goethe

Goethe, Schiller und die Goethezeit auf Google+

Empfehlungen der Redaktion

04. Dezember 2007

Horst Jesse:
Goethe und Lavater im Gespräch über den christlichen Glauben. Erkenntnis des Göttlichen oder Bekenntnis zu Jesus Christus

Wie ein roter Faden zieht sich durch die deutsche Geistesgeschichte das fortlaufende Gespräch zwischen dem christlichen Glauben und der Möglichkeit einer autonomen Persönlichkeit im Sinne der Aufklärung. Der Aufklärer und Dichter Johann Wolfgang von Goethe und der fromme Pfarrer und Dichter Johann Kaspar Lavater (1741–1801) haben darüber einen intensiven Meinungsaustausch geführt. Horst Jesse, Vorstandsmitglied der Goethe-Gesellschaft München, faßt ihn zusammen.

 PDF-Fassung 

 

24. November 2007

Ritter, Alexander:
„Ich bin bey […] meinem alten Freunde Dieterich mit den Ohren im Rückstand“ Supplement zur Korrespondenz Johann Gottwerth Müller (Itzehoe) und Johann Christian Dieterich (Göttingen)

Der Beitrag ergänzt die Briefedition der Korrespondenz von Johann Gottwerth Müller mit seinem Verleger Johann Christian Dieterich: „[...] ich bin freygebohrener Hamburger, und lasse meine Freyheit durch nichts unter der Sonne beschränken“. Die Korrespondenz des ‚freien Schriftstellers’ Johann Gottwerth Müller (gen. von Itzehoe) mit seinem Verleger Johann Christian Dieterich (Göttingen) zwischen 1788 und 1791.

 PDF-Fassung 

 

 

10. November 2007

Gunter E. Grimm:
Autorenbilder. Funktionen – Ikonographie – Rezitation

Der Beitrag „Autorinszenierungen“ führt im ersten Teil die von den Schriftstellern angewandten Techniken vor, derer sie sich zur Behauptung auf dem literarischen Markt bedienen sowie bzw. wie sie von anderen Institutionen instrumentalisiert werden. Der zweite Teil behandelt den optischen Aspekt dieser Selbstdarstellung, der dritte widmet sich der Rezitation und ihrer Geschichte. Der Bildanhang vermittelt einen reichhaltigen Eindruck, wie Autoren aus Vergangenheit und Gegenwart sich in der Öffentlichkeit präsentieren.

 PDF-Fassung 

 

 

 

31. Oktober 2007

Gerald Bär:
Cornelia Goethe oder: "Große Engländerin" und "Fliegendes Schaaf"

Wenn Cornelia Goethe von ihrem Bruder als „große Engländerin“ und von ihrem Ehemann, Johann Georg Schlosser indirekt als „fliegendes Schaaf“ bezeichnet wurde, so markierte dies ihre besondere Situation innerhalb, oder besser gesagt, außerhalb der bestehenden Verhaltensnormen. Beeinflußt durch die Romane Samuel Richardsons, durch ihren Kontakt mit Sophie von Laroche und durch den Briefwechsel mit Johann Wolfgang Goethe, wurden Cornelias schriftstellerische Ambitionen zwar angeregt; sie ließen sich jedoch nicht verwirklichen. Ihre Ehe und die daraus resultierende Rollenerwartung, sowie die geographische Ferne zu ihrem früheren literarischen Freundeskreis sind nur einige der Faktoren, welche ihr kurzes Leben bestimmen sollten.

 PDF-Fassung 

 

03. August 2007

Birte Carolin Sebastian:
Die Rezeption Goethes in "Le Globe": Von Weimar nach Paris

Die vorliegende Studie Die Rezeption Goethes in „Le Globe“ untersucht, wie Goethe zu seinen Lebzeiten in der berühmtesten literarischen Zeitschrift der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Frankreich rezipiert wurde. Wie wird Goethe, ein „grenzüberschreitender“ Autor, der zudem den Begriff der „Weltliteratur“ geprägt hat, in dieser bedeutenden französischen Zeitschrift aufgenommen, dargestellt und beurteilt?

