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Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Empfehlungen der Redaktion

05. September 2008

Günter Häntzschel:
Gottfried August Bürger

Gottfried August Bürger war - trotz Schillers herber Kritik - einer der großen, volkstümlichen Poeten des späten 18. Jahrhunderts. Seine "Lenore" fehlt in keiner Balladen-Anthologie, seine Ausgabe der "Wunderbaren Reisen des Freiherrn Münchhausen" gehört zum Kanon der humoristischen, der satirischen deutschen Literatur. Kaum bekannt ist geblieben, dass die Tragödie seines Lebens auch Signifikanz für das Dasein vieler Intellektueller des Zeitalters der Aufklärung hatte. Günter Häntzschel bietet hier eine Einführung in Leben und Werk dieses Mannes mit der Brillanz des Kenners eines zu unrecht kaum bekannten Werks und mit der Zuneigung des Forschers für ein Schicksal, das eine Epoche in vielen Facetten gespiegelt hat.

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04. September 2008

Stefan Schweizer:
Hoffmanns Werk und Romantische Anthropologie

The essay analyses the impact of anthropological science on E.T.A. Hoffmann’s literature. The main argument is that literature is strongly influenced by scientific theories. Consequently the works of E.T.A. Hoffmann contain the most important vocabulary of the anthropological discourse at the time of romanticism. The essay does not analyse Hoffmann’s literature in depth, it is rather a synopsis of the entire work of E.T.A. Hoffmann.

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19. August 2008

Jürgen Daiber:
Die Suche nach der Urformel: Zur Verbindung von romantischer Naturforschung und Dichtung

Die Studie stellt die romantische Suche nach der "Urformel" dar, sprich: den Versuch, alle Naturerscheinungen und die ihnen zu Grunde liegenden Gesetze durch eine Theorie zu erklären. In einem wissenspoetischen Transfer suchen romantische Autoren (Novalis, Achim von Arnim, E.T.A. Hoffmann etc.) diese Theorie auch auf die Sphäre der Dichtung auszuweiten.
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19. August 2008

Stefan Schweizer:
Didaktik der Aufklärung in der Anthropologie zur pädagogischen Moralerziehung auf Gymnasien

Der Aufsatz analysiert anthropologische Schulbücher des Gymnasiums. Diese sind zu einem signifikanten Zeitpunkt des Goethezeitalters entstanden, nämlich genau zwischen der Epoche der Aufklärung und der Romantik. Deutlich wird, dass unter dem Einfluss Immanuel Kants und den soziopolitischen Einflüssen der Aufklärung ethische Werte und Moralvorstellungen als pädagogische Ziele in anthropologischem Gewand präsentiert werden. Didaktisch werden die moral-ethischen Implikationen der Anthropologie als Befunde einer „harten“ und empirisch ausgerichteten Wissenschaft vorgestellt. Insofern besitzen die in den Lehrbüchern präsentierten Werte und Moralvorstellungen einen nicht angreifbaren oder zu hinterfragenden Status.

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14. Juli 2008

Günter Häntzschel:
Eine deutsche Nausikaa?

Der Beitrag fragt, warum Goethes Versuch, die Nausikaa-Episode aus der Odyssee zu dramatisieren, über ein kurzes Fragment nicht hinausgelangte, obwohl er sich zeit seines Lebens intensiv mit Homer beschäftigte und in Odysseus’ Schicksal autobiographische Parallelen erkannte. Er erörtert weiterhin, warum der Nausikaa-Stoff mit Ausnahme seiner Adaption in Adalbert Stifters Nachsommer im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart lediglich von einigen poetae minores als Versepos und in der Lyrik fortgeführt wurde, jedoch trotz seiner reizvollen Thematik nie recht heimisch werden konnte. 

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11. Juni 2008

Uwe Japp:
Leid und Verklärung. Torquato Tasso als repräsentativer Dichter nach Goethe - mit Ausblicken auf Byron und Leopardi

Der Aufsatz diskutiert Goethes Torquato Tasso unter dem Rubrum ‚Leid und Verklärung‘. Er verlängert dann die Perspektive ins 19. Jahrhundert, indem er weitere Tasso-Darstellungen vergleichend berücksichtigt (Zedlitz, Smets, Raupach).. Ein kurzer Ausblick auf Byron und Leopardi schließt den Beitrag.

