„Letzten Sonntag saß ich einmal“ – so fängt Dr. Dr. Rainer Erlinger seine Kolumne „Die Gewissensfrage“ an. Wie es weitergeht, werde ich nicht erfahren; Sie vielleicht schon, wenn Sie sich das Magazin der SZ besorgen, wenn Sie sich diese Mühe machen; aber ich werde es nicht erfahren. Ich lese nämlich nicht weiter. Definitiv nicht. Mich interessieren Gewissensfragen nicht. Vor allem nicht, wenn sie in der SZ gestellt werden. Das sind doch alles Schmocks, diese Typen in der SZ. Die haben doch ebenso wenig ein Gewissen, wie sie Fragen haben. Ich bekomme wirkliche Fragen zu hören. Eben hat mich z. B. ein Kollege gefragt, ob man ein schlechtes Gewissen haben müsse, wenn man den Chef umbringt. Na ja, hab ich gesagt. Na ja. Ich hätte wohl keines, meinte ich dann. Wir aßen Blattsalat mit Rindfleischstreifen. Dazu eine kleine Apfelschorle. Und ich sagte: Wohl eher nicht. Und das stimmt sogar. Im allgemeinen mache ich es mir nicht so leicht. Ich habe noch niemanden getötet. Jedenfalls nicht, daß ich wüßte.
Wilhelm Irrhorn, Bad Kissingen