Damit stellt die Arbeit gleichsam ein Pendant zu der 1998 im Böhlau Verlag erschienen Studie von Heinz Hamm >Le Globe<; Eine Lektüre im Zeichen der Weltliteratur dar. Darin hat Hamm sämtliche Textzeugnisse, Übersetzungen, Notizen, sowie die aufgrund von Anstreichungen und Exzerpten nachweisbar von Goethe gelesene Artikel zusammengestellt.

Die Studie besteht aus zwei Teilen: zunächst aus einem umfangreichen Anhang mit einer zuverlässigen Übersetzung sämtlicher Globe-Artikel über Goethes Werke und einer regestenmäßigen Erfassung möglichst aller weiterer Erwähnungen Goethes in der Zeitschrift im Zeitraum von 1824-1830, der im wesentlichen der Lektürezeit Goethes entspricht. Dieser Anhang ist ein ungemein nützliches Arbeitsinstrument für jeden komparatistisch interessierten Goethe-Forscher. Der Böhlau Verlag in Weimar hat diesen Teil der Untersuchung mitsamt den Original-Übersetzungen und Regesten als Quellenedition herausgebracht: Sebastian, Birte Carolin: Von Weimar nach Paris. Die Goethe-Rezeption der Zeitschrift »Le Globe«.


Der hier ins Goethezeitportal gestellte zweite Teil der Dissertation analysiert die Thematisierung von Goethes Werken in der politisch liberalen und literarisch den Romantikern nahe stehenden Zeitschrift »Le Globe«.

Das Kernstück der Arbeit ist die Darstellung des „Goethebilds“ in der Zeitschrift »Le Globe«: und zwar mittels knapper Präsentationen der im Anhang übersetzten Original-Globe-Artikel über einzelne Werke Goethes in werkchronologischer Folge. Der erste erstaunliche Befund dabei ist, daß in dem knappen Zeitraum von sechs Jahren nicht nur fast alle Hauptwerke Goethes (mit Ausnahme der Wahlverwandtschaften, des West-östlichen Divans und der Wanderjahre) in dieser Zeitschrift zur Sprache kommen, sondern selbst Nebenwerke wie Die Mitschuldigen, Der Triumph der Empfindsamkeit, Jery und Bäteli oder Goethes Revolutionskomödien.

Das werkchronologische Darstellungsprinzip wird bewußt gleich beim ersten Stück durchbrochen, indem die Leiden des jungen Werther an die Spitze gestellt werden: Goethes größter Erfolg in Frankreich, dem später allenfalls der Faust I an die Seite trat – und im 20. Jahrhundert die Wahlverwandtschaften. Unter den sechs Artikeln, in denen die Leiden des jungen Werthers behandelt werden, finden sich zwei Übersetzungen aus dem Englischen, und aus dem Deutschen, die gleichwohl dank ihrer Auswahl für das positive Goethe-Bild der Zeitschrift aufschlußreich sind. Für dieses zentral sind aber die beiden Artikel des Mitbegründers der Diziplin der ‚Littérature comparée’, Jean-Jacques Ampère d. J., anläßlich von Albert Stapfers Neuübersetzung der dramatischen Werke Goethes, in denen Ampère zunächst auf den Werther als Goethes erfolgreichstes Werk in Frankreich eingeht. Dabei folgt Ampère weitgehend den Bahnen, die Madame de Staël in De l’Allemagne (1810/1813) eröffnet hatte, hebt aber gleichzeitig die zeitgeschichtlichen Bezüge – die ‚Leiden des jungen Goethe’ – dieses Jugendromans hervor und thematisiert auch die Fortschritte der Übersetzung im Laufe des seither verstrichenen halben Jahrhunderts.

Nach Goethes hier völlig überraschend behandeltem Jugenddrama Die Mitschuldigen, dem Ampère so vage wie unzutreffend biographische Motive unterstellt, ist dessen Behandlung von Götz von Berlichingen ein weiterer wichtiger Mosaikstein des Goethe-Bilds von Le Globe, indem hier ein ungleich positiveres Urteil über dieses gesamteuropäisch bahnbrechende historische Drama abgegeben wird als in dem ein Jahr später aus dem Deutschen übersetzten, viel normativeren Artikel des Historikers und früheren Jenaer Professors Carl Ludwig von Woltmann.

