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Jutta Assel und Georg Jäger

Georg Büchner: Dantons Tod

Illustriert von Paul Hübner, 1920

 

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Dritter Akt
Neunte Szene
Der Revolutions-Platz

 

(Zwei Henker an der Guillotine beschäftigt.)

Erster Henker (steht auf der Guillotine und singt).

    Und wenn ich hame geh'
    Scheint der Mond so scheh –

Zweiter Henker. He, holla! Bist bald fertig?
Erster Henker. Gleich, gleich! (Singt):

    Scheint in meines Ellervaters Fenster –
    Kerl, wo bleibst so lange bei die Menscher?

So! Die Jacke her! (Sie gehn singend ab:)

    Und wenn ich hame geh'
    Scheint der Mond so scheh –

Lucile (tritt auf und setzt sich auf die Stufen der Guillotine). Ich setze mich auf deinen Schoß, du stiller Todesengel. (Sie singt:)

    Es ist ein Schnitter, der heißt Tod,
    Hat Gewalt vom höchsten Gott.

Du liebe Wiege, die du meinen Camille in Schlaf gelullt, ihn unter deinen Rosen erstickt hast. Du Totenglocke, die du ihn mit deiner süßen Zunge zu Grabe sangst. (Sie singt:)

    Viel hunderttausend sind ungezählt,
    Was nur unter die Sichel fällt.

(Eine Patrouille tritt auf.)
Ein Bürger. He, wer da?
Lucile (sinnend und wie einen Entschluß fassend, plötzlich): Es lebe der König!
Bürger. Im Namen der Republik!
(Sie wird von der Wache umringt und weggeführt.)

 

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