Quellen und Studien zur Bildungs- und Kulturgeschichte


  Jutta Assel und Georg Jäger:
Spruchkarten des Wiener Historismus

(München Juli 2010)

Ein Jahreszeitenzyklus im Stil des Wiener Historismus zeigt Dichtersprüche von Lessing, Lichtenberg, Jean Paul, Goethe, Schiller und Anderen. Vor jahreszeitlichen Landschaftskompositionen agieren Putti, Genien und Engel. Die Kompositionen überraschen durch phantasievolle und komplexe Montagen.

 

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  Jutta Assel und Georg Jäger:
Ostern in Bildern und Texten. Eine Dokumentation
 zu Ostern 2010: »Osterlämmer«

(München März 2010)

Auch dieses Jahr stellt das Goethezeitportal Bilder und Texte zu Ostern bereit. Ostern wird in ihnen durchweg als Aufbruch der Natur gefeiert. Das religiöse Verständnis des Osterfestes, auf das häufig in Texten, seltener in den Postkartenbildern angespielt wird, bleibt im Hintergrund. Als Motive dienen u.a. Kinder, Lämmer, Küken und Eier, Frühlingslandschaft und Frühlingsblumen, besonders auch Palmkätzchen. Der Schwerpunkt liegt diesmal auf Motiven mit Lämmern. So wie das Lamm traditionell als Zeichen des Lebens und der Unschuld verstanden wird und sein weißes Fell die innere Reinheit und Frömmigkeit symbolisiert, verweist das Osterlamm (Agnus Dei) in christlicher Sicht auf den Gottessohn, der unschuldig für die Menschen gestorben ist.

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  Jutta Assel und Georg Jäger:
Prosit Neujahr! Eine Dokumentation zu Neujahr 2010

(München Dezember 2009)

Das Goethezeitportal hat eine Zeichnung „Sylvester-Abend“ (nach 1835), alte Postkarten und Texte zusammengestellt, um all seinen Freunden und Lesern damit ein glückliches Neues Jahr zu wünschen. Thematischer Schwerpunkt ist diesmal das Zuprosten zu Beginn des neuen Jahres.

 

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 Jutta Assel und Georg Jäger: 
"O du fröhliche Weihnachtszeit". Die Bescherung

(München Dezember 2009)

Wussten Sie, dass die Melodie zum Weihnachtslied „O du fröhliche“ von einem sizilianischen Schifferlied stammt, das Herder aufzeichnete? Dass der Text für ein Weimarer Rettungshaus für verwaiste und verwahrloste Kinder geschrieben wurde? Dass der Weihnachtsbaum im späten 18. Jahrhundert aufkam und erst im Laufe des 19. Jahrhunderts weite Verbreitung fand? Die diesjährige Weihnachtsseite stellt mit Bildern und Texten die Bescherung in den Mittelpunkt. Dokumentiert werden Weihnachtsfeiern der Fürstin Metternich in Wien, im preußischen Herrscherhaus und bürgerlichen Kreisen.

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 Jutta Assel und Georg Jäger:
Ostereier in Bildern und Texten.
Eine Dokumentation zu Ostern 2008 

(München März 2008)

Hei, juchhei! Kommt herbei! 
Suchen wir das Osterei!

                                           (Hoffmann von Fallersleben)

Mit einer bunten Reihe von meist altkolorierten Fotomontagen aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg wünschen wir unseren Usern fröhliche Ostern. Ostergedichte, Texte zum Brauchtum und alte Lexikaartikel umspielen die Bildstrecke.

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 Jutta Assel und Georg Jäger: Gedankenharmonie aus Goethe und Schiller

(München Januar 2007)

Die weitverbreitete „Gedankenharmonie aus Goethe und Schiller. Lebens- und Weisheitssprüche aus deren Werken. Ein Führer durch das Leben und die sittliche Welt“ wollte „dem deutschen Volk und besonders den deutschen Frauen jenen Reichthum allgemeingültiger Wahrheiten aus allen Gebieten des geistigen und sittlichen Lebens, der in den Werken unserer beiden größten Dichter enthalten ist, in übersichtlicher Zusammenstellung vorführen.“ Sie stellt „die Aussprüche beider Dichter über Gott und Natur, Liebe und Ehe, über die Fragen der sittlichen Welt und die Aufgaben des Lebensgenusses, über Vaterland und Freiheit, Kunst und Wissen“ einander gegenüber und möchte auf diese Weise „die Verschiedenheit der Weltanschauung, des innersten Charakters und Strebens“ vor Augen führen. Das Goethezeitportal stellt die Sammlung vor und gibt Beispielseiten sowie die Fardruckbilder wieder.