Die Besprechungen von Faust I bilden ein weiteres Herzstück der Arbeit. Wenn Ampère generell bestrebt war, „Goethe in seinen Werken zu suchen“, so erblickte er in Goethes Faust „den vollständigsten Ausdruck, den er von sich gegeben habe“. Wie er dies im Ganzen durchführte, fand Goethes vollen Beifall. Die Globe-Besprechungen von Goethes Lyrik bleiben erwartungsgemäß ziemlich unergiebig, die zu Wilhelm Meisters Lehrjahren unerwarteterweise auch. Die schließlich zusammengetragenen Aspekte zu „Goethes Wesens- und Persönlichkeitdarstellung“ aus dem Globe folgen fast durchweg dem Muster des Geniekults in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie er in Angers’ monumentaler Goethe-Büste seine vollkommene Darstellung gefunden hat.

Was also zunächst lediglich wie eine ausführliche und umfangreiche Materialerstellung anmutet, erweist sich doch im Ergebnis als erkenntnisfördernder Beitrag zu wesentlichen Entwicklungsproblemen der Kulturgeschichte in Frankreich und Deutschland. Es ist natürlich kein Zufall, dass die Wirkungsdimension Goethes dabei im Vordergrund steht, so fragwürdig der Begriff der „Goethezeit“ auch sein mag, hier erweist er seine Triftigkeit.

  PDF-Fassung 

 

 

09. Juli 2007

Anton Philipp Knittel: Bruchstücke einer Konfession
Frömmigkeitsgeschichtliche Anmerkungen zu Wilhelm von Kügelgens „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“
(1870)

Wilhelm von Kügelgens „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“, 1870 erstmals erschienen, erlebten bis in die 20-er Jahre des vergangenen Jahrhunderts weit mehr als 230 Auflagen. Sie waren nicht nur über Jahrzehnte hinweg ein beliebtes Konfirmationsgeschenk, sondern ein „Kultbuch“ des deutschen Bürgertums. Die Autobiografie des ehemaligen Hofmalers und Kammerherrn des letzten Herzogs von Anhalt-Bernburg ist jedoch weit mehr als eine beschauliche Jugendgeschichte aus der Zeit des Vormärz, als die sie die Literaturwissenschaft zur Kenntnis genommen hat. Im Rückgriff auf kunstgeschichtliche und religiöse Schriften wie auch auf biografische Dokumente ihres Autors Wilhelm von Kügelgen wird deutlich, dass sie zugleich als religiöse Rechtfertigung des ermordeten Vaters Gerhard von Kügelgen als auch seines Sohnes Wilhelm gelesen werden können. Dabei treten wichtige Aspekte der verschiedenen protestantischen Glaubensströmungen der Zeit zutage.

  PDF-Fassung 

 

 

21. Juni 2007

Anna Teresa Macías García:
Arpa y arpa eólica en la obra de Johann Wolfgang von Goethe

Two hypotheses were set for this work: the role of the harp and Aeolian harp as literary motifs in the oeuvre of Johann Wolfgang von Goethe, and their concrete meanings. These would be either inherited from the literary tradition or personal. The two aims of this work were the confirmation of both hypotheses and the identification of the different kinds of harps that Goethe knew throughout his life. The meaning of the harp as motif is almost always inherited from the literary tradition; it can also work as a metonymy of poetry. Goethe met some of the most famous harpists of his time; most of them played single-action harps. He was also familiar with the phenomenon of the wandering harpists, who used hook-harps. These personal experiences led to a personal meaning of this instrument in some of his literary works, such as the character of the harpist in Wilhelm Meisters Lehrjahre. The most original meaning of the harp can be found in two fantastic tales: Märchen and Der neue Paris, where this instrument works as attribute of fantastic creatures that show positive features. The Aeolian harp always works as a literary motif in Goethe’s oeuvre and has several meanings: the spiritual world in Faust, the musicality of Serbian folksongs in “Über serbische Lieder”, or the spiritual union and sensitiveness of the human soul in Äolsharfen. Therefore, the different meanings of the harp and Aeolian harp in Goethe’s work practically vary from work to work: some are inherited from the literary tradition and others are personal of the author. It is precisely in this diversity of meanings where the richness of these literary motifs is based.

