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Informationen über Neuerscheinungen zur Goethezeit

»Unser Buch-Tipp der Woche«


Reimar F. Lacher (Hg.): »Von Mensch zu Mensch. Porträtkunst und Porträtkultur der Aufklärung«

(Wallstein Verlag, 08/2010, 192 Seiten mit 153, überw. farb. Abbildungen, Reihentitel: Schriften des Gleimhauses Halberstadt, Bandnummer: 07, ISBN: 978-3-8353-0769-8)

Katalog zur Ausstellung im Gleimhaus Halberstadt vom 28. August bis 20. November 2010. Mit Beiträgen von Helmut Börsch-Supan und Doris Schumacher

Lange Zeit wurde das Porträt als Kunstgattung innerhalb der Künste gering geschätzt. Kritisiert wurde, dass das Bildnis nicht auf Schönheit angelegt, sondern nur der Ähnlichkeit verpflichtet war. Im Zeitalter der Aufklärung kam es jedoch zu einer grundlegenden Aufwertung der Gattung. Die Künstler konzentrierten sich nun auf das Gesicht, von dem man meinte, dass sich in ihm die Seele des Porträtierten spiegele. In diesem Katalog wird die Aufmerksamkeit auf die differenzierte Mimik, die Darstellung von Innerlichkeit und Intimität gerichtet, durch welche sich das Porträt der Aufklärung auszeichnet. Die Perspektive auf die künstlerischen Mittel wird ergänzt um eine Darstellung des Umgangs mit dem Bildnis, das sich so als allgegenwärtiges Medium der Kommunikation in Geselligkeitskultur und literarischer Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts erweist.

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»Weitere attraktive Neuerscheinungen«


Josua Belak: »J. W. v. Goethe: Bekenntnisse einer schönen Seele«

(Goethe Literaturverlag /Frankfurt am Main, Februar 2010, ISBN: 9783837206012)

In den Bekenntnissen einer schönen Seele lenkt J. W. v. Goethe den Blick auf ein zentrales Geschehen - die Entwicklung der eigenen Seele. Durch die vertrauliche Erzählung der Hauptperson teilen sich dem Leser die Empfindungen der Freuden und Leiden einer liebenden Seele mit. In zehn Stufen macht Phyllis die intime Bekanntschaft mir ihrer Seele, die Ihr schließlich zum vertrauten Freund und Berater wird. - Diese wunderbare Erzählung gleicht einem Reisebericht in ein nahegelegenes, aber nur wenigen bekanntes Land. Die Landschaft ist ebenso lieblich wie reizend, die Begegnungen mit dem Landesfürsten sind zauberhaft. Völlig verändert kommen seine Besucher nach Hause, beglückt und gestärkt. Wer einmal da war, kehrt immer gerne wieder dorthin zurück ...

Der ohnehin spannenden Geschichte wird durch den autobiographischen Bezug zu J. W. v. Goethes ́ Leben ein besonderer Glanz verliehen. Es ist s e i n Bekenntnis und nimmt dadurch eine zentrale Stellung in seinem Leben ein. Von diesem stahlt ein Licht auf sein gesamtes Schaffen und Wirken, auf die universale Schöpferkraft, die seiner Persönlichkeit innewohnte. Die Wahrheit dieses Bekenntnisses wird durch sein Leben bezeugt, das aus diesem inneren Schaffen, gewissermaßen des Dichters esoterischem Streben, herausgeflossen ist.

Wenn es auch heute noch nicht zum Allgemeingut der Menschheit gehört, so ist die Entwicklung der eigenen Seele in entsprechenden Stufen doch jedem Menschen möglich. Der vorliegende Kommentar bietet eine wertvolle Handreichung eigene Erfahrungen zu machen.

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Steffen Fischer (Hg.) »Gedichte von Luise M. Hensel«

Eine junge Frau dichtete 1816 in Berlin ein frommes, vierstrophiges Gedicht, das mit den Versen beginnt:

Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu: Vater, lass die Augen dein über meinem Bette sein.

Diese Verse wurden als Kindergebet weltberühmt. Doch nur wenige kennen den Namen der Dichterin, geschweige denn ihr Leben. Luise Hensel ist die Dichterin. Sie wurde 1798 in Linum als Pfarrerstochter geboren und ist 1876 in Paderborn gestorben. Die in dieser Sammlung enthaltenen Gedichte von ihr, zeichnen sich durch den Geist milder, inniger und sehnsüchtiger Frömmigkeit aus. Im Vorwort dieses Buches heißt es unter anderem: "Über den Wert der Henselschen Lieder noch ein Wort zu verlieren, dürfte überflüssig erscheinen, nachdem die verschiedensten Kreise der Kritik, selbst solche, deren Lebensanschauung der der Dichterin durchaus entgegenstanden, in günstiger weise sich geäußert haben."

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Robert Mattheis: »Hohlkörper. Roman aus der Medienwelt«

(Acabus Verlag, 228 Seiten, 16,90 Euro, ISBN-10: 3941404555, ISBN-13: 978-3941404557)

Eigentlich ist es ein überschaubarer Job, mit dem Bob und Georg, Texter in einer der größten Medienagenturen des Landes, betraut werden: Sie sollen unter Pseudonym einen Thriller-Bestseller schreiben. Es stellt sich jedoch heraus, dass auch wohlgemeinte Ratschläge ihres Auftraggebers, des global operierenden Entertainment-Konzerns Cyclops Media, den Auftrag nicht auf den erwarteten Weg zu bringen vermögen. Das Roman-Projekt schlingert auf exzentrischen Bahnen umher. Einer der Gründe dafür liegt in Bobs Vergangenheit - von dort kehrt immer wieder ein furchtbares Geheimnis zurück, das Bob daran hindert, mit seiner Gegenwart in Übereinstimmung zu kommen ... auch seine überstürzte Flucht in die Provinz und eine Liebelei mit der schönen Elena vermögen die Gespenster von gestern nicht zu bannen!


Wenn man den Schicksalen von Bob und Georg aufmerksam folgt, verschwimmen nach kurzer Zeit Fiktion und Realität, und Traum und Bewusstsein verwirren sich. Die menschliche Existenz stürtzt sich beinahe kopfüber in das Meer des Imaginären. 


Dabei sind „Hohlkörper“ im Grunde wie wir alle: Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie nichts zu verlieren haben. Dafür passt einiges in sie hinein. Da sie ihre Seele verkauft haben, müssen sie nun ihre Haut zu Markte tragen. 
Angesicht dessen darf natürlich in „Hohlkörper“ die Komik nicht zu kurz kommen! Das Buch liest sich, als hätte Cervantes sich an eine Neufassung von „Der Fänger im Roggen“ gewagt. Oder als hätten Samuel Becketts Wladimir und Estragon das Warten auf Godot aufgegeben und einen Job in einer Werbeagentur angenommen.


Dieser Roman aus der Medien-Parallel-Welt ist überdreht, aberwitzig und satirisch-boshaft. Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der Kulissenschieber aus der Welt der Agenturen, der Verlagshäuser, der internationalen Wirklichkeitsgaukler.

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