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 Jutta Assel und Georg Jäger: 
"Stille Nacht, heilige Nacht!" und das Weihnachtsfest

(München Dezember 2006)

„Stille Nacht, heilige Nacht!“, das bekannteste deutsche Lied: Wer hat es wann gedichtet und komponiert? Die Ausgestaltung von Weihnachten zum Familien- und Kinderfest im 19. und frühen 20. Jh.: Lichterbaum, Bescherung, Weihnachtsmann etc.

Das Goethezeitportal dokumentiert die Kulturgeschichte des Weihnachtsfestes in Bildern und alten Postkarten, einer Mischung von Kitsch und Kunst.

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 Jutta Assel und Georg Jäger: 
Quellen und Studien zur Bildungs- und Kulturgeschichte: Spruchkarten

(München Dezember 2006)

Postkarten mit Sprüchen werden zu religiösen, erbaulichen und propagandistischen Zwecken genutzt. Bei den Sprüchen handelt es sich zumeist um kurze, eingängige Texte, Sinnsprüche und Spruchweisheiten. Den Markt beherrschen die religiösen Karten. In deren Nachfolge traten die Dichter-Spruchkarten, die den Text oft mit einem Porträt des Autors verbinden. Besonderer Beliebtheit erfreute sich Goethe, dessen Sprüche alle Lebenslagen kommentieren. Zu Reihen zusammengefaßt, wurden die Spruchkarten zur weltanschaulichen Propaganda, zur moralischen Erneuerung oder ideologischen Aufrüstung eingesetzt. Das Goethezeitportal bietet eine erste Auswahl.

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 Jutta Assel und Georg Jäger: 
Quellen und Studien zur Bildungs- und Kulturgeschichte: Maximilian Dasio – Geburtstagsschrift 1920

(München Oktober 2006)

Wiedergegeben wird die privat vervielfältigte Geburtstagsschrift der Schüler der „Klasse Dasio“ der Kunstgewerbeschule in München zum 55. Geburtstag ihres Lehrers Maximilian Dasio (1865-1954). Die Schrift dokumentiert das gesellige und kulturelle Leben an der Kunstgewerbeschule sowie den ironischen und spielerischen Umgang mit Wort- und Bildzitaten, u.a. von Dürer, Goethe, Schiller und Wilhelm Busch.

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 Jutta Assel und Georg Jäger: Verzierte Briefbogen mit Klassikerzitaten

(München Juli 2006)

Verzierte Briefe, einst in Mode, dokumentieren die Klassikerrezeption in der Gebrauchskultur. Die hier wiedergegebenen Briefe mit Klassiker-Zitaten wurden zwischen 1892 und 1897 in München geschrieben. Die Zitate sind, ohne Rücksicht auf ihren Zusammenhang im literarischen Text, so gewählt, dass sie sich auf die Situation beim Schreiben und Empfangen eines Briefes beziehen lassen. Auf diese Weise wird mit den Texten spielerisch und reflexiv umgegangen.

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 Wulf D. und Akka v. Lucius: Anmut und Würde. Bücher und Leben um 1800

(Stuttgart Juli 2006)

Katalog zur Ausstellung in Göttingen und Stuttgart 2005-2006
(mit freundlicher Genehmigung nach Vorlage des Verlages Lucius & Lucius)

Ausgehend von der von klassizistischen Stilelementen geprägten Buchästhetik zwischen 1775 und 1825 zeigt die Ausstellung, wie sich bestimmte Lebensbereiche in den Büchern und Zeitschriften der Zeit spiegeln. Dabei beschränkt sich die Darstellung bewusst auf jene Aspekte des Lebens der Epoche, die "Anmut und Würde" ausstrahlen oder zumindest intendieren.

Inhalt: Ästhetische Leitbilder (Antike, Gotisches und Exotisches), Buchästhetik des Klassizismus (Typographie, Illustration, Livres à vignettes, Einbände), Lebensbereiche (Die glückliche Jugend, Frau und Familie, Freundschaft, Stammbücher, Geselligkeit und Spiel, Musik und Tanz, Theater, Mode), Lebensräume (Die Entdeckung der Stadt, Gartenkunst, Landschaften), Literarisches Leben.