  PDF-Fassung

 

 

12. Juni 2007

Gunter E. Grimm:
Faust-Opern. Eine Skizze

Der Beitrag skizziert die Bemühungen, den Fauststoff für die Opernbühne zu vertonen. Am Beispiel der Opern von Ludwig Spohr, Hector Berlioz, Charles Gounod, Arrigo Boïto, Ferruccio Busoni und Alfred Schnittke wird gezeigt, dass alle Versionen Ausdruck ihrer Epoche sind. Dabei ist es kein Zufall, dass die in der Aufklärung entwickelte optimistische Version des Faustdramas in der Gegenwart durch die ursprüngliche, in der „Historia“ gebotene Version verdrängt wird: Manifestiert sie doch eine existentielle, für Umbruchzeiten charakteristische Normen-Krise.

 PDF-Fassung   

 

 

24. April 2007

Michael Dusche:
Europe’ and ‘The Islamic World’ – Perceptions and Stereotypes

Pope Benedict XVI’s Regensburg lecture has been exposed by some learned voices of 'the Muslim world' as alluding, by the means of one particular quotation, to age-old stereotypes about Islam being an essentially violent creed in which moderation through reason has no legitimate place, and of representing Muhammadas an evil and inhuman man who preached that Islam should be spread by the sword. While none of these presumably 'Muslim' voices deny that the Pope has the right to express his opinions, even when they are plainly wrong in the face of historic facts that show how Islam and Christianity were spread (or were made to spread) across the world, he is criticised for a host of omissions in terms of intellectual honesty and factual accuracy. These omissions, it is argued here, cast an unfortunate light on the compatibility of scientific and religious rationality much advocated by the Pope in his 12 September 2006 lecture. This flagrant 'performative contradiction' (Habermas) leaves room for speculation about the true aim of the speech. Is Benedict XVI's appeal to theology as a legitimate academic discipline a credible attempt to explicate Roman Catholicism's rightful place in a modern world governed by liberal democracy and ethical-political pluralism, or is it a reflection of a move to restore the age-old, intolerant, anti-scientific, and anti-democratic legacy of the pre-Vatican II Catholic Church?

 PDF-Fassung   

 

 

05. April 2007

Julia Wagner:
Die Turmgesellschaft in Wilhelm Meisters Lehrjahre

Die Magisterarbeit befasst sich mit dem in der Forschung bis heute nicht befriedigend gelösten Problem, welche Rolle die Turmgesellschaft in Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre" spielt. Die Verfasserin vertritt die These, dass die "Lehrjahre" als Archiv zeitgenössischer Wissensgebiete und Experiment der Turmgesellschaft verstanden werden könne, welches wiederum dieses Archiv dynamisiere. Die Turmgesellschaft repräsentiere somit das Organisationsprinzip des Romans.

  PDF-Fassung

 

 

17. Januar 2007

Achim Geisenhanslüke und Dieter Heimböckel:
„Deux afflictions mises ensemble peuvent devenir une consolation“. Theodizee bei Jean Paul und Heinrich von Kleist

Die Denkfigur der „faute heureuse“, der wechselseitig sich aufhebenden Übel – „deux afflictions mises ensemble peuvent devenir une consolation“ – ist eine bei Voltaire nachweisbare Theodizee-Vorstellung, die Jean Paul und Heinrich von Kleist einer kritischen Perspektivierung unterziehen Jean Paul bedient sich des Mittels romantischer Ironie, um sich von der Maxime zu distanzieren, die seinem Protagonisten Quintus Fixlein ins rechte Leben im Falschen verhelfen soll. Kleist, radikaler als seine Zeitgenossen, subvertiert die Logik der Aufklärung, indem er sie, wie das Beispiel seiner Novelle Das Erdbeben in Chili belegt, einer Bewegung der Inversion einschreibt, die alle Versöhnungsabsichten des Theodizee-Gedankens in einen irrwitzigen Schwindel versetzt.

  PDF-Fassung

 

 

Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit