischer Tiefe, für den er keinen Sinn hatte. Das war sein Glück. Die Existenz, das erkannte er früh, das erkannte er mit sicherem Instinkt, war eine Sache von Oberflächen. Das Pochen auf Tiefe war Schwindel. Seine Konkurrenten veranstalteten einen Bedeutungsschwindel, der schon reichlich fadenscheinig geworden war. Die Zeit der Besinnungen war vorüber. Ein neuer Realismus kündigte sich an. Eine neue Maxime. Hinter den Erscheinungen war nichts. Aus dieser intuitiven Einsicht gestaltete er seine Welt. Es war eine Welt von Reflexen, von Reizverarbeitung, von Querschüssen. Wie gesagt. Tiefe war seine Sache nicht. Er war ein Klassizist. Wenn man so will. Er schuf Formen, die unvergänglich sind. Nicht alle sind sie groß. Aber jeder ist doch anzumerken, daß es ihm um Unvergänglichkeit ging.