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11. Juni 2008

Uwe Japp:
Das Erhabene in den Bergwerken von Falun

Der Aufsatz verfolgt die Extension des Erhabenen in die Tiefe, was von Burke ausdrücklich unterstützt wird. Der genauere Gegenstand ist E.T.A. Hoffmanns ‚nördliche‘ Erzählung (Die Bergwerke zu Falun).

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11. Juni 2008

Günter Häntzschel:
Die geschorene Schäferei. Zu den pfälzischen Idyllen Friedrich Müllers

Im Gegensatz zu vorliegenden sozialkritischen Interpretationen der Idyllen Friedrich Müllers und dem Befund eines "pfälzischen Naturalismus" sucht dieser Beitrag Müllers Idyllen als artifizielle Texte zu verstehen, die im Bild einer bäuerlich-realistischen Idylle zugleich literaturtheoretische Gedanken über eine zeitgemäße Erneuerung der Gattung Idylle enthalten.
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25. Mai 2008

***ERSTPUBLIKATION***

 Katharina Mommsen:
Als Meisterin erkennst du Scherazaden. Über Goethes Inspirationen aus 1001 Nacht zum zweiten Teil der Faust-Tragödie

Das Beispiel der Scheherazade, das Goethe in der Breslauer Übersetzung von 1001 Nacht (1825 ff.) eifrig studierte, verhalf ihm dazu, im Faust II zur Form eines scheinbar fessellosen Traumspieles durchzustoßen und glückliche Lösungen für die schwierigsten Teile der geplanten Faust-Fortsetzung zu finden. Bei einer Reihe von Erzählungen der Scheherazade fiel es ihm „wie Schuppen von den Augen“, plötzlich wußte er: „nur so kann es sein und nicht anders!“

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24. April 2008

Wolfgang Burgdorf: „... und die Welt wird neu geordnet“. Kontinuität und Bruch. Vom Beginn der Revolutionskriege zum Deutschen Bund und zur Neuordnung Europas

Hier wird in sehr kurzer Form die Epoche von 1792, dem Ausbruch der Revolutionskriege, bis zum Ende des Wiener Kongresses 1815 als eine Scharnierzeit vorgestellt. Sahen wir am Anfang das Ancien régime, so sehen wir am Ende den Beginn der Neuzeit in Deutschland und Europa. Zudem wird dargestellt, inwieweit Teile des Staatsrechts des Alten Reiches als subsidiäres Staatsrecht des Deutschen Bundes weitergalten.

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24. April 2008

Wolfgang Burgdorf: Nationales Erwachen der Deutschen nach 1756. Reichisches gegen territoriales Nationalbewußtsein. Imitation eines Schweizer Vorbildes oder Inszenierung des kaiserlichen Hofes?

Der Beitrag schildert die Auswirkungen der Gründung der „Helvetischen Gesellschaft“ in der Schweiz 1762 auf die reichs- national- und landespatriotischen Diskurse in den vier letzten Dekaden des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Insbesondere wird geschildert, wie im Wiener Umfeld des Kaisers versucht wurde, nicht nur den deutschen Patriotismus zu beleben, sondern ihn auch für die Unterstützung der kaiserlichen Politik in Deutschland zu nutzen.

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24. April 2008

Wolfgang Burgdorf: „Das Reich geht mich nichts an“. Goethes Götz von Berlichingen, das Reich und die Reichspublizistik

Der Beitrag diskutiert anhand von Goethes „Götz von Berlichingen“ wie die Menschen der Frühen Neuzeit das Alte Reich sahen, welche staatlichen Formen ihm zugeschrieben wurden und welchen Verlauf diese Diskussion vom 16. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nahm.