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  • *RETRODIGITALISIERUNG
    Ernst Christian Trapp:
    »Ueber den Unterricht in Sprachen« (1788)

Ernst Christian Trapp (1745-1818), ein führender Vertreter der spätaufklärerischen Pädagogik, des Philanthropismus, übernahm an der Universität Halle 1779 die erste Professur für Philosophie und Pädagogik auf deutschem Boden. Den Sprachunterricht behandelt er im elften Band der „Allgemeinen Revision des gesammten Schul- und Erziehungswesens“ (1788), einem Sammelwerk, in dem die Philanthropen ihre Reformideen entwickelten. Trapp verneint die Frage „Ob das Sprachstudium seinen bisherigen Rang unter den Schulstudien mit Recht habe, und also noch ferner behaupten könne?“, indem er zwischen „Sprach-„ und „Sachgelehrsamkeit“ unterscheidet und einem aufklärenden und nützlichen Sachwissen den Vorzug gibt. Das Goethezeitportal retrodigitalisiert diese programmatische Schrift in Auszügen.

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  • *RETRODIGITALISIERUNG
    Félicité Ducrest de Saint-Aubin, Gräfin von Genlis:
    »Englische und Deutsche Gespräche« (1809)

„Das schwerste“ bei Erlernung der englischen Sprache – so schreibt der Verleger – ist „die Kenntnis und Anwendung der Idiotismen oder eigenthümlichen Redensarten derselben“. Zu deren Einübung sei „dieses kleine Werkchen verfasst; durch dieses wird man mit der Sprache des gemeinen oder bürgerlichen Lebens bekannt, und erwirbt sich die Kenntniß des wahren Charakters, des Geistes, und der Originalität der Englischen Sprache“. Dieses frühe Übungsbuch von 1809 wird im Goethezeitportal im Volltext digitalisiert. Von Interesse ist es für den Alltags- und Kulturhistoriker sowie speziell für die Geschichte des Englischunterrichts in Deutschland.

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  • *RETRODIGITALISIERUNG
    Christian Friedrich Falkmann:
    Einige Bemerkungen über den Unterricht in den neuern Sprachen

Christian Friedrich Falkmann (1782-1844) hatte mehrere Fremdsprachen als Autodidakt gelernt, was ihn im Rahmen seiner Hauslehrerstelle, die auf das Theologie-Studium an der Universität Göttingen folgte, dazu befähigte, seine adligen Zöglinge auf mehreren Auslandsreisen zu begleiten. Ab 1813 war er Lehrer, später Rektor am Gymnasium zu Detmold, wo er überdies jahrelang Privatunterricht in den neueren Sprachen erteilte. Falkmanns besonderes Interesse galt der englischen Sprache und Literatur. Seine methodischen Grundsätze für den Englischunterricht erörterte er in der Schulprogrammschrift "Einige Bemerkungen über den Unterricht in den neueren Sprachen" (Lemgo 1839), die erstaunlich innovative Ideen, etwa über die vier Fertigkeiten, die hier erstmals als Kern der Sprachbeherrschung beschrieben werden, mit traditionellen Elementen vereint.

Falkmanns Schrift stellt somit in mehrfacher Hinsicht den Übergang zwischen der Aufbauphase des Englischunterrichts bis etwa 1840 und der Konsolidierung als Schulfach ab diesem Zeitpunkt dar. Sie wird hier im Original reproduziert.

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Mehr als vierzig Jahre vor der neusprachlichen Reformbewegung, die eine große Anzahl von Schriften hervorbrachte, in denen Fremdsprachenlehrer ihre eigene Unterrichtspraxis reflektiert darstellten, schuf Christian Friedrich Falkmann (1782 bis 1844) als Resultat seines langjährigen Fremdsprachenunterrichts eine fertigkeitsorientierte neusprachliche Methodik. Hauptkennzeichen seines Ansatzes ist die klare Ausrichtung auf das angestrebte Lehrziel: nämlich die rezeptive und produktive Beherrschung einer lebenden Fremdsprache; dazu gehört eine umfassende Unterweisung in Aussprache und Intonation sowie in der Lexik. Als weitere Merkmale stechen Progression und Vielfalt der empfohlenen Unterrichtsverfahren hervor. Der Vergleich mit den methodisch-didaktischen Schriften von Carl W. Mager zeigt, daß Falkmann die modernen Fremdsprachen stärker als nützliche Realfächer unterrichten möchte und sich über die Inhalte und das zu vermittelnde grammatische Wissen, also über den philologischen Aspekt, mit dem Mager sich ausführlich beschäftigt, kaum äußert. Insbesondere Falkmanns Ausführungen zur methodischen Gestaltung des Fremdsprachenlernens zwingen uns dazu, Fehlurteile über das frühe 19. Jahrhundert als einer Zeit der am altsprachlichen Unterricht orientierten monotonen Grammatik-Übersetzungsmethode zu relativieren.

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Bei den um 1800 bereits weitgehend ausgeprägten ideengeschichtlichen Grundlagen, die für die Gestaltung des höheren Mädchenschulwesens in Deutschland im Verlauf des 19. Jahrhundert maßgebend werden sollten, handelt es sich um die dreifache weibliche Bestimmung durch die Philanthropen, die Geschlechterpolarität der deutschen Idealisten sowie radikal-emanzipatorische Ansätze bei Hippel und Wollstonecraft. Der Beitrag erläutert diese drei Leitbilder  und entwickelt auf dieser Grundlage folgende These: Die Verspätung der Institutionalisierung des deutschen höheren Mädchenschulwesens im Vergleich zum höheren Knabenschulwesen um 100 Jahre ist nicht auf mangelnde ideengeschichtliche Grundlagen zurückzuführen. Der Grund dafür ist vielmehr ein auch im internationalen Vergleich überwiegend rückschrittliches Frauenbild. Damit einher ging ein lange vorherrschendes Desinteresse von Seiten des Staates und der Öffentlichkeit an der höheren Mädchenbildung, das erst durch die Bildungsbestrebungen der deutschen Frauenbewegung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wirksam aufgebrochen werden konnte.

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Für Friedrich Gabriel Resewitz – Abt des Klosters Berge, Repräsentant der aufklärerischen Pädagogik – ist der „gemeine Menschenverstand“ das Fundament der Erziehung des Bürgers. Um ihn auszubilden, stützt er sich auf sinnliche Anschauung, alltägliche Erfahrung und natürliche Empfindung. Die Schrift ist eine hervorragende Quelle für die Anthropologie der Spätaufklärung und deren Umsetzung in eine Erziehungsmethode, die in 37 Regeln entfaltet wird. Die erste Regel lautet: „1) Bringe alles, so viel möglich ist, für die Sinne; laß es oft sehen und genau betrachten. Dieß ist der Weg der Natur, und zugleich das Mittel, das Genie zu erwecken und zu bereichern.“

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Der Entwurf fällt in die Zeit der aufklärerischen Schulreformen im Hochstift Würzburg. Er wurde in der Regierungszeit von Adam Friedrich von Seinsheim erarbeitet, der seit 1755 fast ein Vierteljahrhundert lang dem Würzburger, seit 1759 auch dem Bamberger Hochstift vorstand. Der Text gibt Einblick in das höhere Bildungswesen eines katholischen geistlichen Fürstentums, in eine Welt mithin, die mit der Säkularisation unterging. Die „Schulen“ vereinigen gymnasiale und akademische Bildung und nehmen besondere Rücksicht auf die Ausbildung von Geistlichen.

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Der Philologe Johann Andreas Schmeller - Begründer des „Bayerischen Wörterbuchs“ - rechtfertigt in seiner Antrittsvorlesung an der LMU München 1827 das Studium der alt- und mittelhochdeutschen Literatur und Sprache. Er betont die „subjective und nationale“ Bedeutung dieses Erbes für Deutsche: „Liegt uns doch daran, zu wissen, wie unsre Vorältern sich kleideten, sich bewaffneten, wie sie wohnten, sich unterhielten, kämpften u.s.w. Sollte es uns gleichgültig seyn, zu wissen, wie sie sprachen, wie sie dachten? Und in diesem Sinne darf mit Grunde behauptet werden, daß Derjenige nicht sagen kann, er kenne vollkommen die Geschichte seines Volkes, der nicht zugleich sagen kann, daß er auch die Sprachkunstwerke, durch die in der schönsten Zeit dieses Volkes die Edelsten und Beßten desselben ergetzt und begeistert worden sind, in ihrer Urgestalt gelesen und verstanden habe.“

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Wie sieht eine Realschule (Bürgerschule) um 1800 aus? Friedrich Gedike, Protagonist der Berliner Aufklärung und zentraler Bildungspolitiker Preußens, maßgeblich beteiligt an der Einführung der Reifeprüfung, entwirft ein idealtypisches Modell. Zunächst umreißt er den Aufbau des Schulwesens von der Elementarschule an, geht sodann auf das Verhältnis der Realschule zum Gymnasium ein und skizziert die Lehrinhalte und Lernziele der Bürgerschule. So ergibt sich ein anschauliches Bild von der aufklärerischen Reform des weiterführenden Unterrichts für Handwerker, Kaufleute usw.

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Der bayerische Bildungsreformer Heinrich Braun plädiert für die Vorrangstellung des Denkens vor dem Reden, er verlangt eine sachbezogene Ausdrucksweise im mittleren Stil, eine „ungekünstelte“ und „natürliche“ Schreibart. Damit ist die Rede nicht nur ein frühes Dokument der süddeutschen Aufklärung, sondern auch ein Dokument der deutschen Sprachgeschichte. Auszug:„Man bilde sich einen Redner ein, der anstatt gründlicher Beweise die Theile seiner Rede mit einem großen Vorrathe seltener oder übel angebrachter Gelehrsamkeit anfüllet. Der Ehrgeiz, den man hat, weise und gelehrt zu scheinen, machet, daß er fremde Zeugnisse über Zeugnisse, und Stellen über Stellen, Kernsprüche über Kernsprüche, Gleichnisse über Gleichnisse häufet, wovon sich oft kaum der halbe Theil zur Sache schicket […] Man bilde sich endlich einen Redner ein, der das Hauptwesen der Beredsamkeit in den Aeußerlichen setzet: er will durch Tropen, durch Figuren, durch Redensarten gefallen; das Ohr durch wohlklingende Periode kützeln, in welchen alle Worte gezählet, alle Sylben abgewogen sind: das heißt: man suchet den Mangel der Gedanken durch die Menge und Wahl der Worte zu ersetzen, und warum dieses? Weil es leichter ist, Reden als Denken.“

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Schulreform der Aufklärung:

Das Goethezeitportal publiziert drei Quellenschriften, die exemplarisch für die aufklärerische Schulreform in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts stehen: Seibts Prager Rede über die Notwendigkeit einer guten Erziehung für die „Glückseligkeit“ des Staates und seiner Bürger, Afsprungs Aufruf für die gänzliche Umgestaltung des Schulwesens in der Reichsstadt Ulm und die Mustereinrichtung des Ingolstädter Gymnasiums durch den bayerischen Schulreformer Braun. Zusammen geben sie ein Bild von den Leitlinien aufklärerischer Pädagogik und deren Umsetzung.

 

 

Afsprungs Schrift ist das Dokument eines „Patrioten“, der sich für das Gemeinwohl seiner Heimatstadt, der freien Reichsstadt Ulm engagiert. Er entwirft ein aufklärerisches Konzept für die „bürgerliche“ wie für die „gelehrte Erziehung“ sowie das anschließende Studium. Afsprung, der in einem Wanderleben die verschiedensten Schultypen kennen lernte, faßt die Hauptpunkte der Kritik am hergebrachten lateinischen Schulwesen zusammen. Politisch orientiert er sich an den Landsgemeinden schweizerischer Kantone - eine Einstellung, die ihn zum Anhänger der Französischen Revolution werden ließ.

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Der Entwurf der Einrichtung des Gymnasiums in Ingolstadt von 1776 ist ein Musterfall der aufklärerischen Gymnasialreform im katholischen Raum. Verfasst ist die Broschüre von Heinrich Braun, der die Schulreformen in den 60er und 70er Jahren des 18. Jahrhunderts im Kurfürstentum Bayern leitete. Sie entwickelt die Grundsätze der „gelehrten Erziehung“ und geht vor allem auf den Unterricht in den Sprachen (Deutsch, Latein, Griechisch) und der Geschichte ein. Das in seinen grundsätzlichen pädagogischen und fachdidaktischen Ausführungen noch heute lesenswerte Dokument wird in der zeitgenössischen Rechtschreibung und Zeichensetzung wiedergegeben.

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Das Werk – eine rhetorisch mustergültige Rede – sieht in der sittlichen Erziehung der Jugend bzw. in der „Ausbildung des moralischen Charakters der Bürger zur Tugend und Rechtschaffenheit“ das Fundament jeder Gesellschaft. Sie ist Bedingung „gemeiner Wohlfahrt“ und Voraussetzung für die „Glückseligkeit“ jedes einzelnen und aller Bürger. Dieser Leitgedanke wird in einem Tugendkatalog entfaltet, in dem „Patriotismus“ und Arbeit im Zentrum stehen: „Arbeit ist deine Pflicht, und die sicherste Brustwehr gegen das Laster. Ein müssiger Mensch ist eine unnütze Last der Erde, und ein faules Glied des Staats.“ Die Rede verdeutlicht das spätaufklärerische Programm einer „verhältnismäßigen Erziehung“ - verhältnismäßig je nach Stand und Rolle des Untertanen im absolutistischen Staat. Mit einer Eloge auf die aufgeklärten Herrscher, Kaiserin Maria Theresia und Thronfolger Joseph, endet die Rede.

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Das Fach- und Kulturportal der Goethezeit
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