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24. April 2008

Wolfgang Burgdorf: Die erste Kulturbetriebsstillegung. Am Grab des heiligen Deutschland. Mit den Säkularisationen von 1803 ging eine moderne Welt unter

Der Text schildert die große territoriale Flurbereinigung in Deutschland im Kontext des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803, insbesondere die Auflösung der geistlichen Territorien, die Säkularisation und ihre Auswirkungen.

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24. April 2008

Wolfgang Burgdorf: „Unmenschen“ im Zeitalter der „Aufklärung“

Auf slawische bzw. russische Menschen bezogene deutsche Feindvernichtungsphantasien sind nicht erst ein Phänomen des 20. Jahrhunderts. Schon während der Hochphase der Aufklärung, im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) wurde den Russen das Menschsein abgesprochen. Der Text dokumentiert diesen Diskurs und bettet ihn in seine Vor- und Nachgeschichte ein.

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24. April 2008

Wolfgang Burgdorf: „Reichsnationalismus“ gegen „Territorialnationalismus“. Phasen der Intensivierung des nationalen Bewusstseins in Deutschland seit dem Siebenjährigen Krieg

Durch die Erweiterung der aristokratischen Rechte der Reichsfürsten bzw. durch die Ausdehnung der landesherrlichen Kompetenzen der reichsunmittelbaren Obrigkeiten entwickelte sich bis zum Ende der Frühen Neuzeit der deutsche Föderalismus. In der Regel konnten Lokal-, Landes- und Reichspatriotismus komplementär miteinander bestehen. Zuweilen gerieten sie aber auch in einen Gegensatz ohne Schnittmenge. So trennten sich die Schweiz und die Niederlande vom Alten Reich. Neue Nationen entstanden. Auch Preußen schien unter Friedrich II. gelegentlich diesen Weg einzuschlagen, ohne dass es jedoch zu einer Trennung vom Reich kam.

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20. April 2008

 Katharina Mommsen: Zu Goethes Gedicht Märkte reizen dich zum Kauf
aus dem Buch der Betrachtungen im West-östlichen Divan

In einem böhmischen Gasthof empfing der 70-jährige Goethe aus der dortigen Hausbibel die Inspiration zu dem hier betrachteten Gedicht, das er dem West-östlichen Divan einfügte, seinem größten lyrischen Zyklus, in dem er die westliche Welt und den islamischen Orient miteinander zu versöhnen suchte, hier aus christlicher Perspektive.

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20. April 2008

 ERSTPUBLIKATION Stefan Schweizer:
Selbstreflexivität der Poesie bei Goethes Reineke Fuchs.
Die Interaktion von Form, Inhalt, Inter- und Intratextualität

Folgender Aufsatz analysiert die verschiedenen Bedeutungsebenen der Form und Funktion von Erzählung in Johann Wolfgang von Goethes „Reineke Fuchs“. Primäre Bezugspunkte des Reimversepos sind Homers „Ilias“ und Gottscheds „Reineke Fuchs“. Besonders augenfällig ist die Bedeutung der Inter- und Intratextualität in Goethes Text. Die Erzählungen des Protagonisten Reineke besitzen mindestens vier verschiedene Funktionen, welche sowohl das Wohlergehen von Reineke als auch die Interaktion zwischen Erzähler und Hörer umfassen. Ein weiterer wesentlicher Gesichtspunkt von Goethes Epos ist der Zusammenhang zwischen Leben und Dichtung. Ebenso werden die Fragen der sozialen Ordnung und Stabilität im Hinblick auf eine gelungene Individuation des Einzelnen thematisiert.

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1. April 2008

 Malte Stein: »Frauen-Schönheit will nichts heißen«. Ansichten zum Eros als Bildungstrieb bei Winckelmann, Wilhelm von Humboldt und Goethe

Die Forderung nach mehr und besserer Bildung zu stellen, hieß im Neuhumanismus um 1800 bekanntlich, auf eine Veränderung des Verhältnisses zwischen Sinnlichkeit und Vernunft zu drängen. Weniger bekannt ist indessen, mit welchem Nachdruck zur Zeit der Weimarer Klassik Bildungsfragen in Anknüpfung an Schriften Platons als ein im Kern erotisches Problem erörtert wurden. Obgleich meist sorgfältig camoufliert, läßt sich die Thematisierung des Eros als Bildungstrieb von Winckelmanns "Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Wercke" über Arbeiten Wilhelm von Humboldts bis hin zu Goethes "Faust"-Tragödie rekonstruieren. In diesem Zusammenhang erweist sich letztere als eine fundamentale Kritik am „klassischen“ Bildungskonzept: Während von Humboldt im Eros eine schöpferische Urkraft und fortschrittstiftende Dynamik sieht, von der schon die Griechen geahnt hätten, daß sie das Chaos zum Kosmos ordne, präsentiert Goethe den Eros als eine Macht, welche zu vermeintlich Großem drängend ins Chaos zurücktreibt. Ebenso wie das sich bildende Individuum bei von Humboldt streben auch Faust und seine Parallelfiguren eine Ganzheit ihrer individuellen Vermögen an, wobei es auch ihnen im Kern darum geht, sich mit autonomen Geburtsakten den Traum der Unsterblichkeit zu erfüllen. Goethe allerdings deckt mit seinem Trauerspiel die Nachtseite solchen Ganzheitsanspruches auf, indem er zeigt, daß die Aneignung der Lebenserzeugung durch den Mann einhergeht mit einer Verleugnung des Lebenserzeugenden in der Frau sowie einem – in der Moderne zunehmend zerstörungsmächtigen – Menschenhaß überhaupt.

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31. März 2008

 Jörg Schönert: Wezels und Campes Bearbeitung des »Robinson Crusoe«. Zur literarischen Durchsetzung des bürgerlichen Wertkomplexes ›Arbeit‹ in der Literatur des späten 18. Jahrhunderts

Insbesondere die erzählende Literatur erschließt im Zeitraum von 1770 bis 1830 emphatisch oder kritisch "Arbeitsamkeit" als einen zentralen Wertbegriff der "buergerlichen Moral". Für die beiden Bezugsweisen gelten die Bearbeitungen des "Robinson Crusoe" durch J. H. Campe und J. K. Wezel als "prototypische" Texte.

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31. März 2008

 Jörg Schönert: Kriminalität und Devianz in den »Berliner Abendblättern«

Die "Berliner Abendblätter", das kurzfristige Zeitungsprojekt Heinrich von Kleists (1810/11), erhielten besondere Attraktivität durch Nachrichten und Darstellungen zum aktuellen Kriminalgeschehen. Mit seinen Texten zu diesem Gegenstandsbereich konnte sich Kleist vielfach auf die Polizei-Rapporte des Berliner Polizei-Präsidiums beziehen. Welche Strategien er dabei verfolgt, wird mit dem Beitrag erschlossen.

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31. März 2008

 Anton Philipp Knittel: Bilder-Bücher der Erinnerung.
Wilhelm von Kügelgens Jugenderinnerungen eines alten Mannes im Kontext ihrer Zeit

Wilhelm von Kügelgens "Jugenderinnerungen eines alten Mannes", 1870 postum erschienen, anvancierten bis weit in die 1920-er Jahre zu einem wahren Kultbuch des deutschen Bürgertums. Der vermeintlich idyllische Rückblick auf eine scheinbar 'besonnte Vergangenheit', wie die Autobiografie des ehemaligen Hofmalers und Kammerherrn des letzten Herzogs von Anhalt-Bernburg rezipiert wurde, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch nicht nur “als Bilderbuch alter Erinnerung”, sondern auch als Memorial des Todes, dem Toten-Gedenken und Todes-Gedanken zugleich eingeschrieben sind. Dabei wird deutlich, wie sehr Kügelgen seine “Genickblicke” kunstvoll ordnet und durchkomponiert.

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30. März 2008

 Lyrik und Narratologie

Daß in der Lyrik nicht nur für Balladen und Romanzen ‚ereignishafte Geschichten’ mit unterschiedlichen Vermittlungsinstanzen erzählt werden, hat ein Projekt der DFG-Forschergruppe Narratologie an der Universität Hamburg erarbeitet. Wie unter diesem Aspekt Gedichte analysiert werden können, wurde in dem Band „Lyrik und Narratologie“ (2007 erschienen im de Gruyter Verlag Berlin & New York) für 20 Texte der deutschsprachigen Lyrik vom 16. bis zum 20. Jahrhundert gezeigt. Hier folgen vier Beispielanalysen zu Gedichten von Eichendorff, Goethe, Heine und Hölderlin.

 

 

22. März 2008

 Walter Hettche: Goethes Sommerreise 1805

Im Sommer 1805 hat Goethe seine vierte Reise in den Harz unternommen. Dort begegnete er nicht nur zahlreichen bis zu Exzentrik schrulligen Zeitgenossen wie dem Helmstedter Sammler und Universalgelehrten Gottfried Christoph Beireis und dem "tollen Hagen" auf Schloß Nienburg, sondern -- in der autobiographischen Gestaltung in den Tag- und Jahresheften -- schließlich auch sich selbst.

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22. März 2008

 Nicola Gess: »Laß mich in Gesang zerrinnen« – Konstruktionen des Musikhörens

Die Wirkung von Musik auf den Körper des Hörers ist seit der Antike Thema zahlreicher Schriften. Einerseits wird die therapeutische und erzieherische Funktion dieser Wirkung gewürdigt, andererseits ist sie auch immer schon dem Verdacht ausgesetzt, Hörer ihrer Freiheit zu berauben. Von Anfang an ist sie auch an einen Geschlechterdiskurs geknüpft. Zum einen wird die bedrohliche Musik weiblich codiert. Zum anderen werden die Hörweisen der männlichen Hörer und ihre Reaktionen auf die verführerische Musik geschlechtlich konnotiert: Dem Ideal eines männlichen Hörerkörpers, der sich durch Disziplinierungsmaßnahmen – Odysseus’ Fesselung – den Wirkungen der Musik gewappnet zeigt, stehen die passive Hingabe an musikalische Fluten und Platons Schreckbild eines »weichlichen Kriegsmannes« gegenüber. Der Beitrag geht diesem Problemzusammenhang nach. Dabei konzentriert er sich auf einen Zeitraum, in dem er neue und verschärfte Aktualität gewinnt, nämlich die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund der Aufklärungsphilosophie und ihrer Konstruktion eines »autonomen Subjekts« wird die körperliche Wirkung von Musik zunehmend bedrohlicher erlebt. Diese Entwicklung ist erneut mit einem Geschlechterdiskurs verwoben, der in zeitgenössischen Dichtungen über die Musik besondere Formen annimmt: Musik erscheint als mütterliche Verführerin, in deren Reich der männliche Hörer zu versinken droht und der er mit diversen Maßnahmen zum Schutz seiner Autonomie und Männlichkeit begegnen muss. 

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07. März 2008

Christine Haug: „Die Nacht zum Tage zu machen“ – Zur Entwicklung der künstlichen Beleuchtung und ihre Auswirkungen auf das Leseverhalten im 19. Jahrhundert

Die neuen Beleuchtungstechniken des 19. Jahrhunderts ermöglichten – unabhängig der hierfür zur Verfügung stehenden Budgets in den einzelnen Haushalten – die Verlängerung des natürlichen Tageslichts. Wurden zuvor Öllampen genutzt, so erlebte Ende der 1850er Jahre das Gaslicht seinen Durchbruch. Dem französischen Chemiker François Ami Argand war schon 1783 mit der Rationalisierung des Dochtes eine beachtliche Steigerung des Leuchteffekts gelungen. Die Verbilligung von Beleuchtungsstoffen ging unmittelbar einher mit der Möglichkeit, in den Abend- und Nachtstunden zu lesen, mit der Verbilligung von massenhaft produzierten Lesestoffen sowie der Herausbildung neuer Leserschichten und Lektüregewohnheiten.

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07. März 2008

Christine Haug: „Die kleinen französischen Schriften gehen zur Zeit ungleich stärker als aber andere solide Werke ...“ – Der Buchhändler Johann Georg  Esslinger (1710-1775) in Frankfurt/M. und sein florierender Handel mit Geheimliteratur im 18. Jahrhundert

Im mitteleuropäischen Raum entfaltete sich im 18. Jahrhundert mit dem Bedürfnis der Aufklärungsbewegung nach Geheimhaltung ein reger Untergrundbuchmarkt, an dem nicht nur Gelehrte, Sammler und Bibliophile partizipierten, sondern auch progressive Verleger und Buchhändler ein lukratives Zusatzgeschäft witterten. Zu den herausragenden Protagonisten dieses Metiers gehörte der Frankfurter Buchhändler Johann Georg Esslinger, der in ganz Europa Geschäftsbeziehungen zu den Produzenten von Geheimliteratur unterhielt, alle Finessen der Verschleierung beherrschte und zu den ersten Adressen gehörte, wenn es galt, diskret und zügig verbotenes Schrifttum zu beschaffen.

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06. März 2008

Christine Haug: „Ich sehe mit Verlangen der Stunde entgegen, die mich von Brod-Arbeit befreien soll“ – Georg Forster im Beziehungsgeflecht seiner Verleger um 1800

Verleger mit ihren weit reichenden Handelskontakten und Autoren mit ihren intimen Kenntnissen über den europäischen Kultur- und Wissenschaftsbetrieb waren – dies lässt sich am Beispiel von Georg Forster besonders eindrucksvoll aufzeigen – elementare Knotenpunkte von internationalen literarischen Netzwerken, die im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts zugleich konstituierende Merkmale einer modernen, innovativen Unternehmensführung in der Verlagsbranche waren. Am Beispiel der Privatkorrespondenz Georg Forsters mit seinen Verlegern, insbesondere mit Karl Philipp Spener, lässt sich die Multifunktionalität von solchen Netzwerken besonders eindrücklich beschreiben. Die enge Verflechtung von sozialen, literarischen und postalischen Netzen gewährleistete eine maximale grenzübergreifende Kommunikation um 1800; gleichwohl dokumentiert Forsters Verlegerkorrespondenz zugleich die Defizite des Kommunikations- und Literatursystems.

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06. März 2008

Christine Haug: Weibliche Geselligkeit und literarische Konspiration im Vorfeld der Französischen Revolution – Über das Projekt zur Gründung einer Frauenlesegesellschaft in Gießen 1789/1790

Das Verborgene und Unentdeckte genoss im 18. Jahrhundert hohe Attraktivität. Entscheidende Impulse für eine Neubewertung des Geheimnisses lieferte nicht zuletzt die europäische Aufklärungsbewegung; die Gründung der zahlreichen, im Verborgenen agierenden Gesellschaften und Bünde war eine Reaktion der Aufklärung auf die absolutistische Arkanpolitik. Die Pläne zur Gründung einer Frauenlesegesellschaft in der mittelhessischen Universitätsstadt Gießen 1789/1790, die im geistigen Umfeld der radikalaufklärerischen Geheimgesellschaft „Deutsche Union“ entstanden, waren eine Antwort auf die zahlreichen von Männern dominierten Lesegesellschaften, Klubs und Debattierkreise, deren Zahl im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts drastisch angestiegen war.

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06. März 2008

Christine Haug: Die politische Dimension von Eisenbahnlektüre im 19. Jahrhundert. Albert Heinrich Hofmanns Humoristische Eisenbahn- und Reisebibliothek (1853-1896)

Die Expansion der Eisenbahn in Europa um 1850 führte zur Produktion von Buchreihen speziell für Eisenbahnreisende, die sich nicht nur hinsichtlich ihres Formats und ihrer qualitativen Ausstattung den Erfordernissen an Gebrauchslektüre anpassten, sondern in der Frühzeit zudem einen unübersehbaren politischen Impetus besaßen. Die hohe Fluktuation von Reisenden und die dadurch gewährleistete Anonymität des Einzelnen prädestinierten die Bahnhöfe für den raschen Umschlag von politisch unerwünschtem und normverletzendem Lesestoff. Die „Humoristische Eisenbahn- und Reise-Bibliothek“ des Berliner Verlegers A.H. Hofmann zählte zu den frühesten und langlebigsten Reihen dieser Art.

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06. März 2008

Christine Haug: „Die Bibliothek verteidigt sich selbst ...“. Unsichtbare Literatur und verborgene Bibliotheken im 18. Jahrhundert.

Die Beschreibung einer Bibliothek als Ort des Geheimnisses, der Verführung und des Verbrechens gehört zu den literarischen Standardmotiven insbesondere der Grusel- und Schauerromane des 19. Jahrhunderts. Fiktive Bibliotheken folgten ihrer eigenen Architektur und zeichneten sich durch spezielle Zugangs- und Ordnungssysteme aus, die die Exklusivität der literarischen Institution gewährleistete. Den Zugang zum geheimen Wissen mussten sich die Protagonisten über die Dekodierung von kryptischen Schriften oder die Lösung von mystischen Zahlenrätseln erschließen. Während Buchhändler, Buchdrucker und Kolporteure die Beschaffung von Geheimliteratur übernahmen, sorgten findige Möbelbauer für die Bereitstellung von speziellen Aufbewahrungsorten.

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26. Januar 2008

Hannes Fricke: Über Nutzen und Nachteil naturwissenschaftlich-empirischer Erkenntnisse für die Literaturwissenschaft: Neurobiologie, Hirnphysiologie, Traumaforschung und Margarete im Kerker

(München Januar 2008)

„Gretchen-Tragödie“ oder „Margareten Tragödie“ – allzuoft wird Margarete stereotyp als „unschuldiges Opfer“ oder als „weiblicher Gegenpol zu Faust“ bezeichnet. Besonders durch die Anwendung psychotraumatologischer, also auch neurobiologisch fundierter Erkenntnisse (etwa über die nicht kausal und temporal geordnet erfolgende Speicherung von traumatischem Geschehen im Gedächtnis) erscheint Margarete im Kerker aber in völlig anderem Licht. Die Untersuchung versteht sich entsprechend als Modellanalyse über den möglichen Mehrwert, den die Anwendung neurobiologisch fundierten Wissens erbringen kann.

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20. Januar 2008

 Erich Kleinschmidt:
Kulturhermeneutik als Kulturpoetik. Friedrich Schlegels "Über das Studium der griechischen Poesie"

Als ein Text, der in der „Sattelzeit“ (Kosellek) um 1800 den Übergang von statischen kulturhermeneutischen An- und Ausschlusskonzepten hin zu mobilen kulturpoetischen Entwürfen im Modus von Selbstbeobachtung und Selbstbeschreibung exemplarisch vorführt, kann Friedrich Schlegels großer, ab 1794 sich entwickelnder Essay „Über das Studium der griechischen Poesie“ gelten. Seine Struktur wird von dynamischen Argumentationen bestimmt, in denen sich eine „geduldige Destillation“ der kulturhermeneutischen Bestimmung mit dem Schwellendiskurs kulturpoetischer Projektion verbindet. Diese Kopplung, hinter der ein philosophisches Denken in Wechselbezügen steht, begründet und motiviert das innovative, wenn auch nur bedingt schon zu offenem Selbstbewusstsein des Autors verdichtete Projekt und seine Ausgestaltung. Schlegel entwickelt das Leistungsprofil seines sich als „Versuch“ verstehenden Textes eher fragil, stand er doch vor der schwierigen Aufgabe, ein Denken von Identität mit dem von Differenz im Bestimmungsverhältnis der Antike zu den ‚Modernen’ zu realisieren.

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10. Januar 2008

Martin Dönike:
„Diese hier beygelegte Nachrichten sind mir von H. Hirt mitgetheilt worden“ - Anmerkungen zur ersten Beschreibung von Tischbeins Gemälde „Goethe in der Campagna di Roma“

Unter den Bildnissen Goethes zählt J. H. W. Tischbeins Gemälde, das den Dichter in der Campagna di Roma zeigt, sicherlich zu den berühmtesten. Von zentraler Bedeutung im Hinblick auf Entstehung und Deutung des Bildes ist eine im Teutschen Merkur erschienene zeitgenössische Beschreibung, die gemeinhin dem Vetter Tischbeins, Ludwig Philipp Strack, zugeschrieben wird. Der Beitrag weist nach, dass der für die Kunst- und Literaturgeschichte des Klassizismus so eminent wichtige Quellentext gar nicht von Strack stammen kann, sondern tatsächlich von dem damaligen Cicerone und späteren Professor für Theorie und Geschichte der zeichnenden Künste an der Berliner Universität Aloys Hirt verfaßt wurde, der 1786/87 in Rom sowohl mit Goethe als auch mit Tischbein in engstem Kontakt stand.

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10. Januar 2008

Martin Dönike:
Jenseits „edler Einfalt und stiller Größe“ - die „Zerstörung der Familie Priamo“ auf der Weimarer Kunstausstellung von 1803

Am Beispiel der Weimarer Kunstpolitik legt der Beitrag dar, dass sich Kunst und Kunsttheorie des Neoklassizismus keinesfalls auf ein statisches, in Schönheit und Ruhe gleichsam versteinertes Ideal „edler Einfalt und stiller Größe“ reduzieren lassen. Im Zentrum der Betrachtung steht eine aus dem Umkreis J. H. W. Tischbeins stammende Zeichnung nach einem antiken Vasengemälde, das mit der Eroberung Trojas eines der grausamsten Sujets zeigt, das die Kunst der Antike überhaupt kennt. Die Tatsache, dass Goethe und Meyer diese Zeichnung gleichwohl auf der Weimarer Kunstausstellung von 1803 als Muster für junge Künstler präsentierten, zeigt einerseits, wie groß die Bandbreite künstlerischer Ausdrucksgestaltung im Rahmen der Weimarer Kunstlehre tatsächlich war, und belegt zugleich, wie wenig der Klassizismus der Zeit um 1800 dem Klischee von Ausdrucksarmut und Leidenschaftsklosigkeit entspricht.

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01. Januar 2008

 Konrad Feilchenfeldt:
„Seyn“ und „Heissen“ Sprachauffassung und Gesprächsführung im freimaurerischen Diskurs seit Lessing

Schon immer ist es bekannt gewesen, dass alle großen Autoren des 18. Jahrhunderts Freimaurer waren wie Lessing, Goethe, Schiller, Herder, Wieland, Friedrich Schlegel und viele andere, doch die Furcht, Werke dieser Autoren immer nur als Bekenntnisse zur Freimaurerei richtig deuten zu können, hat schon unter den zeitgenössischen Lesern dieser Werke Zweifel an der Zweckmäßigkeit einer solchen Sichtweise geweckt. Der folgende Beitrag ist deswegen ein Versuch, Freimaurerei als Qualität eines Textes nicht über die Mitgliedschaft des Autors in einer Freimaurerloge zu identifizieren, sondern über eine Denkfigur, die sowohl aus freimaurerischer Überlieferung bekannt, als aber auch in literarischen Zeugnissen zu belegen ist, die auf den ersten Blick nichts mit Freimaurerei zu tun haben.

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01. Januar 2008

 Klaus Kanzog:
Wer ist Herr C. in Kleists „Über das Marionettentheater“?

Der erste Satz in Heinrich von Kleists Über das Marionettentheater enthält verschlüsselte Hinweise auf den fingierten Handlungsort ("Als ich den Winter 1801 in M... zubrachte") und auf einen "Hrn. C..." (den "ersten Tänzer  der Oper"), deren Dechiffrierung den Kleistforschern stets Schwierigkeiten bereitete. Im folgenden Beitrag wird erstmals dargelegt, daß die  Bezugnahme auf Mailand und den berühmten Tänzer Francesco Clerico Kleist Strategie des  Namenbezugs am ehesten erhellt.

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